Wohlen

Wie der Online-Riese Digitec Galaxus den Black Friday meistert – ein Rundgang durch das Lager

80'000 Mal wurde am Black Friday bei Digitec Galaxus bestellt – doppelt so viel Mal wie letztes Jahr. Es ist ein Tag, der Angestellte und Logistik an die Grenzen bringt. Ein Rundgang durch das Lager in Wohlen.

Einer der schönsten, weil lukrativsten Tage im Jahr ist der Black Friday für den grössten Onlinehändler der Schweiz: Digitec Galaxus. 120 Angebote sind es, die online im Verlauf des Tages beim auf Elektronik spezialisierten Shop Digitec aufgeploppt sind, im  Online-Warenhaus Galaxus war es gleich das Doppelte.

Sie ziehen, die Rabatte: Der Shop des Unternehmens in Wohlen war am Freitag entsprechend gut besucht. Auf den schneeweissen Bänken warteten am Vormittag viele ungeduldig darauf, bis ihre Nummer endlich aufleuchtete und sie ihr Päckchen entgegennehmen durften. Etwa 20 Prozent aller Kunden holen ihre Bestellungen direkt hier vor Ort ab. «Die wahre Musik», so Logistik-Chef Michel Boha, spiele aber gleich dahinter – im 46 500 Quadratmeter grossen Warenlager.

Rund 430 Mitarbeiter arbeiten normalerweise in den riesigen Lagerhallen auf dem Areal der ehemaligen Stahlgiesserei Ferro. Zu wenig, um den Trubel des Black Fridays zu meistern: Vom Zürcher Hauptsitz der Firma konnten sich Büroangestellte freiwillig melden, um ihren Wohler Kollegen beim Tragen, Scannen, Sortieren und Verpacken zu helfen. Eines steht fest: Sie wurden gebraucht. «Um 4 Uhr haben wir heute angefangen», sagt Boha, der trotzdem topfit wirkt, als er um halb 11 Uhr durchs Lager führt. In zwei Schichten wurde gearbeitet, Schluss war erst um 23.30 Uhr. Am Samstag folgt bereits die nächste Doppelschicht.

Von Wohlen aus werden die meisten der gut 3,2 Millionen Artikel von Digitec Galaxus in die ganze Schweiz versandt. Vieles im Ablauf ist voll- oder teilautomatisiert. Das sieht man: Überall türmen sich meterhohe Maschinen und surren die Förderbänder. Vor zwei Jahren nahm das Unternehmen ein neues, vollautomatisiertes Hochregallager in Betrieb. 16 Roboter greifen darin nach den Bestellungen der Kunden und leiten sie weiter zur Verpackungsabteilung. Hier messen Sensoren gerade Länge, Breite und Höhe einer Playstation-Konsole, für die in wenigen Sekunden der passende Karton zurechtgeschnitten wird. Zerbrechliche und schwere Waren sowie Flüssigkeiten verpacken die Angestellten noch immer von Hand.

Der richtige Rabatt zur richtigen Zeit

In einem kleinen Nebenraum, wo Spezialisten mit Bildschirmen die gesamte Anlage auf Störungen überprüfen, schaut Michel Boha auf eine weisse Tafel. Mit grünem Filzstift ist dort die Zahl 80000 notiert. Etwa so viele Pakete werden am Freitag und Samstag raus- und vor die Eingangstüren der Kunden gehen. Noch am frühen Morgen hatte Boha mit 51 000 gerechnet. So oder so wird es den letztjährigen Wert von 38 000 Bestellungen deutlich in den Schatten stellen.

Woran liegt das? «Offenbar haben wir gute Angebote parat», antwortet Boha und lacht. Er überlegt kurz und sagt dann: «Ich denke, der Black Friday ist jetzt eben richtig in der Schweiz angekommen.» Fast alle Händler machten mit, die Nachfrage der Kunden sei riesig. «Ob unser Konsumverhalten gut oder schlecht ist, kann schlussendlich jeder für sich selbst entscheiden.»

Fast sieben WM-Fussballfelder passen derzeit in alle Lagerhallen in Wohlen. Auf den über 100 Kilometern Regallänge haben 110 000 verschiedene Artikel (total 1,8 Millionen Produkte) Platz. Und trotzdem: Es reicht nicht. Die meisten Regale sind das ganze Jahr über bis aufs Letzte gefüllt. «Wir stossen an unsere Grenzen», sagt Boha. Nächsten April eröffnet der Onlineriese in Wohlen auf 6000 Quadratmetern ein neues Lager, in dem kleine Artikel wie Smartwatches, Brettspiele oder T-Shirts gelagert werden. Und die Förderbänder surren weiter.

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