Es ist nur ein kurzer Moment, in dem ein farbiges Blitzlichtgewitter das Zimmer erleuchtet. Gespannt schaut Claudio Dierks auf den Monitor. Nach ein paar Sekunden erscheint das Bild. Zu sehen ist eine orange-blaue Wassersäule. «Etwas zu spät», sagt er und stellt den Timer von 50 auf 45 Hundertstelsekunden. Und tatsächlich, auf dem nächsten Bild ist aus der Säule ein Pilz geworden, ein Pilz mit einem zarten Hut aus Wasser. «Wenn ein Tropfen auf die Wasseroberfläche trifft, entsteht eine Krone. Diese fällt in sich zusammen und das Wasser steigt zu einer Säule auf. Wenn der zweite Tropfen im richtigen Moment auf diese Säule trifft, entsteht ein Pilz», erklärt Dierks.

Gert (links) und Claudio Dierks vor der selbstgebauten Anlage.

Gert (links) und Claudio Dierks vor der selbstgebauten Anlage.

Blitz friert den Moment ein

Claudio experimentiert zusammen mit seinem Vater seit rund vier Jahren, die Anlage, mit der sie ihre Kunstwerke produzieren, haben sie selbst gebaut. Wenn Claudio auf den Knopf drückt, öffnet sich für einen kurzen Moment ein Magnetventil und ein Tropfen fällt ins Wasserbecken. Auf seinem Weg durchbricht er eine Lichtschranke, ein Mikrocontroller zählt die Hundertstelsekunden, bevor drei Blitze ausgelöst werden. Die Blende, sozusagen das Auge der Kamera, ist dabei die ganze Zeit geöffnet, der Blitz friert den Moment ein. «Damit das Bild scharf und trotzdem hell genug wird, braucht man viel Licht, aber nur für eine kurze Zeit», erklärt Dierks. Würde er mit nur einem Blitz arbeiten, müsste dieser heller leuchten und würde länger «nachbrennen». Mit drei Blitzen kann man das Licht auf einen kürzeren Zeitraum konzentrieren. Das Beispiel zeigt, wie diffizil der Weg zur gewünschten Fotografie ist. Dierks nennt ein weiteres Beispiel: «Wenn sich das Wetter ändert, entstehen mit den gleichen Einstellungen ganz andere Bilder, weil der Luftdruck nicht mehr derselbe ist.»

Um das Kunstwerk in Farbe zu tauchen, legt Dierks Folien auf die Blitze, manchmal färbt er auch das Wasser ein. Und er versetzt es mit Zusatzstoffen, zum Beispiel mit Guarkernmehl oder Milch, damit es dickflüssiger wird oder eine andere Struktur bekommt. «Je dünnflüssiger, desto mehr kleine Tropfen», erklärt Dierks.

Gemeinsames Hobby

Wie kommt man auf die Idee, Tropfen abzulichten? Gert Dierks hat schon zu analogen Zeiten fotografiert. Lange fehlte ihm aber die Zeit, sich intensiv mit seinem Hobby zu beschäftigen. Erst seit seiner Pensionierung hat sich das geändert. Ein Bericht im Fernsehen weckte dann bei Sohn Claudio das Interesse für die Tropfenfotografie, und die beiden begannen gemeinsam zu basteln und zu pröbeln. Claudio kam dabei seine Ausbildung als Automatiker zugute. Heute arbeitet er als Maschinenmeister im Opernhaus Zürich, und hat sich auch schon bei den Beleuchtungstechnikern Rat geholt.

Die Bilder drucken die beiden auf einem professionellen A2-Drucker aus. Einige Exemplare sind momentan in der Flussreif-Galerie in Bremgarten ausgestellt. Kaufen kann man die Kunstwerke auch über die Internetseite
www.fotex.ch.