Peter Schürmann erinnert sich heute noch, wie er als 8-Jähriger an der Aeschstrasse in Wohlen stand und die Bauern mit Ross und Wagen ihr Obst herankarrten. Bis zur Kapelle reihten sich die Fuhrwerke manchmal auf. Aus der Mosterei, 1946 gegründet von Peter Schürmann Senior, ist in der Zwischenzeit einer der grössten privaten Getränkehändler der Schweiz geworden, eine Aktiengesellschaft mit 87 Mitarbeitenden, einem Sortiment von rund 5800 Artikeln.

1000 Tonnen Obst in einem guten Herbst

In den letzten 70 Jahren hat die Leitung der Schüwo, die inzwischen an die drei Söhne Urs, Christoph und Adrian übergegangen ist, offenbar vieles richtig gemacht. «Mein Vater war immer aktiv und risikofreudig», meint dazu Peter Schürmann. Die Mosterei ist gewachsen – zu Spitzenzeiten wurden in einem Herbst bis zu 1000 Tonnen Obst verarbeitet – dank moderner Presse und automatischer Getränke-Abfüllanlage konnte die Mosterei diesen Ansturm bewältigen.

Schon früh wollte Peter Schürmann mithelfen und durfte am Mittwochnachmittag mit dem Leiterwägeli Getränke zu den Kunden bringen. «Ab und zu habe ich 20 oder sogar 50 Rappen Trinkgeld bekommen. Am liebsten ging ich aber ins Café Widmer, da gabs einen Nussgipfel», erzählt er lachend.

Tüfteln für die beste Cola

Stufenweise ist der Betrieb gewachsen. Ein bedeutender Schritt war der Einstieg in den Getränkehandel: Mineralwasser, Fruchtsäfte, Biere, Weine und Spirituosen waren bald im Sortiment. Die Eigenprodukte Schüwo Apfelsaft, Orangensaft, Tafelgetränke wie Orange, Citro, Himbeer und Grapefruit schätzten viele Kunden in der ganzen Schweiz.

Auch eine Schüwo-Cola wollte Peter Schürmann entwickeln, was aber nicht ganz einfach war, wie er sagt: «Bis tief in die Nacht hinein haben wir gepröbelt, gemischt und degustiert, bis der richtige Cola-Typ gefunden war. Nach meiner Einschätzung war es besser als Coca-Cola», beschreibt er schmunzelnd.

1987 wurde mit dem Bau des neuen Firmengebäudes im Rigacker begonnen – nur die Abfüllanlage blieb am alten Standort, jedoch hatte sie ihre besten Tage bereits hinter sich. Nach der Durchführung einer Marktanalyse kam man zum Schluss, auf die Anschaffung einer neuen Anlage zu verzichten und die Eigenproduktion einzustellen. Aus heutiger Sicht eine weise Entscheidung. «Oft hat man den Eindruck, dass die Leute das trinken, wofür am meisten Werbung gemacht wird. Da ist es schwierig, mit den Grosskonzernen mitzuhalten», sagt Schürmann.

Jeden Tag im Geschäft

Schüwo Trink-Kultur hat sich auf den Handel konzentriert und auch damit Erfolg gehabt. Das erste Sinalco im Freiamt, oder auch das erste Seven Up, wurde von der Schüwo verkauft. Und auch bei Kunden, die mit Getränken beliefert werden wollten, bewies Schürmann ein gutes Händchen, obwohl zeitweise auch etwas Glück dabei war: Die Zusammenarbeit mit der Street Parade kam dank dem Freddy Burger Management, dem Catering-Beauftragten, zustande.

Der Projektleiter kannte die Schüwo-Filiale in Hünenberg See, stiess deshalb auf die Website und stellte anschliessend den Kontakt zu Schüwo her. Seither beliefert das Wohler Unternehmen den Grossanlass. Peter Schürmann sind auch andere Kunden in Erinnerung geblieben: «Als der SV-Service die Kantine der Kantonsschule Wohlen übernahm, schrieb ich der Leiterin einen Brief, aber sie hatte bereits einen Lieferanten. Zwei Jahre später hat sie mich plötzlich angerufen, ich solle nach Zürich kommen, um mit ihr die Konditionen auszuhandeln.» Heute ist die SV Schweiz AG der grösste Schüwo-Kunde.

Peter Schürmann ist immer noch jeden Tag im Geschäft, auch wenn die Leitung bei seinen Söhnen liegt. Was machen diese anders als ihr Vater? «Ich plante jeweils von langer Hand, während meine Söhne dank dem gekonnten Umgang mit den neuen Medien spontaner und flexibler handeln», erklärt dieser.

Marke weit über die Region hinaus bekannt

Auch die Firma hat sich in der Zeit weiter gewandelt. «Die Weinschule habe ich beispielsweise den Jungen zu verdanken», sagt Schürmann, «wie auch die Gesamterneuerung der Gebäude und des Logos, das mir sehr gut gefällt.» Das erste Signet zeigte einen kleinen Eiffelturm, in Anlehnung an «Chly Paris», wie Wohlen auch genannt wird, und Schü-Wo wurde noch mit Bindestrich geschrieben. Dass Schüwo für Schürmann Wohlen steht, wissen heute wohl viele Kunden nicht mehr, die Marke ist dennoch weit über die Region hinaus zum Begriff geworden.