Wohlen
Wie Daniel Düsentrieb: 26 Schüler bauen eine Biogasanlage

Auch technisch begabte Laien können eine Biogasanlage selber zusammenbauen: Das beweisen 26 Schülerinnen und Schüler an der Kantonsschule Wohlen. Die Schüler konstruieren im Akzentfachmit zwölf Biogasanlagen im Miniformat.

Jörg Baumann
Merken
Drucken
Teilen
Es ist keine Hexerei, eine Biogasanlage zu bauen – Fachwissen und Durchhaltewillen sind aber nötig.

Es ist keine Hexerei, eine Biogasanlage zu bauen – Fachwissen und Durchhaltewillen sind aber nötig.

BA

Das Experiment ist gelungen: Die Anlagen produzieren tatsächlich Biogas. «Das Akzentfach Enatech (Expe-rimentelle Naturwissenschaften und Technologie) hat mächtig eingeschlagen. Das Interesse hat unsere kühnsten Erwartungen überstiegen», bestätigt Mathematiklehrer und Prorektor Waldemar Feller. «Unserem Land gehen die Ingenieure aus. Das Fach Enatech kann einen Beitrag leisten, den Nachwuchsmangel zu mildern.»

Doris Leuthard wäre wohl stolz

Bundesrätin Doris Leuthard, einst selber Absolventin der Kanti Wohlen, wäre stolz auf die kreativen Schülerinnen und Schüler. Denn sie ist
es, die sich den Atomausstieg der Schweiz und die Verlagerung auf die alternativen Energieträger auf die Fahne geschrieben hat.

«Biogasanlagen können einen Teil der Wärme und des Stroms liefern, die nach dem Wegfall der Atomkraftwerke benötigt werden», sagen Chemielehrer Hansjörg Künzler und Biologielehrer Erich Bühlmann. Sie
begleiten die Kantischüler beim Bau der Mini-Biogasanlagen.

Gebaut mit einfachen Mitteln

Die Schüler konstruierten die Biogasanlage mit einfachsten Mitteln: Eine handelsübliche Heizplatte und ein Tauchsieder erwärmen die Biomasse im Reaktor auf die Ideal-
temperatur von 37 Grad. Dabei haben die Schüler herausgefunden, dass sich Mais, Essensreste und ein genau abgemessener Schuss Gülle als Biomassesubstrat für die Herstellung des Gases am besten eignen, Altpapier und Holzabfälle hingegen keinen grossen Nutzen bringen.

Der Klärschlamm zum «Anfixen» der Biomasse stammt aus der Kläranlage Wohlen – gratis selbstverständlich. «Die Klärwärter waren sehr freundlich und haben uns gerne
geholfen», betont Feller.

Ganz allein konnten die Schüler ihre Aufgabe allerdings nicht bewältigen, auch wenn sie möglichst viel selber machen sollen: Silvan Germann. Laborant an der Kantonsschule Wohlen, und der Physiklehrer Adrien Cornaz standen den Schülern hilfreich zur Seite. So erstellte Germann eine Vorrichtung, mit welcher der Reaktor beschickt werden kann. Cornaz half mit der elektronischen Steuerung und einem einfachen Gaschromatografen mit. «Der Bau der Biogasanlagen kostet so die Schule nur wenig Geld», erklärt Feller. In
das Experiment sei ein fünfstelliger Betrag investiert worden.

Lehrer als Energie-Pioniere

Biologielehrer Erich Bühlmann und Prorektor Waldemar Feller haben sich schon ihrer eigenen Mittelschulzeit mit alternativen Energieträgern befasst. «Nur war damals die Zeit dafür noch nicht reif. Der Erdölpreis war zu tief», bedauert Feller. Umso stärker pocht heute das Zeitalter mit Biogas, Sonnen- und Windenergie und Erdwärme an die Tür. «Wir müssen bei den Schülern das Bewusstsein schärfen, dass die Energiezukunft ohne Atomstrom schon begonnen hat», meint Feller.

Die Schüler recherchierten selbstständig, welche Energieträger heute im Einsatz sind und welchen Anteil sie am Verbrauch haben. Grundlagenforschung gehört eben bei jedem angehenden Ingenieur zum Alltag. Dabei will die 17-jährige Kantonsschülerin Caroline Lutz gar nicht
Ingenieurin werden, sondern Zahnärztin. «Aber ich schätze am Enatech-Unterricht, dass ich mit anderen Schülern interdisziplinär zusammenarbeiten kann und ich am Ende des Tages ein Ergebnis sehe», sagt sie.

Kanti führt Energietag durch

Die Biogasanlagen werden bald wieder demontiert. Die Einzelteile werden für zukünftige Bauversuche an der Schule aufgehoben. Für die Schüler stehen noch zwei Exkursionen auf dem Programm: bei der Kläranlage Wohlen und im Energiepark in Niederwil, wo eine grosse Biogasanlage erfolgreich läuft und bald Fernwärme für das Pflegezentrum Reusspark liefern soll.

Ausserdem bereitet die Kantonsschule sich auf den Energietag am 14. Juni vor, an dem bekannte Fachleute über die drängenden Energiefragen referieren werden.