Wohlen
«Wer etwas will, muss auch dafür bezahlen»

Der gute Wohler Rechnungsabschluss 2018 löst die Finanzprobleme der Gemeinde nicht. Nötige Investitionen müssen weiter warten.

Fabio Vonarburg
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Die Fassade der Dreifachturnhalle Junkholz in Wohlen ist dringend sanierungsbedürftig. Doch es fehlt das Geld. (Archiv)

Die Fassade der Dreifachturnhalle Junkholz in Wohlen ist dringend sanierungsbedürftig. Doch es fehlt das Geld. (Archiv)

Christian Breitschmid

Das Schulhaus Junkholz in Wohlen ist ein Sinnbild für die aktuelle Finanzlage der Gemeinde. Obwohl der Sanierungsbedarf des Gebäudes ausser Frage steht, werden die fälligen Arbeiten aufgeschoben. Und dies bereits seit zwei Jahrzehnten. «Unser Nachholbedarf an Renovationen und Sanierungen ist massiv», sagte die Wohler Finanzministerin Ariane Gregor an der Medienkonferenz zum Geschäftsbericht. Aufgrund der finanziellen Lage ist die Gemeinde jedoch gezwungen, sich auf die notwendigsten Investitionen zu beschränken und den Rest vor sich herzuschieben. Alleine in der Bildung sind derzeit Projekte in der Höhe von 60 Millionen Franken in der Warteschleife.

Vor diesem Hintergrund ist das gute Rechnungsergebnis 2018 der Einwohnergemeinde hoch zu gewichten. Der Gemeinde gelang es, das vergangene Jahr mit einem Ertragsüberschuss von 7,4 Mio. Franken abzuschliessen. Damit übertraf man sowohl das Budget 2018 wie auch das Vorjahresergebnis deutlich. Dazu habe unter anderem die hohe Budgetdisziplin der ganzen Verwaltung beigetragen, lobt Gregor.

Doch die Finanzministerin mahnt: «Von diesen 7,4 Mio. Franken darf man sich nicht täuschen lassen», und sie erläutert: «Von einem Überschuss zu sprechen, ist eigentlich falsch. Besser: Die Schulden sind nicht so stark angestiegen wie befürchtet.» Statt 14 Mio. Franken kamen somit im letzten Jahr nur 7 Mio. zusätzliche Schulden dazu. Dies aufgrund von Investitionen, welche die Gemeinde tätigte. Damit beträgt die Gesamtschuld derzeit 46 Millionen Franken. Was dazu führt, dass jedes Jahr alleine rund 600'000 Franken Zinsen fällig sind. Oder anders ausgedrückt: rund zwei Prozent der jährlichen Steuererträge. 2018 erzielte die Gemeinde einen Selbstfinanzierungsgrad von 55 Prozent. Weit besser als in den drei vorangegangenen Jahren. Um die zunehmende Verschuldung tatsächlich abzubremsen, strebt die Gemeinde einen Wert von 70 Prozent an.

Es ist bekannt, wie Gemeinde- und Einwohnerrat die Finanzlage entschärfen wollten. Mit einer Erhöhung des Steuerfusses um 5 Prozentpunkte auf 115 Prozent. Doch die Stimmberechtigten lehnten dies gleich zweimal an der Urne ab. Ein Votum, das Gemeindeammann Arsène Perroud etwas ratlos macht. Für ihn ist klar: «Wer etwas will, muss auch dafür bezahlen.» Und dass die Wohler in ihre Gemeinde investieren wollen, haben sie mehrmals an der Urne bekräftigt. Zuletzt als beinahe 80 Prozent für den Umbau des Bahnhofs und damit den neuen Bushof stimmten. Ob es dennoch zu einer Steuererhöhung kommt, liegt nun in den Händen des Kantons. Bislang habe man noch nichts gehört, teilte Perroud mit. Der Gemeindeammann bedauert, dass Themen wie die Finanzlage von dem ablenken, was in Wohlen sehr gut läuft. Tatsächlich ist die grösste Freiämter Gemeinde als Wohnort sehr beliebt. Keine andere Ortschaft im Aargau verzeichnete im letzten Jahr mehr Zuzüger als Wohlen. Damit scheint das zu gelingen, was Ariane Gregor als schwierigen Spagat bezeichnet. «Wir müssen den Finanzhaushalt im Griff halten und den Wohlern trotzdem ein attraktives Programm bieten können.» Ein gutes Beispiel ist die letztjährige Eröffnung des Schüwo-Parks. Gemeindeammann Perroud spricht von einer Freizeitanlage mit regionaler Ausstrahlung, «die bei der Bevölkerung bereits auf grossen Anklang stiess».