Muri und Bremgarten

Weshalb nur noch vier Freiämterinnen die Grossratswahl schafften

Rita Brem-Ingold ist neu in den Grossrat gewählt

Rita Brem-Ingold

Rita Brem-Ingold ist neu in den Grossrat gewählt

Grossratswahlen in den Bezirken Muri und Bremgarten: Bloss noch vier Frauen aus den beiden Bezirken wurden nach Aarau gewählt. Eine ehemalige Freiämter Grossrätin analysiert.

Nicht nur kantonal, auch in den beiden Freiämter Bezirken haben die Grossratswahlen den Frauenanteil der Bremgarter und Murianer Vertretung in Aarau sinken lassen. Betrachtet man sie gemeinsam, sind in der kommenden Legislatur nur noch 4 der 23 Freiämter Sitze in Frauenhand. Besonders im Bezirk Bremgarten manifestiert sich das Wahlergebnis, wo sich der Anteil weiblicher Ratsmitglieder gleich halbiert hat. Waren es bisher vier, sind es nun nur noch zwei Politikerinnen.

Die zurückgetretene Marlis Spörri (SVP, Wohlen) wird durch Roland Büchi (SVP, Wohlen) ersetzt. Abgewählt wurden Rosmarie Groux (SP, Berikon) und Lucia Ambühl-Riedo (FDP, Sarmenstorf). Als einzige Bisherige schaffte die Bremgarterin Karin Koch Wick von der CVP die Wiederwahl. Sie erhält als zusätzliche weibliche Unterstützung die neugewählte Parteikollegin Rita Brem-Ingold (Oberwil-Lieli). Die CVP stellt damit als einzige Partei Grossrätinnen.

Auch im Bezirk Muri sank der Frauenanteil

Auch im deutlich kleineren Bezirk Muri mit sieben Sitzen ist der Frauenanteil gesunken. Statt drei dürfen nur noch zwei nach Aarau reisen. Die Bisherigen Nicole Müller-Boder (SVP, Buttwil) und Franziska Stenico (CVP, Beinwil). Milly Stöckli (SVP, Muri) ist nach fast zwanzig Jahren zurückgetreten.

Schon vor den Wahlen stand fest, dass die SVP nebst Müller-Boder keine weitere Frau stellen wird, selbst wenn der Sitz verteidigt worden wäre. Den SVP-Sitz hat nun Hampi Budmiger (GLP, Muri) gewonnen.

«Grossratsamt ist längst nicht nur Ruhm und Ehre»

«Das System muss sich ändern», fordert Sybille Bader angesichts der spärlichen Freiämter Frauenquote. Die Tägliger SP-Politikerin war von 2007 bis 2009 Mitglied des Grossen Rates. Es brauche nun endlich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, findet sie. Denn dies sei es, was vor allem auch jüngere Politikerinnen in ihrer Karriere ausbremse. «Das Grossratsamt ist längst nicht mehr nur Ruhm und Ehre, sondern harte Knochenarbeit», sagt sie.

Es sei längst nicht bloss das Arbeitspensum, das viele Frauen vor einem Engagement abhalte. Vielen sei unwohl bei der Vorstellung, dass man sich als Grossrätin exponiere und damit auch angreifbar mache. «Heute kann man in den sozialen Medien alles und jeden kommentieren», verdeutlicht sie. Zudem setzten vor allem jüngere Frauen eher auf das berufliche Weiterkommen, als sich politisch zu engagieren. «Das ist schade, denn ich habe enorm viel gelernt als Grossrätin.»

Dass ihre Parteikollegin Rosmarie Groux nach langen Jahren im Amt abgewählt wurde, habe sie sehr enttäuscht. Sie ist überzeugt, dass Frauen nach wie vor anders wahrgenommen werden als Männer. Solange auf Podien die Mehrzahl der Teilnehmenden männlich seien und die Experten am TV ebenfalls, könne sich das auch nicht ändern.

Dass Rita Brem-Ingold als politisch unbeschriebenes Blatt beim ersten Versuch gleich das Ticket für den Grossrat löste, überraschte Bader. Aber: «Rita Brem-Ingold steht für die Landwirtschaft und wurde aus diesen Kreisen unterstützt», ist sie überzeugt.

Parteien sind in der Pflicht, Politikerinnen zu fördern

Gefreut über die Wahl ihrer Parteikollegin hat sich CVP-Grossrätin Karin Koch Wick, die in ihrem Amt bestätigt wurde. Gründe für das schlechte Abschneiden der Frauen kennt auch sie nicht. Sie vermutet jedoch, dass es mit der tiefen Wahlbeteiligung zusammenhängen könnte. «Ich kann mir vorstellen, dass die ältere Generation, die tendenziell eher Männer wählt, an die Urne ging», sagte sie.

Auch Koch nennt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie als Grund dafür, dass sich nur noch wenig junge Frauen für den Einstieg in die Politik entscheiden. Da seien auch die Parteien in der Pflicht, junge Politikerinnen zu fördern, findet sie. Diese Frauen hätten für die nachfolgende Generation nämlich eine Art Vorbildfunktion.

Nebst diesen Forderungen sei es wichtig, dass Frauen wieder vermehrt zusammenarbeiten und einander unterstützen, findet sie. Sie ist überzeugt, wenn Frauen untereinander solidarisch seien, gelinge es künftig, die Frauenquote im Grossrat zu heben.

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