Wohlen

Wetterprognosen in «ChlyParis» mit einer App aus dem Jahr 1903

Gertrud und Karl Vögeli vom Meteo-Instrumentenservice in Degersheim, mit ihrem Freund Hansjörg Meile, beim Ausbau der Instrumente aus der Wettersäule. chr

Gertrud und Karl Vögeli vom Meteo-Instrumentenservice in Degersheim, mit ihrem Freund Hansjörg Meile, beim Ausbau der Instrumente aus der Wettersäule. chr

Instrumente aus der nostalgischen Wetterstation in Wohlen werden restauriert und geeicht.

«Es ist schon erstaunlich, aber die alte Wetterstation in Wohlen funktioniert nach über einhundert Jahren immer noch einwandfrei. Es sind präzise Instrumente eingebaut, auf deren Anzeigen auch heute noch Verlass ist und auf denen sich die Wettertendenzen ablesen lassen.» Das sagt Karl Vögeli aus Degersheim, der zusammen mit seiner Frau Gertrud einen Meteo-Instrumentenservice anbietet und Restaurationen solcher Konstruktionen durchführt.

Temperatur, Druck, Feuchtigkeit

Wer ein Smartphone zur Hand hat, kann die Wetterprognose heutzutage ganz einfach abrufen: Apps liefern alle erdenklichen meteorologischen Daten. Aber wie war es früher, als es weder Telefon, noch Radio oder Fernsehen gab? Schon damals stand der Bevölkerung gewissermassen eine App (Applikation/Anwendung) zur Verfügung. Zwar nicht digital und ohne elektrischen Antrieb, aber als grosse Wetterstation mit Angaben von Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit.

Eine solche Wettersäule wurde 1903 auch in Wohlen errichtet, zu einer Zeit, als das Dorf wegen seiner florierenden Strohindustrie als «Chly Paris» bekannt war. Das Geschenk des Gemeinnützigen Ortsvereins erinnert an die erste Centenarfeier des Kantons Aargau.

«Wetter erst wieder ab Oktober»

Die 113-jährige Wetterstation steht unterhalb des Gemeindehauses neben dem ehemaligen Strohmuseum und zeigt verlässlich die Wetterdaten an. Damit diese nostalgische Einrichtung in Zukunft noch besser zur Geltung kommt, wird sie auf den Platz vor dem Gemeindehaus verlegt. Vorher wird die original Lambrecht-Wetterstation, von denen es in der ganzen Schweiz nach Angaben von Karl und Gertrud Vögeli lediglich noch etwa 25 bis 35 Exemplare gibt, gründlich restauriert und deren Instrumente geeicht. «Wetter gibt es in Wohlen erst wieder ab Oktober», scherzte Gertrud Vögeli beim Ausbau der alten Messinstrumente.

Der Sockel besteht aus massivem Stein und wird im Atelier von Bildhauer und Plastiker Rafael Häfliger in Wohlen aufgefrischt. Dem metallenen Aufbau, in dem die verschiedenen Instrumente eingebaut sind, verhilft der Wohler Maler Martin Bolliger zu neuem Glanz. Sowohl der Steinmetz als auch der Maler freuen sich auf die nicht alltägliche Arbeit, wie sie gegenüber der az sagten.

Carmine Monteleone, Projektleiter Liegenschaften bei der Gemeinde Wohlen, zeigte sich bei den Demontagearbeiten glücklich über die von den Ortsbürgern bewilligte Auffrischung der Wetterstation: «Wir haben hier etwas ganz Wertvolles, einen Schatz – nach der Restauration ist es eine noch grössere Trouvaille.»

Dafür bürgt der Meteo-Instrumentenservice Vögeli mit seiner Werkstatt. «Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte sind die Schriften auf den Emailleplatten ein wenig verblichen, es gibt Roststellen an den Metallteilen und der Holzhalter des Quecksilber-Barometers hat nach dem Eindringen von Feuchtigkeit stark gelitten. Auf uns wartet also einige Arbeit», stellte Karl Vögeli fest.

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