Jagdhörner ertönen in der Ferne. Ist das eine rote Bischofsmütze zwischen den Bäumen? Mucksmäuschenstill ist es auf dem Schulhausplatz, obwohl um kurz vor 9 Uhr alle Schüler dort versammelt sind. Die gespannte Ruhe hat einen Grund: Gleich kommt die Jagdgesellschaft, die den Samichlaus samt Schmutzli zur Schule begleitet. Eine besondere Tradition, die sich nun zum 50. Mal jährt. Aber was hat der Samichlaus mit Jägern zu tun? Die Antwort findet man nun in einem Bilderbuch.

Samichlaus vergass die Kinder

Vor vielen Jahren wäre der Samichlaus den Waidmännern fast vor die Flinte gelaufen. Auf den ersten Schrecken folgte grosses Gelächter, und es entwickelte sich eine tiefe Freundschaft. Immer, wenn der Samichlaus die Kinder in Beinwil besuchte, traf er seither seine Freunde im Wald. Doch einmal vergass er die Beueler Kinder, und das hatte unschöne Folgen. So kam es, dass es sich die Jäger zu ihrer jährlichen Aufgabe machten, den Samichlaus zur Schule zu begleiten. Was genau geschehen ist, das soll hier nicht verraten werden – es ist ja jetzt nachzulesen im druckfrischen Buch «Der Samichlaus und die Jäger».

Die Geschichte hat sich nicht ganz genau so zugetragen. Doch um sich bei den Jägern für all die Jahre zu bedanken, sollte sie auf besondere Weise aufgedeckt werden. Jacqueline Hofer von der Schulleitung erzählt: «Vor fünf Jahren berichteten mir die Jäger unserer Jagdgesellschaft, dass sie den Samichlaus seit fast 50 Jahren zur Schule begleiten.» Sie habe recherchiert: tatsächlich seit 1968. Die Jagdgesellschaft pflegt ein gutes Verhältnis zu Kindergarten und Schule. «Alle drei Jahre lädt die Jagdgesellschaft Beinwil die Mittelstufenklassen zum traditionellen Jagdtag ein, wo die Kinder die Aufgaben der Jäger kennen lernen können.» Da sei dann die Frage aufgekommen, womit die Schule den Jägern zur 50. Samichlaus-Begleitung eine Freude machen könne. «In unserem Team kamen wir schliesslich auf die Idee, ein Bilderbuch zu gestalten. Darin soll es darum gehen, wieso die Jäger den Samichlaus zur Schule bringen.»

Liebevolle Feinarbeit

Doch die Geschichte ist nicht nur schön zu lesen, sondern auch anzuschauen. Für die liebevoll gestalteten Bilder ist Marianne Niederhauser verantwortlich. «Dafür habe ich viele Fotos gesammelt, daraus sind Collagen aus realen, gemalten und gebastelten Bildern entstanden. Unsere Schulkinder haben, ohne es zu wissen, mit ihren kleinen Kunstwerken auch ihren Beitrag geleistet», sagt sie. Eine grosse Hilfe sei bei ihrem Vorhaben ihre Tochter gewesen, die als Bachelor-Arbeit selbst schon ein Bilderbuch kreiert hat. «Es wurde quasi ein kleines Familienprojekt», so Niederhauser schmunzelnd.

Beinwil: Die Schüler bedanken sich mit einem Bilderbuch bei den Jägern, die seit 50 Jahren den Samichlaus in die Schule begleiten.

Beinwil: Die Schüler bedanken sich mit einem Bilderbuch bei den Jägern, die seit 50 Jahren den Samichlaus in die Schule begleiten.

Jäger freuen sich sehr

«Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet. Was für eine schöne Idee», freut sich Roland Sachs, Obmann der Jagd, über das Geschenk. Begeistert blättern die Jäger durch das Buch und machen sich gegenseitig auf Details aufmerksam. Sie erinnern sich: Die Tradition gehe auf den Cafébesitzer und Jäger Friedrich Keller zurück, dem es eine Freude gewesen sei, die Kinder aus Beinwil am Chlaustag zu beschenken. Nach seinem Tod im Jahr 2004 sei es für sie Ehrensache gewesen, seinen Brauch fortzuführen.

Wer nun auch erfahren möchte, wieso die Jäger den Samichlaus zur Schule begleiten, der sollte ab dem 14. Dezember im Schulsekretariat vorbeischauen. 200 Exemplare des Buches sind verfügbar. Vom 14. bis 19. Dezember gibt es sie zum Sonderpreis von 18 Franken. Danach kosten sie 20 Franken.

Die Jäger sind sich einig: «Das Buch ist wirklich super.» Bevor sie sich ganz in der Geschichte verlieren, macht ihr Obmann sie lachend darauf aufmerksam, dass heute noch die Jagd ansteht. Fröhlich gestimmt, machen sich die Waidmänner auf den Weg in den Wald.