Mit letzter Kraft schrie Diana Schmid über das Tosen des Rheins hinweg um Hilfe, dann tauchte sie erneut unter, ihr wurde schwarz vor Augen und sie verlor das Bewusstsein. «Danach», erinnert sie sich, «hörte ich einen feinen, hellen Ton. Ohne Rhythmus.» Schwerelos sei sie durch einen hellen Tunnel zu einem gelb-orangen Licht geschwebt, den Körper habe sie hinter sich gelassen. «Ich fühlte mich sicher und geborgen, mir war wohl wie nie zuvor. Alle Angst war weg.»

Der zweite Geburtstag

Am Montag jährte sich der Badeunfall, bei dem die damals 16-Jährige bei Neuhausen am Rhein fast ertrunken wäre, zum 26. Mal. «Seither ist dieser Tag für mich ein zweiter Geburtstag», sagt die Frau, die als Krankenpflegerin in einem Altersheim arbeitet. «Ich bin glücklich, dass ich überlebt habe. Aber rund um den Jahrestag werde ich immer nachdenklich.»

Seit etwa fünf Jahren spricht sie über den Unfall. Kurz danach jedoch konnte sie nicht einmal ihrer Mutter erzählen, wie nahe sie dem Tod gewesen war. Das eigene Leid wurde vom Tod ihres Grossvaters am gleichen Tag überschattet.

Am 25. Juli 1985 ging Diana Schmid mit einem Bekannten aus der Nachbarschaft zum Baden an den Rhein – so, wie sie es schon unzählige Male zuvor getan hatte. «Ich war eine richtige Wasserratte und eine sehr gute Schwimmerin», sagt sie.

Luft holen oder um Hilfe schreien

Auf einer kleinen Felseninsel im Rhein wollten sie ein Feuer machen. Für den Holztransport wollten sie ein Seil von der Insel ans Ufer spannen: Die eine Hand am Seil, die andere in der Höhe mit dem Holz, wollten sie so durch die Strömung schwimmen. Schmid befestigte deshalb zunächst ein Ende des Nylonseils an einer Fahnenstange auf der Insel, das andere band sie sich um den Bauch. «Mein Bekannter und ich schwammen gleichzeitig los Richtung Ufer.»

Plötzlich aber habe sie die Strömung erfasst und abgetrieben. Das Seil spannte, sie wurde auf den Rücken geworfen und der Knoten des Seils festgezurrt. «Durch das Wasser sah ich den Himmel.» Das Wasser habe sie mit aller Wucht runtergedrückt, sie aber kämpfte sich mehrere Male mit aller Kraft an die Wasseroberfläche zurück. Luft holen oder um Hilfe schreien? Schmid holte Luft, weil sie, wie sie glaubte, in dem tosenden Wasser sowieso niemand gehört hätte. Irgendwann verliess sie die Kraft: «Ich wusste, jetzt stirbst du.» Nun schrie sie um Hilfe.

«Mich erwartet etwas Schönes»

Wie lange sie bewusstlos und dem Tode nahe gewesen war, weiss Schmid nicht. Sie erinnert sich aber, dass sie kurz, als sie spürte, wie ihr Bekannter ihr schliesslich zu Hilfe kam, an ihr rüttelte, das Seil löste und sie ins Leben zurückholte, weder Licht noch Melodie verlassen wollte.

Heute sei das Leben wichtiger. «Aber», sagt sie, «ich weiss, wenn es mal so weit kommt, erwartet mich etwas Schönes.»