Widen/Lissabon
Der Mann, der in Lissabon die Trendsportart Padel revolutioniert, ist ein Freiämter

Matthias Koller war bis vor sechs Jahren auf dem Mutschellen tief verwurzelt. Dann entdeckte der 34-Jährige das Reisen. Er verliebte sich in Lissabon, die Stadt des Lichts, und lebt seit zwei Jahren da. Es scheint, als hätte die Stadt nur auf ihn gewartet – zumindest die Padel-Welt stellte der IT-Spezialist innert Kürze auf den Kopf.

Andrea Weibel
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Matthias Koller aus Widen revolutioniert in Lissabon den Padel-Sport.

Matthias Koller aus Widen revolutioniert in Lissabon den Padel-Sport.

zvg

Er ist der Mister Padel Lissabons. Das klingt für Schweizer Ohren eher unverständlich, denn hier kommt die Trendsportart Padel, die man als Mischung aus Squash und Tennis beschreiben kann, gerade erst an. Aber in Portugal boomt der Sport. Es braucht jeweils vier Spieler für ein Match. Um sie alle gleichzeitig aufs Feld zu bringen, braucht es ein Mindestmass an Organisationstalent. Ob die Portugiesen darin gut oder schlecht sind, sei dahingestellt – Matthias Koller dagegen ist ein As.

Er ist IT-Spezialist und hat schon seit seiner Jubla-Zeit gerne für andere organisiert. So war es für ihn kein Problem, in Lissabon die Koordination von Padel-Spielen deutlich zu vereinfachen. Er hat ein Programm geschrieben, durch das sich alle, die der Online-Gruppe angehören, ganz leicht für Spiele anmelden können. Sie brauchen ihre Mitspieler noch nicht einmal zu kennen.

Was ist Padel?

Padel vereint das Beste aus Tennis und Squash: Es erfordert taktisches Spielen, bietet aber mehr Action. Keine langweiligen Grundlinien-Duelle, sondern Serve-and-Volley, Lobs, Smashes und spektakuläre Ballwechsel. Nicht umsonst ist Padel die seit einiger Zeit am schnellsten wachsende Sportart der Welt.

Padel wird auf kleinerem Feld als Doppel – zwei gegen zwei – gespielt. Die gegeneinander spielenden Teams stehen sich auf den durch das Netz geteilten Spielfeldhälften gegenüber. Das Spiel beginnt mit einem Aufschlag «von unten». Der Ball darf maximal einmal auf dem Boden aufsetzen. Direkte Abnahmen sind natürlich erlaubt, jedoch darf der Ball nach dem Aufsetzen im Spielfeld auch an eine oder mehrere Seitenwände prallen, wonach trotzdem weitergespielt werden kann. So kommt es oft zu langen und spannenden Ballwechseln, die für grossen Spielspass sorgen.

(Quelle: Deutscher Padel-Verband www.dpv-padel.de)

Jede Woche bucht Matthias Koller Dutzende Spielfelder bei örtlichen Padel-Club Racketspro im Voraus. So müssen die angemeldeten Spieler nur noch kommen, bezahlen und können sich vergnügen. Falls einzelne Spielfelder nicht besetzt werden, informiert Koller den Klub ganz unkompliziert. Für den Freiämter ist das ein kleiner Aufwand – für die Lisboetas hingegen ein riesiger Gewinn. Wie kam es dazu?

Der verwurzelte Mann wird zum digitalen Nomaden

Matthias Koller hat den Grossteil seines Lebens auf dem Mutschellen verbracht. Ursprünglich ist er gelernter Polymechaniker mit BWL-Abschluss in der Höheren Fachschule in Baden. Sein Vater hat ein eigenes IT-Unternehmen, weshalb der älteste von drei Brüdern schon früh mit Computern umzugehen lernte. «Mich haben IT und vor allem Bitcoin schon immer fasziniert», berichtet der 34-Jährige.

Der 34-jährige Matthias Koller ist IT-Spezialist und hat seine neue Heimat in Lissabon gefunden.

Der 34-jährige Matthias Koller ist IT-Spezialist und hat seine neue Heimat in Lissabon gefunden.

zvg

Seine Freizeit verbrachte er als Jubla-Leiter und engagierte sich für die Organisation auch auf kantonaler und nationaler Ebene. Sein Leben änderte sich, als 2014 eine langjährige Beziehung endete und beschloss, die Welt zu entdecken. «Ich war fast jedes Wochenende in London oder zog mehrere Monate allein durch Asien.»

Von unterwegs betreute er Websites, arbeitete für IT-Unternehmen und war auch selbstständig in dem Bereich tätig. Er fasst zusammen:

«Ich führte ein digitales Nomadenleben.»

Auch nahm er europaweit an Bitcoin-Konferenzen teil und war sehr aktiv in jener Szene. Doch dieses Nomadenleben änderte sich, als er 2019 Lissabon betrat.

Matthias Koller und seine Mitspieler zeigen, wie Padel gespielt wird.

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Er will Bitcoin für alle sicher und zugänglich machen

Die Stadt des Lichts faszinierte ihn und liess den Freiämter nicht mehr los:

«In Lissabon finde ich sehr viel von dem, was ich unter wahrem Leben verstehe. Das Wetter ist gut, es sind tolle Menschen hier, die Stadt ist nicht übergross, und trotzdem ist alles sehr nah.»

2019 verbrachte er ein paar Monate dort, dann war klar, dass er bleiben wollte. «Es kommt immer noch vor, dass ich mehrere Monate woanders hin reise», erzählt er lachend. «Aber im Grunde konzentriert sich mein Leben nun auf Lissabon und die Schweiz.»

Mit seinem jüngsten Bruder Tobias und David Knezic, einem Freund aus der Bitcoin-Szene, gründete er die Firma Pocket Bitcoin. «Unser Ziel ist, Bitcoin sicher und zugänglich für alle zu machen. Im Juni 2021 haben wir das Start-up der breiten Masse geöffnet.» Bei ihnen kann jeder Bitcoins kaufen, und zwar auch mit kleinem Budget.

Matthias Koller zeigt die Padel-Schläger, die deutlich kleiner sind als Tennisschläger, und kein Netz aufweisen. Neben ihm die Managerin des Padel-Clubs Racketspro in Lissabon, des Klubs, wo er wöchentlich mehrere Spielfelder reserviert.

Matthias Koller zeigt die Padel-Schläger, die deutlich kleiner sind als Tennisschläger, und kein Netz aufweisen. Neben ihm die Managerin des Padel-Clubs Racketspro in Lissabon, des Klubs, wo er wöchentlich mehrere Spielfelder reserviert.

zvg / «Aargauer Zeitung»

Koller erklärt: «Bitcoin ist wie Gold, nur digital. Es existiert seit 2009 und ist auf nur 21 Millionen Einheiten begrenzt. Diese Knappheit ist eine von unzähligen Eigenschaften, welche die Währung interessant macht.» Da auch die Arbeit damit digital ist, kann Matthias Koller von überall dort arbeiten, wo es ihm gefällt.

Er reserviert wöchentlich 30 bis 40 Spielfelder

Nun fehlt nur noch eines, um die Padel-Welt zu revolutionieren: der Sport selbst. Diesen lernte Koller erst 2020 kennen. «Ich begleitete meine Grosseltern und meine Tante nach Gran Canaria», berichtet er. «Meine Tante und ich wollten Tennis spielen.» Doch die vermeintlichen Tennis-Plätze waren viel kleiner und hatten Glaswände. «Wir kannten Padel nicht, aber als wir es ausprobierten, hatten wir sofort Spass daran», erinnert sich der Wider. «Ich nahm gleich eine Trainingsstunde.» Dann ging er für drei Monate nach Bulgarien zum Skifahren und vergass den Sport.

«Im Sommer 2020, zurück in Lissabon, organisierte jemand einen Padel-Event und lud online dazu ein. Da kam ich erstmals wieder damit in Kontakt – und blieb dabei.» Er organisierte eine Whatsapp-Gruppe, um Spiele mit Freunden zu koordinieren. Doch bald schon erreichte diese das Limit von 250 Leuten.

Matthias Koller hat Spass am Padel.

Matthias Koller hat Spass am Padel.

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Also schrieb der IT-Spezialist auf dem App Telegram ein eigenes Programm, das es noch einfacher macht, sich in Vierergruppen zum Sport zu verabreden. «Mittlerweile sind es etwa 300 Leute, für die ich jede Woche zwischen 30 und 40 Spielfelder reserviere.»

So wurde Matthias Koller aus Widen zum Mister Padel Lissabons – obwohl er nicht zu den besten Spielern der Stadt gehört, wie er betont. Er lebt und arbeitet hauptsächlich in seiner Wahlheimat, investiert jede Woche ein paar Minuten in sein Programm und erleichtert damit über 300 Padel-Spielenden das Leben.

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