Schnell ein Foto oder Video auf Instagram teilen oder per Whatsapp ein Treffen vereinbaren – für Kinder im Schulalter ist das heute längst Alltag. Smartphones, Tablets und das Internet sind allgegenwärtig, stellt denn auch der Murianer Schulsozialarbeiter Martin Schneider fest.

Am besten, findet er, sollte der Umgang mit sozialen Medien bereits in der Primarschule gelehrt werden. In einem Auftragsprojekt haben deshalb die an der Hochschule Luzern studierenden Julian Haas und Lucie Arnold die Besonderheiten der digitalen Kommunikation bildlich und spielerisch mit Schülerinnen und Schülern in Muri thematisiert.

(A)soziale Medien

Alle kennen Snapchat und Whatsapp, Facetime, Instagram, Facebook, Youtube und was es sonst noch alles gibt. In der Unterrichtsstunde unter dem Obertitel «(A)soziale Medien» zeigen Julian Haas und Lucie Arnold den Unterschied zwischen normaler Kommunikation und jener über soziale Medien auf. «Bei Whatsapp könnt ihr nicht sehen, wie sich euer Kollege fühlt», sagt Arnold vor der 5. Klasse von Lehrer Mario Beck und zeigt auf, dass man nicht nur mit Worten kommuniziert, sondern auch mit der Körperhaltung, mit dem Gesichtsausdruck, selbst mit dem Duft. «Wenn wir jemandem gegenüberstehen, geben wir bewusst oder unbewusst viele zusätzliche Informationen neben den eigentlichen Worten. Das fällt bei der digitalen Kommunikation weg und kann leicht Grund für Missverständnisse sein.» Seine Gefühle kann man mit Emojis nur sehr rudimentär ausdrücken. Und: «Digital ist keine Umarmung möglich.»

In der Lektion gehen die Jugendlichen das Thema spielerisch an. Einmal sehen sie mit Augenbinde nichts, einmal hören sie wegen Schallschutz nichts, und trotzdem müssen sie erraten, was das Gegenüber beschreibt. Oder jemand muss eine bestimmte Situation schildern, ohne das eindeutige Wort dafür zu benutzen. Das Fazit: Es ist schwierig, zu zeigen, was man sagen will, wenn man nicht alle Möglichkeiten dazu zur Verfügung hat.

Fortnite oder Ausschluss

Und alle reden von Fortnite, einem Game, das gegenwärtig besonders angesagt ist. «Das hat Auswirkungen in der Schule und auf dem Pausenplatz», weiss Schneider. Wer bei Fortnite nicht mitspielt – sei es, weil die Eltern blocken, sei es, weil kein Geld für die Ausrüstung der Spielfiguren aufgewendet werden kann –, läuft Gefahr, ausgegrenzt zu werden. Wer nicht per Smartphone kommunizieren kann, ist nicht dabei. «Ich stelle im Umgang mit sozialen Medien auch ein gewisses Suchtpotenzial fest und habe deswegen mit Eltern auch schon Kontakt aufnehmen müssen», sagt der Schulsozialarbeiter, ohne die Situation dramatisieren zu wollen.

«Ich verstehe, dass Fortnite fasziniert, und bin als Vater eines Sohnes auch mit der Frage konfrontiert: Lasse ich ihn das Spiel spielen oder verbiete ich es?» Schneider hat sich dazu entschieden, ihn kontrolliert eine abgemachte Zeit mitspielen zu lassen.

Alle online unterwegs

94 Prozent der Jugendlichen in der Schweiz haben bei mindestens einem sozialen Netzwerk ein Profil. 87 Prozent sind täglich oder mehrmals pro Woche in Online-Communities aktiv. 74 Prozent der Jugendlichen schützen ihre Privatsphäre in sozialen Medien. Diese Zahlen hat «Jugend und Medien», die nationale Plattform des Bundesamts für Sozialversicherungen zur Förderung von Medienkompetenzen, erhoben. Sie verfolgt im Auftrag des Bundesrats das Ziel, dass Kinder und Jugendliche sicher und verantwortungsvoll mit digitalen Medien umgehen.

Gründe für entsprechende Aktivitäten gibt es auch aus Elternsicht: 49 Prozent der Eltern von 12- bis 17-Jährigen sagen, dass ihr Kind immer mal länger online bleibt, als es eigentlich will. 22 Prozent der Eltern finden, ihr Kind werde ruhelos, launisch oder gereizt, wenn es versucht, seine Internetnutzung einzuschränken. Und 7,4 Prozent der 15- bis 19-Jährigen weisen gemäss Suchtmonitoring Schweiz 2015 eine problematische Internetnutzung auf.