Bremgarten

Wie macht man aus Europäern Chinesen?

Sonja Büchli richtet eine Perücke für den nächsten Einsatz her.

Sonja Büchli richtet eine Perücke für den nächsten Einsatz her.

Auch hinter der Operettenbühne wird Unverzichtbares geleistet: In einer guten halben Stunde verwandelt das siebenköpfige Team um Manfred Massler 50 Europäer in Chinesen.

«Es ist vor allem eine Frage der Organisation», meint der freischaffende Maskenbildner Manfred Massler. Gut 50 Darstellende müssen in der Pause zwischen dem 1. und dem 2. Akt in Chinesen umgeschminkt werden. Einen Grundteint haben sie alle schon vor dem 1. Akt aufgetragen bekommen; bei den Damen wurden zusätzlich Augen und Lippen betont sowie Rouge aufgetragen, die Männer haben einen Lidstrich bekommen.

In der Pause geht sich die eine Hälfte des Ensembles zuerst umziehen, die andere kommt sofort in die Maske. Ein schwarzer Strich wird seitlich an die Augen gemalt, und die Brauen werden aussen etwas nach oben gebogen. Vor allem aber bekommen sie alle eine Perücke mit einem feinen langen Zopf oder einem Haarknoten.
Trotz der Eile ist das aber nicht die grösste Herausforderung dieser Produktion, wie Massler betont: «Vor der Vorstellung müssen wir innert zweier Stunden das gesamte Ensemble für die Bühne bereit haben. Ziel ist dabei, dass nicht nur wir, sondern auch die Darstellenden selber, die Regie, die Produktion, kurz gesagt einfach alle zufrieden sind.»

Es müssen ausnahmslos alle Darstellenden geschminkt werden. «Käme jemand ungeschminkt auf die Bühne, würde er in dem grellen Licht auffallend rot wirken.» Das Bühnenlicht hat es überhaupt in sich. «Das Licht ist extrem wichtig», erklärt Sonja Büchli. Die Maskenbildnerin arbeitet oft mit Massler zusammen bei Musical- und Opernproduktionen – etwa in Zürich, wo sie die Maske bei «Klassikern» wie Cats und Grease gemacht haben, aber auch bei Udo Jürgens «Ich war noch niemals in New York».

Alles selber gestylt

«Gerade wegen des Lichts muss man sehr viel über das Schminken wissen», führt sie weiter aus. «In jedem Stück, auf jeder Bühne ist das Licht anders, und deshalb schauen sich die Maskenbildner das Licht genau an, bevor sie mit Schminken beginnen.»

In der Garderobe herrscht derweil reger Betrieb. Auf der Bühne wird gerade geprobt, und laufend betreten Darsteller die Garderobe, um ihre Chinesen-Perücke wieder abzugeben. Sonja Büchli nimmt sie ihnen ab, frisiert zerzauste Haare glatt und setzt die wieder einsatzbereite Perücke auf den Styropor-Kopf mit dem Namen des betreffenden Darstellers. All die gezöpfelten und geknoteten Frisuren hat Manfred Massler selber gestylt. Bestellt hatte er Perücken mit langem schwarzem Haar. Kunsthaar in diesem Fall. «Echthaar ist extrem teuer, und man sieht den Unterschied kaum», erklärt Massler.

Ausserdem gebe es mit Echthaar ein ethisches Problem, fügt er an - dieses komme nämlich zu 90% aus Indien, sei sogenanntes Tempelhaar, also eigentlich eine Opfergabe indischer Frauen, die sich kahl rasierten. «Dieses Haar wird dann für teures Geld verkauft und weiter verarbeitet, also gebleicht und neu eingefärbt, eventuell gelockt, was man halt braucht. Die indischen Frauen haben wohl keine Ahnung, was mit ihrer Opfergabe passiert.»

Und schon betritt wieder ein Chinese die Garderobe, zieht die Perücke vom Kopf und sieht wieder aus wie der Bremgarter von nebenan.

Premiere von «Das Land des Lächelns» von Franz Lehár ist am 14. März. Tickets für alle Vorstellungen sind auf
www.operette-bremgarten.ch und an der Abendkasse erhältlich.

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