Na, da hatten sich die Kollegen ja etwas für mich Nordlicht ausgedacht. Als während einer Redaktionssitzung das Guggibad-Schwinget zur Sprache kam, hatten sie plötzlich die Idee, dass ich als Norddeutsche doch über meine Eindrücke schreiben könnte – schliesslich hatte ich mir so einen typisch schweizerischen Anlass noch nie angeschaut.

Also stehe ich am späten Vormittag am traditionellen Schwingplatz und schaue mir die Sache einmal an. Da es kalt und regnerisch ist, habe ich mich warm angezogen, ganz nach dem norddeutschen Motto: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung. Die Schweizer kennen das Motto offensichtlich auch. Meine nächste Anschaffung wird eine Regenhose sein. Doch dazu später mehr.

Das Nordlicht bei den Bösen: Verena Schmidtke mit noch skeptischem Blick.

Das Nordlicht bei den Bösen: Verena Schmidtke mit noch skeptischem Blick.

Archaisch aber freundlich

Ich lasse die Eindrücke auf mich wirken. Es duftet nach Sägespänen und Raclette-Käse, hin und wieder liegt ein Hauch Zigarrenrauch in der Luft. Wie es sich für eine Region gehört, werden die Freiämter Schwinger ganz besonders von den Zuschauern angefeuert. Natürlich habe ich schon mitbekommen, dass wir in Sarmenstorf, wo ich wohne, gute Sportler in dieser Sparte haben. Kein Wunder also, dass mir unser Gemeindeammann Mäni Baur über den Weg läuft. Er findet mein Vorhaben, als Norddeutsche über ein Schwingfest zu berichten, interessant. «Ich habe auch schon mal überlegt, die Verwandtschaft aus Deutschland hierher mitzunehmen. Das wäre doch ein spezielles Erlebnis.» Da kann ich nur zustimmen.

Nach einer Weile packt mich das Wettkampffieber, und wenn ein Freiämter am Start ist, drücke auch ich die Daumen. Der Sport wirkt ein wenig archaisch. Aber er sei ja auch einige Jahrhunderte alt, so Andreas Ender, der Präsident vom Schwingklub Freiamt. Einige Würfe und Techniken muten fast akrobatisch an. Die Hingabe an den Sport ist nicht zu übersehen. Gerade, wenn es wirklich aussichtslos aussieht, setzen die Schwinger alles daran, nur nicht mit den Schultern den Boden zu berühren. Schnell fällt mir die freundliche Geste auf, dem Unterlegenen die Sägespäne abzuklopfen. OK-Präsident Rolf Schmid betont: «Das gute Miteinander gehört beim Schwingen einfach dazu.»

Das Lächeln des beinharten Kerls

Dafür, dass das Wetter nicht besonders gut ist, sind viele gut aufgelegte Zuschauer gekommen. Bis zum Nachmittag werden es immer mehr. «Ich schätze mal optimistisch 600 Personen», sagt Schmid. Das Wetter sei nicht ideal für die Schwinger, erklärt er. «Strömender Regen wäre aber noch schlimmer.» Nach einer Weile wird aus gelegentlichem Tröpfeln ein wahrer Hagel-Schneeschauer, die Wettkampfplätze sind bald weiss. Schnell strömen die Besucher ins Festzelt, dort ist es, verglichen mit draussen, muckelig warm, es gibt etwas zu essen und Musik. Draussen in der Kälte geht hingegen das Schwingen weiter, das nötigt mir wirklich Respekt ab für die Sportler.

Netterweise nimmt sich Marco Küng aus Bünzen nach seinem Wettkampf kurz Zeit für mich. Sehr sympathisch finde ich ja, dass sich hier auf dem Platz alle duzen. «Das Wetter ist extrem schwierig», erzählt der 23-jährige Schwinger, «es ist nass und kalt, man spürt die Finger kaum noch.» Er sei seit 2004 Schwinger, die Kameradschaft sei toll und der Sport sowieso. «Nur heute macht es nicht so richtig Spass», stellt er abschliessend fest, wobei er sich aber ein freundliches Lächeln abringt. Mir fällt dazu nur ein, dass Schwinger wirklich beinharte Kerle sind.