Wohlen
Wie die Wohler zu ihrem Zirkus kamen - Traum vom eigenen Circus Monti

Viele im Dorf hielten ihn zwar für einen Spinner, andere aber halfen vor 30 Jahren tatkräftig mit, Guido Muntwylers Traum vom eigenen Circus Monti zu verwirklichen.

Jörg Meier
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1977 - Die Montis machen Ferien beim Circus Olympia
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Circus Monti damals
Vor 30 Jahren erfüllte sich Guido Muntwyler mit einem eigenen Circus einen Traum
Alte Aufnahme des Circus Monti

1977 - Die Montis machen Ferien beim Circus Olympia

Zur Verfügung gestellt

«Und me begryfft, dass d’Lüt hei gseit: däm Ma, däm spinnts.» Diese Liedzeile von Mani Matter bezieht sich zwar auf Noah aus dem Alten Testament. Aber die Zeile passt auch bestens zu Wohlen, zu den Wohlern und wie sie reagierten, als Guido Muntwyler vor 30 Jahren den Schuldienst quittierte und seinen eigenen Zirkus gründete. Ja, man darf das heute schreiben. In Wohlen sagten damals viele Leute: «Dem Guido Muntwyler, dem spinnts.»

Dabei war Guido M. bisher ein richtig guter Wohler gewesen. Er war ein beliebter Reallehrer, hatte eine Wohler Lehrertochter geheiratet, war Vater von vier gefreuten Kindern. Er politisierte für die CVP, engagierte sich zwölf Jahre im Einwohnerrat, war früher Jungwächter und Samichlaus gewesen.

Man liebte ihn für seine Auftritte als Clown mit Sonnenschirm an der Fasnacht. Und man nahm es ihm auch nicht weiter übel, dass er sich in den 70er-Jahren für ein autonomes Jugendzentrum in Wohlen eingesetzt hatte. Man schätzte ihn zu sehr. Guido M., der fröhliche Macher, der Mann, der die Menschen begeistern konnte.

Das Wunder von Wohlen

Natürlich hatte man von seinem Faible für den Zirkus gewusst, natürlich war bekannt, dass er die Sommerferien mit der ganzen Familie im Zirkus verbracht hatte. Aber deswegen musste er ja jetzt nicht gleich einen eigenen Zirkus auftun und sein gesichertes Leben aufgeben. Und erst noch alle vier Kinder mitnehmen. Seine Frau, die Hildegard, die mache da sicher nicht mit. Aber Hildegard machte mit.

Bis zur Premiere des Circus Monti blieben fünf Monate Zeit. Noch gab es kein Zelt, kein Programm, keine Artisten, keinen Wagenpark, kein Quartier, keine Kostüme, keine Requisiten – und es war kaum Geld vorhanden. Aber es gab die Begeisterung und die Leidenschaft von Guido M. Und die waren ansteckend.

Zuerst waren es nur die Freunde. Dann die Freunde der Freunde, dann die Bekannten und ehemalige Schüler. Kollegen aus der Jungwachtzeit, aus der Politik, Nachbarn. Dann alle, die davon gehört hatten. Und die, die auch dabei sein wollten. Weil klar war, dass die Muntwylers das nicht allein schaffen konnten, halfen die Wohler mit.

Das Areal mit den Abbruchobjekten hinter der alten «Eintracht» wurde zum Hauptquartier und zur Zirkuswerkstatt; hier arbeiteten die Freiwilligen in jeder freien Minute, häufig bis weit in die Nacht. Sie entwarfen und nähten Kostüme, sie erfanden Requisiten, bauten, strichen und flickten Wagen, malten die ersten «Monti»-Schilder, suchten und fanden Geld und Sponsoren für die erste Saison. Es war eine gute Zeit, denn man hatte ein gemeinsames Ziel.

Die Premiere auf der Wiese am Stegmattweg anno 1985 war ein grosser Erfolg. Die Wohler kamen in Scharen und waren stolz und gerührt. Der Musikverein spielte, der Gemeinderat sprach schöne Worte, das Publikum jubelte. Seither hat Wohlen einen Zirkus.