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Wie man Trick-Betrüger im Internet überlistet

Im Internet wird immer wieder versucht, Leute abzuzocken. Das jüngste Beispiel betraf einen Redaktor der az, der von einer ihm bekannten Frau um finanzielle Hilfe angegangen wurde.

Toni Widmer
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Betrügerisches Mail im Internet.

Betrügerisches Mail im Internet.

Widmer Toni

Obwohl mir die Absenderin bekannt ist und ich beruflich schon öfter mit ihr zu tun hatte, kam mir das Mail komisch vor: «Ich bin nach England verreist und habe meine Tasche verloren samt Reispass und Kreditkarte. Die Botschaft ist bereit, mich ohne meinen Pass fliegen zu lassen. Ich muss nur noch für mein Ticket und die Hotelrechnungen zahlen», bat mich die Dame um Geld.

Nun bin ich mit ihr weder per Du und auch nicht so gut bekannt, dass sie mich um einen finanziellen Gefallen von 1960 Franken bitten würde. Zudem macht sie kaum Schreibfehler, das besagte Mail war voll davon.

Vorsicht mit Western Union

Doch ihre Mailadresse war richtig und deshalb schrieb ich zurück: Ich helfe Ihnen gerne. Wie und wohin soll ich das Geld überweisen?» Die Antwort kam postwendend: «Bitte finde das nächste Western Union Büro oder Poststelle, und hilf mir das Geld mit den folgenden Informationen zu schicken: Adresse: 204b Cheltenham Road, Bristol BS6 5QZ, England. Ich verspreche Dir dieses Geld zurück zu geben, sobald ich zurück bin.»

«Das Einzige, was hier authentisch ist, das ist die E-Mail-Adresse Ihrer Bekannten», sagt dazu Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei. Allein schon der holprige Text verrate rasch, dass hier etwas nicht stimmen könne. «Zudem», sagt Graser, «drängt sich doch für jeden Empfänger einer solchen Nachricht unweigerlich die Frage auf, weshalb sich die fragliche Person ausgerechnet an einen wendet.

Fazit: Wer auf diesen plumpen Betrugsversuch hereinfällt, ist selber schuld.» Die Hintermänner solcher Aktionen könnten im Übrigen kaum gefasst werden, erklärt Graser weiter.

Leider, sagt er, gäbe es immer wieder Leute, die auch auf offensichtliche Tricks hereinfallen würden: «Bei so viel Gutgläubigkeit nützen sämtliche Präventionsbemühungen wenig. Der beste Schutz gegen Trickbetrüger im Internet», hält er fest, «ist nach wie vor gesunder Menschenverstand und eine Portion Misstrauen.»

Erst überlegen, dann klicken

Walter Frauchiger von Walfra Computer in Villmergen pflichtet Graser bei: «Zuerst überlegen und dann klicken – damit kommt man im Internet weit.» Mit etwas Nachdenken könne man Betrugsversuche rasch erkennen. «Es gibt», sagt Frauchiger, «zum Beispiel keine Bank, die ihren Kunden Anweisungen zum
E-Banking via E-Mail gibt. Dazu werden Briefe verschickt.» Und doch würden immer wieder Leute auf die bekannte «Warnung» hereinfallen, sie müssten ihre Kreditkarten-Daten über eine Webseite der Bank aktualisieren.

Dass gelegentlich nicht überlegt, sondern geklickt und sogar gezahlt wird, weiss Frauchiger aus Erfahrung: «Der gravierende Virus mit Blockade des PC’s, Warnung der Bundespolizei und Konterfei von Ueli Maurer hat einige Kunden zum Zahlen veranlasst. Ihren PC haben dann wir wieder flott gemacht und das hat noch einmal Geld gekostet. Neben gesundem Menschenverstand rät Frauchiger zu einem professionellen Virenschutz: «Wer hier nicht spart, kann im Endeffekt sehr viel sparen.»

Auf die Hilferufe meiner Bekannten, deren E-Mail-Account trotz Virenschutz geknackt worden war, ist niemand herein gefallen. «Es hat Leute gegeben, die waren ernsthaft in Sorge um mich, aber Geld einbezahlt hat niemand. Alle haben sich vorher telefonisch erkundigt und erfahren, dass ich wohlauf zuhause bin.»