Kelleramt
«Wer eine Show erwartet, wird enttäuscht»

Die reformierte Kirchgemeinde Kelleramt, der 2100 Personen angehören, setzt aufs junge Pfarrehepaar Reto und Cindy Studer. Diese fanden über Umwege zur Theologie.

Lukas Schumacher
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Im Doppelpack: Cindy und Reto Studer-Seiler stehen am 22. März zur Wahl.

Im Doppelpack: Cindy und Reto Studer-Seiler stehen am 22. März zur Wahl.

zvg

Bemerkenswert in der heutigen Zeit: Die Reformierte Kirchgemeinde Kelleramt fährt eine Vorwärtsstrategie, sie baut das Pfarramt und das Angebot aus. Der Wahlakt dazu dürfte an der Kirchgemeindeversammlung vom 22. März in Arni bloss Formsache sein. Der 34-jährige Reto Studer und die 33-jährige Cindy Studer werden mit einem sehr guten Resultat zum Pfarrehepaar der Kirchgemeinde Kelleramt gewählt werden. Die beiden lösen Pfarrer Martin Hess ab. Hess tritt in gut fünf Monaten, Ende August, in den Ruhestand.

Im Sommer 2014 gleisten die Reformierten Kellerämter die Nachfolgeregelung auf. Sie stocken im Zusammenhang mit der Pensionierung von Martin Hess das Pfarramt von 100 auf 130 Stellenprozente auf.

Auf Umwegen zur Theologie

Reto und Cindy Studer-Seiler lernten sich im Theologiestudium kennen und lieben. Beide fanden über Umwege zur Theologie. Sie holte nach einer kaufmännischen Lehre die Matura für Erwachsene nach und nahm später eher widerwillig das Theologiestudium auf und war «von Anfang an begeistert». Die Breite des Studiums habe sie ebenso fasziniert wie die vielen interessanten Menschen und die Kirchgemeinden, die sie als Werkstudentin kennen lernte.

Reto Studer studierte Publizistikwissenschaft, Staatsrecht und Geschichte, war nach dem Abschluss drei Jahre in der Managementberatung tätig. Mehr und mehr begann er sich für Theologie zu interessieren und entschied sich schliesslich, Theologie zu studieren. «Für mich war das ein finanzieller Rückschritt, den ich freilich zu keinem Moment bereut habe.» Neben dem Studium arbeitete Studer unter anderem als Fachlehrer an einer heilpädagogischen Schule. In seiner Wohngemeinde Bubikon/ZH gehört er seit sechs Jahren der Kirchenpflege an.

Mit Bestnoten abgeschlossen

Nicht nur für die Kirchgemeinde Kelleramt, auch fürs Pfarrehepaar scheint das Timing perfekt zu stimmen, um die Vakanz auf dem Pfarramt Kelleramt zu beheben. Reto und Cindy Studer-Seiler beenden beide im Sommer dieses Jahres das einjährige Lernvikariat, nachdem sie vor einem Jahr das Theologiestudium mit Bestnoten abgeschlossen hatten.

Wo möchte das junge Pfarrpaar in der Kirchgemeinde Kelleramt mit ihren rund 2100 Angehörigen Akzente setzen? «In der Bildung, aber auch bei den Kasualien, den Abdankungen, Taufen und Hochzeiten», sagt Cindy Studer. Vor allem aber wolle sie Beiständin sein für Gemeindeangehörige in wichtigen Lebenssituationen.

Ehemann Reto Studer zeigt sich begeistert von «durchkomponierten Gottesdiensten», in denen die Elemente Musik, Gesang, Gebete und Predigt ein erkennbares Ganzes ergeben. Da wolle er mutig ans Werk gehen und erfahren, was Anklang findet. Wichtig sei ihm ein geerdeter kirchlicher Unterricht und ein breites Bildungsangebot. Zudem will Studer «insbesondere Zeit haben, Zeit zum Zuhören, Zeit für Kurzfristiges, Unvorhergesehenes.»

Beide betonen, dass sie als Kirchgemeindeleiter stark angewiesen seien auf die Unterstützung der Reformierten im Kelleramt. Sie taugten weder als Eventmanager noch als Alleinunterhalter. Wer eine grosse Show erwarte, werde leider enttäuscht.