Rottenschwil

«Werner's Backstube» macht im Coronajahr 30 Prozent mehr Umsatz

«Fast 90 Prozent des Schweizer Detailhandels bezieht das Magenbrot bei uns», erklärt der Inhaber Werner Furrer. (Im Bild: Werner Furrer und seine Tochter Franziska Bosio)

«Fast 90 Prozent des Schweizer Detailhandels bezieht das Magenbrot bei uns», erklärt der Inhaber Werner Furrer. (Im Bild: Werner Furrer und seine Tochter Franziska Bosio)

Der Magenbrot-Produzent in Rottenschwil stellt das Süssgebäck verschiedenen Grossisten zur Verfügung. Auf Marktgänge verzichtet er. Wie geht es «Werner's Backstube» zu Corona-Zeiten? Wir haben nachgefragt.

Magenbrot — die beliebte Süssigkeit erinnert an Herbstmärkte und Chilbi-Zeit. Mit seiner rosafarbenen Verpackung sticht es den Besuchern gleich ins Auge. In einer kleinen Bäckerei im Freiamt entsteht das bekannte «Werner's Markt-Magenbrot». Die Produkte werden seit über 50 Jahren nach dem gleichen Rezept hergestellt. Der einzige Unterschied: Das originale Markt-Magenbrot wird seit 2010 fixfertig abgepackt dem Detailhandel zur Verfügung gestellt.

Märkte sowie grössere Veranstaltungen mussten coronabedingt häufig abgesagt werden. Dies setzt vielen Marktfahrern zu. Die Rottenschwiler Backstube fällt, im Gegensatz zu anderen Produzenten, Corona nicht zum Opfer — im Gegenteil.

Von der Vorbereitung der Gewürze bis zur Endkontrolle: So entsteht das Magenbrot aus Rottenschwil.

Von der Vorbereitung der Gewürze bis zur Endkontrolle: So entsteht das Magenbrot aus Rottenschwil. (2016)

Heute sind die Hauptabnehmer von «Werner's Markt-Magenbrot» Grossisten wie Coop und Migros. Das war aber nicht immer so. Werner Furrer kaufte Herrn Rindisbacher, einem Marktfahrer, die Produktion vor zehn Jahren ab. Diese verlagerte er ins Freiamt nach Rottenschwil. Er wird heute durch seine Tochter, Franziska Bosio, als stellvertretende Geschäftsführerin unterstützt.

Zum Ärgernis anderer Marktfahrer wollte der Visionär in den Detailhandel wechseln. Seine Idee wurde als verrückt angesehen – sie fand aber Anklang. «Fast 90 Prozent des Schweizer Detailhandels bezieht das Magenbrot bei uns», erklärt der Inhaber Werner Furrer gegenüber der AZ. Seine Idee, die einst bei Marktfahrern zu Unverständnis führte, half der Unternehmung in dieser ökonomisch schwierigen Zeit. 

Die «Magenbrot-Saison» erstreckt sich noch über rund zwei Wochen. In den letzten Monaten haben etliche Marktfahrer in ihren Umsätzen enorm eingebüsst. Zum Teil bis zu 80 Prozent, wie Furrer mit Bedauern erläutert. Die Rottenschwiler Backstube hingegen konnte im Durchschnitt rund 30 Prozent mehr Produkte verkaufen als in vergangenen Jahren. Ein Glücksfall, der auf die Pandemie zurückzuführen ist.

Am Eingang Fieber messen und Masken tragen

Die gestiegenen Umsätze sind mit hoher Wahrscheinlichkeit zumindest zum Teil darauf zurückzuführen, dass die Nachfrage im Detailhandel wegen den abgesagten Märkten gestiegen ist. Die Medienstelle der Genossenschaft Migros Aare bestätigt, dass der Verkauf im Vergleich zum letzten Jahr um rund 20 bis 30 Prozent gestiegen ist. Worauf der Anstieg genau zurückzuführen ist, könne man nicht sagen.

Auch während dem Lockdown wurde im Freiamt fleissig Magenbrot produziert – mit verschärften Schutzmassnahmen. Am Eingang wurde Fieber gemessen und alle Mitarbeiter tragen bis heute Masken. Die Backstube hatte Glück, keiner der Mitarbeiter wurde bisher positiv auf das Virus getestet. So konnte auf Kurzarbeit und finanzielle Unterstützung verzichtet werden.

Direktverkauf erfuhr einen Aufschwung

«An anderen Orten überwiegen die negativen Einflüsse des Virus. Für unser Unternehmen kann aber gesagt werden, dass Corona einen positiven Einfluss hatte», sagt Furrer rückblickend. 

Abgesehen vom Verkauf im Detailhandel hat auch der Direktverkauf ab Produktion einen Aufschwung erfahren. Das Süssgebäck findet nur im Herbst Platz in Regalen. So soll der Direktverkauf gefördert werden. Die regionalen Produzenten helfen einander und nehmen die verschiedenen Produkte in ihr Sortiment auf. 

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