Spreitenbach/Bremgarten
Wie die Spreitenbacher Schulklasse den Fall Patric G. verarbeitet

Eine Schulklasse der ersten Oberstufe aus Spreitenbach hatte bei einem Postenlauf in Bremgarten die Leiche des bis anhin vermissten Patric G. gefunden. Wie gehen Schulpsychologen in einem solchen Fall vor?

Daniel Vizentini
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Hier fanden die Schüler Patric G.

Hier fanden die Schüler Patric G.

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«Einige der betroffenen Schüler gingen sehr cool mit dem Leichenfund um, andere zeigten sehr starke Emotionen», sagte Spreitenbachs Schulleiter Hannes Schwarz nur wenige Stunden nach dem Unglück. Am Ort wurden die Schüler vom kantonalen Care-Team betreut, am darauffolgenden Schultag war der Schulpsychologische Dienst des Kantons in Spreitenbach und betreute den Schulleiter, die Lehrer und die betroffene Klasse.

«Ein solcher Fall wirft bei Jugendlichen Fragen aller Art auf», sagt Edgar Schaller, Regionalstellenleiter im Schulpsychologischen Dienst und oft auch für das Care-Team im Einsatz. Die Jugendlichen würden Fragen nach dem konkreten Fall und nach dem Tod allgemein stellen. Je nach Fall würden die Jugendlichen auch von Schuldgefühlen geplagt. «Wir unterstützen eine Klasse bei der Nachbearbeitung eines solchen Falls», sagt er, wobei als Erstes nicht mit der Klasse, sondern mit der Schulleitung gesprochen werde. «Es ist wichtig, dass die Schulleiter die Lehrpersonen gut und klar über das Vorgefallene informieren. Dieser Schritt ist zentral», sagt er.

Risikopersonen im Auge behalten

«Es dürfen keine Gerüchte entstehen, alle müssen auf dem selben Wissensstand sein», sagt Schaller. Danach treten die Schulpsychologen vor die Klasse. «Wir lassen vor allem die Schüler reden, geben ihnen eine Plattform für einen Austausch.»

Es gehe darum, die Jugendlichen trauern zu lassen. Wobei man aufpassen müsse, dass sie nicht erneut traumatisiert würden, wenn sie schon Ähnliches erlebt hätten – oder es bei Suizidfällen in der Klasse gar Nachahmer gäbe. «Es gibt Risikopersonen, die man erkennen und im Auge behalten muss. Darum schauen wir auch darauf, wie die Jugendlichen zuhause verankert sind und wie der Tag nach der Schulstunde bei ihnen weitergeht», sagt er.

Nach dem Gruppengespräch in der Klasse bietet Schaller freiwillige Einzelgespräche und eine Telefon-Hotline an. «Es darf kein Müssen sein», sagt er. Das Angebot gelte auch für die Eltern. «Es kommen meistens nicht viele Anrufe. Aber die, die das Bedürfnis haben, gehen darauf ein.»

Rituale helfen bei der Verarbeitung

Wichtig sei, einer Klasse aufzuzeigen, dass ihre Reaktionen normal seien. «Es können sich Verlust- oder Schulängste entwickeln», sagt Schaller. Für die Verarbeitung sei man mit den Schülern auch schon zum Unglücksort gegangen oder habe die Klasse dem Verstorbenen einen Abschiedsbrief schreiben lassen. «Solche Rituale helfen.»

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