Muri
Wie ein Lehrer aus Muri zum neuen «Tatort»-Kommissar aufstieg

Roland Koch (53), sonst am Burgtheater Wien engagiert, ermittelte in der Folge «Nachtkrapp» am Bodensee zum ersten Mal als «Tatort»-Kommissar. Der Weg dazu war lang. Kochs Karriere begann am Lehrerseminar in Wohlen.

Urs Ammann
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Der neue Tatort-Kommissar aus Muri
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Koch mit Kollegin Eva Mattes.
Roland Koch als Metteo Lüthi
Roland Koch löst den «Tatort»-Fall heute Abend bestimmt. ho
Roland Koch wird als Matteo Lüthi im neuen Bodensee-"Tatort" gemeinsam mit Eva Mattes (Klara Blum) ermitteln

Der neue Tatort-Kommissar aus Muri

zvg/SRF

Der 53-jährige Roland Koch ist Schauspieler, Regisseur und Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater. Am Sonntag hatte er seinen ersten Auftritt als «Tatort»-Kommissar Matteo Lüthi. In der Folge «Nachtkrapp» ermittelte der Freiämter an der Seite von Eva Mattes am Bodensee. Koch löste Stefan Gubser ab, der beim «Tatort» bisher den Schweizer Kommissar Reto Flückiger gespielt hatte.

Warum fiel die Wahl beim neuen Schweizer «Tatort»-Kommissar auf Roland Koch. «Dass mich Deutsche, Österreicher und Schweizer kennen, mein Typ, mein Alter stimmen, gab mir die Gelegenheit, beim ‹Tatort› einzusteigen», sagt der gebürtige Murianer. Koch spricht in seiner Rolle Bühnendeutsch, den Schweizer streicht er heraus, in dem er gewisse Begriffe aus der Mundart einwerfen wird. Klischees versucht Koch nach Möglichkeit zu vermeiden.

Vom Lehrerseminar ans Burgtheater Wien

Roland Koch, aufgewachsen in Muri, besuchte nach der Bezirksschule das Lehrerseminar in Wohlen. Von 1979 bis 1982 studierte er Psychologie und Ethnologie an der Universität Zürich. Im gleichen Zeitraum besuchte er die Schauspielschule Zürich. Die «École internationale de théâtre Jacques Lecoq» in Paris war eine weitere Station seiner Ausbildung.

Nach Engagements an den Theatern Celle, Konstanz, Hannover, an der Berliner Volksbühne und am Münchner Residenztheater ist er seit 1999 Mitglied des Wiener Burgtheaters, wo er seit der Spielzeit 2007/2008 auch die Funktion des Ensemblesprechers innehat.

Die Darstellung des «Ebenwald» bescherte Koch 2011 eine Nestroy-Nominierung als bester Schauspieler, nachdem er 1998 schon als Doktor Thomas Stockmann in 1998 «Bester Schauspieler» der Zeitschrift Theater gewählt worden war.

Der Arbeit für Film und Fernsehen hat sich Roland Koch erst relativ spät in seiner Karriere geöffnet, als er am Theater bereits ein etablierter Schauspieler war. Seit 2000 hat er in einer Reihe von Fernsehfilmen und -serien mitgewirkt. Einem grösseren Fernsehpublikum wurde er durch die Rolle des Doktors Gesswein in der Serie «Der Fürst und das Mädchen» an der Seite von Maximilian Schell und die Mona-Seiler-Krimis mit Mariele Millowitsch bekannt.

Von 2008 bis 2009 stand Koch in der männlichen Hauptrolle für die ARD/ORF-Serie «Geld.Macht.Liebe» vor der Kamera. In der Produktion «Geliebter Johann - Geliebte Anna», die 2010 bei der Romy-Verleihung als bester Fernsehfilm ausgezeichnet wurde, porträtierte er den Grafen Metternich. In der Hauptrolle der Schweizer Filme «Studers erster Fall» und «Kein Zurück - Studers neuster Fall» war er ebenfalls zu sehen.

Seit mehreren Jahren hält Koch Gastvorträge in Bühnen- und Filmgestaltung an der Universität für Angewandte Kunst Wien. Zudem unterrichtet er Schauspiel am Konservatorium Wien und Rollengestaltung am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Hier lebt er seine Ausbildung als Lehrer wieder aus.

Roland Koch ist Vater dreier Töchter im Alter von 15, 20 und 25 Jahren, die bei ihrer Mutter in Berlin leben. (ua)

Nach der ersten Folge mit Koch, die im Tatort-Forum (siehe Kasten oben rechts) durchzogen bewertet wurde, sollen die Reaktionen abgewartet werden. Dann erst wird über eine Fortsetzung nachgedacht.

8000 Schauspieler für 500 Plätze

Begabung und Eignung für den Schauspielberuf garantieren laut Koch noch keinen Erfolg. «Allein im deutschsprachigen Raum tummeln sich zwischen acht- und zehntausend Schauspieler, deren 500 decken die Bedürfnisse eigentlich ab», sagt er. Die Chance sei gross, es nicht zu schaffen. Sein Geld als Schauspieler zu verdienen, ist aus Roland Kochs Sicht schwierig. «Die Auswahlverfahren sind hart, die subjektive und objektive Selektion zehrt», erklärt er. So ist laut Koch die psychische Eignung, das innere Feuer wesentlich.

Als Schauspieler ist es ihm in Wien wohl, das Burgtheater als Institution zeige und unterstreiche den Status des Schauspiels. Koch hat die Wertschätzung, die ihm in Wien zuteil wird, sehr gern, auch wenn er sich zuerst daran gewöhnen musste. Einzig die Berge fehlen ihm: So ist er um Engagements wie bei «Wilhelm Tell» im Jahr 2004 sehr froh. Zusätzlich ist er sicher einmal im Jahr für eine Woche als Wanderer im Appenzellerland anzutreffen.

Gute Kritik für Roland Koch

«Nachtkrapp» ist der vierte Bodensee-«Tatort», den das SRF und der SWR produzierten. Die Dreharbeiten fanden im Herbst 2011 in Konstanz, Baden-Baden, Kreuzlingen und im Säntisgebiet statt. Roland Koch erhält auf tatort-fundus.de gute Noten. «Koch spielt ihn fast so cool wie Henning Baum den ‹letzten Bullen›», schreibt Kritiker Frank Rauscher. Und weiter: «Ein starker Auftritt von Eva Mattes, dem der des ‹Neuen›, Roland Koch, in nichts nachsteht.» (fh)

«Dass mich Deutsche, Österreicher und Schweizer kennen, mein Typ, mein Alter stimmen, gab mir die Gelegenheit, beim ‹Tatort› einzusteigen.»

In diesem Jahr spielt Roland Koch an den Salzburger Festspielen, liest in St. Pölten und möchte sich vor allem auch seinen Schülern widmen. Koch doziert szenischen Unterricht, bereitet sie als Mentor auf die Bewerbungstouren vor und hilft ihnen Rollen einzustudieren. Koch spürt in dieser Meister-Schüler-Beziehung seine pädagogische Ader und bekommt von jungen Talenten viel Energie zurück. «Ich trage aber auch eine grosse Verantwortung, die wirklichen Begabungen ans Licht zu bringen», ist er sich bewusst. Insbesondere die «schwierigen Fälle» interessieren Koch.

Rollen lernen ist Fleissarbeit

Noch heute ist das Lernen von Rollen für ihn schwierig, dazu kommt, dass der Zeitdruck an den Sets gewaltig gestiegen ist. «Für Proben bleibt nicht lange Zeit, Regisseure suchen Schauspieler, die schon als Person möglichst in das gesuchte Format passen», sagt er. So bleibt wenig Zeit, sich kennen zu lernen: «Man spielt miteinander, auch wenn man sich fremd ist, man funktioniert, nähert sich dem an, was gefragt ist.»

Umso wichtiger ist die Professionalität, denn das Set spiegelt laut Koch die eigene Gefühlslage. «Tritt man sicher auf, hat man die Figur gut erkannt, ist das Format logisch, spannend», sagt er. «Wenn du dich für eine Figur entschieden hast, dann spielst du sie auch gut, schliesslich ist es ein Glück, dass du diese Rolle ausfüllen darfst», erklärt koch

Auf dem Set herrscht ein klarer, disziplinierter Ablauf, ein Räderwerk, das geschmiert läuft. Zeitverluste kosten Geld; also werden die Szenen am gleichen Ort, nacheinander, aber nicht immer in chronologischer Reihenfolge gedreht. «Umso wichtiger ist es, dass alle Beteiligten das Drehbuch kennen und die Geschichte auch wirklich begriffen haben», betont Roland Koch.