«Es ist die Krönung eines glücklichen Lebenslaufes». So sieht Franz Käppeli das Ehrenbürgerrecht, das ihm an der Sommergemeindeversammlung in Muri verliehen werden soll. Der gebürtige Murianer, in den Türmelen aufgewachsen, hat in den letzten sechs Jahren die Gemeinde mit insgesamt über 10 Millionen Franken in grosszügiger Weise unterstützt. «Ich habe als 11. von 12 Kindern gelernt, alles mit Geschwistern zu teilen», erklärt er sein überregionales Engagement. Selbst das kleinformatige Schachtelkäsli (12-teilig) musste er stets mit Geschwistern teilen. Teilen sei für ihn bis heute eine Selbstverständlichkeit geblieben. «Statt Schachtelkäsli sind es inzwischen Museen geworden», lacht er.

Mit dem Kauf des Singisenflügels machte er, beziehungsweise die Familie Käppeli den Weg frei für das neue Museum Kloster und das Besucherzentrum. Er realisierte 2016 sein privates Museum für medizinhistorische Bücher und legte die finanzielle Basis für das kürzlich eröffnete neue Museum Caspar Wolf. Unterstützt wurden und werden die wissenschaftliche Geschichtsschreibung des Klosters Muri und zahlreiche weitere Projekte wie die Aufarbeitung des Fotoarchivs Josef Stenz oder der international hochstehende Oboen- und Fagottwettbewerb The Muri Competition. «Hier in Muri sind meine Wurzeln», macht der Mäzen deutlich. Er engagiert sich auch weiterhin, etwa bei der Aufarbeitung des Archivs von Kaiserin Zita.

Viel Arbeit, viel Glück

Franz Käppeli versteht die Frage vieler Murianerinnen und Murianer nur allzu gut, wie ein Bauernbub aus den Türmelen so erfolgreich ist und zu einem wohlhabenden Mann wird. «Viel Arbeit, viel Glück», stapelt er tief. Tatsächlich ist Käppeli ein blitzgescheiter, schnell denkender und mit analytischen Fähigkeiten gesegneter Mann. Er ist in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, «aber ich hatte nie das Gefühl, es mangle mir an etwas.» Kleider wurden von den Kindern ausgetragen, der Vater, «enorm gerecht», schaute, dass es immer irgendwie reichte. Käppeli erinnert sich beispielsweise an die Seegfrörni 1962/63, als alle in Mänteln herumliefen, er aber nur eine Jacke besass. «Ich fror nicht, ich war ja nichts anderes gewohnt.»

Als Glücksfall erwies sich ein Praktikum 1961 beim damaligen Chemieunternehmen Geigy in Basel, das ihm ein Verwandter vermittelte, der dort eine angesehene Stelle inne hatte. «Jeden Samstag gab es für die geleistete Arbeit 250 Franken, das war grandios». Und machte dem jungen Käppeli klar, welchen beruflichen Weg er einschlagen wollte. Während seinem Studium an der ETH Zürich unterrichtete er nebenbei Chemie und arbeitete als Nachtwächter, um finanziell über die Runden zu kommen.

Ein wichtiger Meilenstein war seine Stelle im damaligen medizinischen Labor Dr. E. Lambelet in Zürich. 1976 konnte er das Labor übernehmen und gründete das Labor medica. Weitere Labors kaufte er dazu. Heute ist das Unternehmen mit gegen 300 Fachkräften eines der erfolgreichsten diagnostischen Labors der Schweiz. Eine glückliche Hand bewies Käppeli mit verschiedenen Investitionen und Immobilien. «Wenn man das Beste anstrebt und erreicht, ist der Erfolg zwangsläufig. Ich hatte immer den Anspruch, das Beste zu machen und habe mir die besten Leute für die anstehenden Aufgaben und Herausforderungen gesucht», sagt Käppeli. «Intoleranz, Dummheit und Fahrlässigkeit vertrage ich nicht».

Einzigartiges Engagement

Bereits 2014 ist Käppeli zum Ehrenbürger von Geltwil ernannt worden, weil er mit namhaften Förderbeiträgen alternative Energieprojekte und energetische Sanierungen angestossen und ermöglicht hat. Jetzt bedankt sich Muri, wie die kleine Nachbarsgemeinde, ebenfalls mit der Ehrenbürgerschaft für das einzigartige Engagement im Klosterdorf. Die Stimmberechtigten werden an der Gemeindeversammlung am 27. Juni über den Antrag des Gemeinderats abstimmen, wie Gemeindepräsident Hampi Budmiger an der Eröffnung des Museums Caspar Wolf ausführte. Den Singisenflügel samt Vorgarten wird Käppeli übrigens bis spätestens 2027 der Stiftung Murikultur schenken.