Freiamt
Wie aus Kaninchenfell neue Kaninchen werden

Die Fellnähgruppe stellt nicht nur Kleidungsstücke her.

Dominic Kobelt
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Marlies Konrad, Präsidentin der Fellnähgruppe Freiamt (links), und Veronika Eicher, Präsidentin der Fellnähgruppen Aargau.

Marlies Konrad, Präsidentin der Fellnähgruppe Freiamt (links), und Veronika Eicher, Präsidentin der Fellnähgruppen Aargau.

Dominic Kobelt

Eigentlich ist das Kaninchenfell ein Abfallprodukt. Die Kaninchenzüchter werfen es weg, wenn es nicht verarbeitet wird – genau das machen aber die sechs Frauen der Fellnähgruppe Freiamt. «Die Tiere werden nicht extra gezüchtet, um an ihr Fell zu kommen, sondern dienen in erster Linie als Fleischlieferanten. Das gehört für mich zum natürlichen Kreislauf», sagt Veronika Eicher, Gründungsmitglied und mittlerweile Präsidentin des kantonalen Verbands.

Aus dem Rohmaterial entstehen Schals, Stirnbänder oder auch Stofftierli, zum Beispiel kleine Hasen. Die Vereinspräsidentin der Freiämter Gruppe, Marlies Konrad, ergänzt: «Die Zeit, in denen ganze Mäntel aus Kaninchenfell hergestellt wurden, sind vorbei.» In Beinwil treffen sich die Frauen alle drei Wochen, um neue Stücke zu nähen. «Zusammen macht es einfach mehr Spass», sagt Konrad – natürlich komme dabei auch das Soziale nicht zu kurz, zusammensitzen und sich austauschen sei genauso wichtig wie das Nähen. Auch Ausflüge und ein Weihnachtsessen stehen auf dem Programm. Und am Samstag organisierten die Frauen zusammen mit dem Kleintierzüchterverein Muri und Umgebung die Delegiertenversammlung des Aargauischen Kleintierzüchter-Verbandes.

Alles Handarbeit

Gegründet wurde die Fellnähgruppe Freiamt 1994 – im Aargau gibt es neun Fellnähgruppen. Wie entsteht denn so ein Fell-Tierli? «Es sind nur die Winterfelle verwertbar», sagt Eicher. Damit sie haltbar werden und verarbeitet werden können, müssen sie zuerst zum Lidern in die Gerberei. Die Fellnähgruppe bezieht ihr Rohmaterial unter anderem vom Kaninchenzüchter-Verband. Konrad erklärt die folgenden Arbeitsschritte: «Zuerst sucht man ein Hasenfell aus, kontrolliert es auf Löcher oder kahle Stellen. Es muss zu dem passen, was man machen möchte.»

Dann werde das Schnittmuster aufgezeichnet und das entsprechende Stück ausgeschnitten. «Schliesslich geht es ans Nähen und Ausstopfen», sagt Konrad und fügt an: «Und natürlich folgt dann noch der Verkauf an einer Ausstellung oder an Märkten, denn schliesslich ist es auch schön, wenn ein Batzen ins Vereinskässeli kommt.» Eicher unterstreicht: «Alles ist Handarbeit, Nähmaschinen setzen wir nicht ein.»