Diese Huwilers in Sins gab es nie. Aber wenn man Othmar Betscharts Büchlein «S’Kellehusers» liest, ist man nicht mehr so sicher. Der Sinser Oberstufenlehrer lässt die Familie Huwiler vom Kellenhus aus Sins die gesellschaftlichen Umwälzungen und Wirren der Reformation erleben und nimmt damit die Leserinnen und Leser auf eine Reise in die Vergangenheit. Entstanden ist die leicht lesbare und packende historische Erzählung im Rahmen einer zehnwöchigen Intensivweiterbildung. «Eigentlich wollte ich mich zuerst nur dem Thema Klassenlager widmen», sagt Betschart, «dann aber kam das Projekt der historischen Erzählung hinzu». Für ihn ist die Geschichte, die Vergangenheit, die Grundlage, die Gegenwart zu verstehen und Herausforderungen der Zukunft zu meistern.

In Sins angesiedelt

Betschart, selber ein Freund historischer Romane und lebendigen Geschichtsunterrichts, siedelte seine Erzählung in Sins und im oberen Freiamt an, wo er sei 30 Jahren lebt und sich heimisch fühlt. Schreiben, stellte er fest, ist nicht einfach in die Tastatur zu greifen. Es reicht nicht, die historischen Fakten zu kennen und richtig einzuordnen. «Man muss Personen, Charaktere erfinden, Spannung aufbauen, es muss Konflikte geben.» Eine besondere Herausforderung stellte dabei die Länge des Textes dar. «Auf der Seite 80 muss schliesslich auch noch stimmen, was auf der Seite 5 geschrieben ist.» Wenn er angestanden ist, wenn sich die Schreibblockade meldete, ging er raus, suchte die Örtlichkeiten auf, an denen seine Personen agieren und konnte dann weiterschreiben. «Meine Frau sagte oft: Gang go laufe.»

Es hat sich gelohnt. Die Geschichte spielt zwischen 1528 und 1531, als es zwischen den reformierten Städten Zürich und Bern und der katholischen Innerschweiz zum Konflikt kam. Damals spaltete sich das Freiamt in zwei Teile und wurde in die Auseinandersetzung der Konfessionen hineingezogen. Diese Ereignisse, die in der Schlacht von Kappel gipfelten, lässt der Autor aus dem Blickwinkel der fiktiven Familie Huwiler aus dem Kellenhus in Sins aufleben. Er tut dies auf spannende Art und Weise und bietet so gleich noch eine Art Geschichtsunterricht, den man sich gerne gefallen lässt.

Gratwanderung

Für den Autor galt es, zu versuchen, sich in eine Zeit zurückzuversetzen, die er nur aus Geschichtsbüchern und historischen Romanen kennt. «Ich hoffe, es ist mir gelungen.» Sicher ist, dass die beschriebenen Örtlichkeiten damals wie heute existieren. Dominik nimmt Verena «im Falk», bei der geheimnisvollen Steinreihe, bei der Hand, er muss beim Amtshaus Meienberg an den noch immer vorhandenen Pranger. Männer arbeiten in den Chalchtaren, Jodok geht über Tschampani nach Hause. «Man könnte», sagt Betschart, «mit dem Buch in der Hand die Handlung an den echten Örtlichkeiten verfolgen.» Betschart gelingt zudem eine Art Spagat zwischen der Vergangenheit und heutigen Themen. So tritt etwa der Konflikt aller Eltern zu Tage, einerseits die Kinder beschützen zu wollen und andererseits loszulassen, sie den eigenen Weg gehen zu lassen. Und selbstverständlich kommt eine kleine Liebesgeschichte vor, auch wenn sie unglücklich endet.

«S’Kellehusers» von Othmar Betschart. Erhältlich für 10 Franken bei der Raiffeisenbank Oberfreiamt Sins, Blumenparadies und Papeterie Waespi, Sins, und beim Autor direkt: othmar.betschart@datazug.ch