Hof-Theater
Wie Bankräuber Bauern helfen: Bonnie und Clyde in Hermetschwil

Das Hof-Theater gastiert zum zweiten Mal bei Familie Waltenspül. Ihre Motivation: «Wir wollen innovativ sein und den Leuten zeigen, dass wir Bauern für solche Ideen offen sind.»

Dominic Kobelt
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Am 25. und 26. August gastiert das Hof-Theater in Hermetschwil bei Familie Waltenspül.

Am 25. und 26. August gastiert das Hof-Theater in Hermetschwil bei Familie Waltenspül.

Dominic Kobelt

Marianne und Martin Waltenspül haben gerne Besuch – am 31. Juli feiern bei ihnen viele Hermetschwiler den Geburtstag der Schweiz, im September kommen die Leute zum Wädli-Ässe im Schopf und auch am 1. Januar steht ihr Hof der Bevölkerung offen, um auf das neue Jahr anzustossen.

Als sie hörten, dass der Verein Hof-Theater neue Veranstaltungsorte sucht, mussten die beiden nicht lange überlegen. Die Idee dahinter: Ein professionelles, unterhaltsames Theater, dass in der urchigen Atmosphäre eines Bauernhofs spielt.

Dabei geht es auch darum, den Kontakt zwischen städtischer und ländlicher Bevölkerung zu intensivieren, die Bauern und die Konsumenten näher zusammen zu bringen. Klappt das? «Ja, im letzten Jahr trat eine Acapella-Gruppe auf, den Leuten hat es gefallen», erzählt Marianne Waltenspül und ihr Mann ergänzt: «Ich fand besonders schön, dass das Publikum so durchmischt war, quer durch alle Altersschichten und Interessen.» Dieses Jahr werden sogar Gäste aus Basel dabei sein.

Das liebe Geld

Am 25. und 26. August kommt eine Komödie auf die Bühne: Bonnie und Clyde träumen vom grossen Geld, Heirat in Las Vegas und Ferien auf Hawaii. Um zum nötigen Kleingeld zu kommen, überfallen sie eine Bank. Weil aber alles schiefgeht, was schiefgehen kann, landen die beiden auf einem Bauernhof.

Mit ganz so viel Geld, wie Bonnie und Clyde im Stück erbeuten wollen, rechnet Familie Waltenspül nicht. «Wir haben eine Defizitgarantie übernommen und müssen somit eine gewisse Anzahl Tickets verkaufen, damit die Rechnung aufgeht. Aber ich denke das schaffen wir», sagt Marianne.

Pro Zuschauer bekommt die Bauernfamilie fünf Franken, der Rest geht an den Veranstalter, der damit die Schauspieler und die Technik bezahlt. «Für uns ist das Essen lukrativer», verrät sie. Vor dem Stück können sich die Besucher mit Pouletschnitzel, Lammburger, Kartoffelsalat und weiteren Köstlichkeiten aus der Bauernküche verpflegen. Und auch nach der Vorführung darf in der Festwirtschaft bei einem Bier über das Stück gefachsimpelt werden.

«Zwei wie Bonnie und Clyde»

- Aufführungen bei Familie Waltenspül, Stafflerstrasse 50 in Hermetschwil am 25. und 26. August.

- Weitere Aufführungen im Freiamt: 13. September bei Erwin Stöckli, Dorfstrasse 15, Muri.

- Infos und Tickets: www.hof-theater.ch

Bauern werden Veranstalter

Die Bauern werden dank dem Hof-Theater zu Event-Veranstaltern – ist das nicht ein Wagnis? «Es gibt schon viel, das man beachten muss», erzählt Martin. «Wir haben letztes Jahr extra die Vorführung auf einem andern Hof besucht, um zu sehen wie es läuft. Die hatten zu wenig Bier und nur einen Tisch – deshalb haben wir bei uns mehrere ‹Stationen› gemacht und noch mehr Bier eingekauft.»

Und auch auf dieses Jahr hin wurden weitere Verbesserungen vorgenommen. Auch wenn der Aufwand gross ist, sind Marianne und Martin Waltenspül vom Projekt überzeugt: «Wir wollen innovativ sein und den Leuten zeigen, dass wir Bauern für solche Ideen offen sind.»

Normalerweise verdienen die Beiden ihr Geld mit dem Verkauf von Lammfleisch und Bio Eiern, Martin ist zudem als Postautochauffeur unterwegs, Marianne hat eine Kinderbetreuung ins Leben gerufen. Die Arbeit geht ihnen so schnell also nicht aus, trotzdem freuen sie sich auf möglichst viele Gäste: «Das letzte Mal ist es spät geworden, die Leute wollten gar nicht mehr nach Hause», sagt Martin, und das Paar blickt sich strahlend an, voller Vorfreude auf das Hof-Thater.