Boswil
Wer bezahlt die Aufhebung des Bahnübergangs?

Die Aufhebung des SBB-Niveauübergangs in Boswil kostet 8 Millionen Franken mehr. Der Regierungsrat legt deshalb dem Grossen Rat einen neuen Grosskredit zur Genehmigung vor. Unklar ist, ob sich die SBB an den Kosten beteiligen.

Eddy Schambron
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Die Tage des SBB-Niveauübergangs Boswil dürften gezählt sein. ES

Die Tage des SBB-Niveauübergangs Boswil dürften gezählt sein. ES

Die Aufhebung des Niveauübergangs in Boswil kostet rund 23 Mio. Franken. Das sind gegenüber dem 1993 vom Grossen Rat beschlossenen Kredit von 14,8 Mio. Franken 8,2 Mio. Franken mehr. Der Regierungsrat beantragt, den damaligen Verpflichtungskredit aufzuheben und neu einen Grosskredit von 19,637 Mio. Franken zu beschliessen. Boswil wird 12,5 Prozent oder 2,862 Mio. Franken und die Gemeinde Bünzen 2,1 Prozent oder 480900 Franken an die Aufhebung des Niveauübergangs zu zahlen haben.

Projekt angepasst

Bereits 1993 hat der Grosse Rat das Generelle Projekt zur Aufhebung des SBB-Niveauübergangs in Boswil genehmigt und einen Verpflichtungskredit von 10,4 Mio. Franken gesprochen. Mit der aufgelaufenen Teuerung sind bei diesem Projekt nun Kosten (Preisbasis 2009) von 14,8 Mio. Franken zu erwarten. Allerdings wurde das 1993 bewilligte Vorhaben an die heutigen Bedürfnisse angepasst und gleichzeitig das Auflageprojekt erarbeitet.

«Grundsätzlich entspricht das Auflageprojekt dem 1993 genehmigten Generellen Projekt», hält der Regierungsrat in seiner Botschaft fest. Die detaillierte Kostenüberprüfung ergab allerdings, dass die Prognose nun bei 23 Mio. Franken liegt. Darin enthalten ist eine Risikoreserve von 2,1 Mio. Franken. «Die Mehrkosten resultieren aus externen, nicht beeinflussbaren Randbedingungen (Umweltschutz- und Sicherheitsvorgaben) und dem neu vorgesehenen Risikozuschlag», schreibt der Regierungsrat. Einsparungsmöglichkeiten seien im Auflageprojekt so weit als möglich bereits umgesetzt. «Es besteht kein weiteres Sparpotenzial.»

Kein Bundesbeitrag

1993 ging die Regierung von einem Bundesbeitrag von 3,7 Mio. Franken aus. Mit der Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen wurden die projektgebundenen Bundesbeiträge – unter anderem auch Bahnübergänge – aufgehoben. Beibehalten werden die Beiträge der Gemeinden Boswil und Bünzen. «Eine angemessene Beteiligung der SBB wird zurzeit verhandelt», hält der Regierungsrat fest. Sofern kein Ergebnis erzielt werden kann, ist der Anteil vom Kanton zu tragen.

Vier Jahre Bauzeit

Das Projekt umfasst den Kreisel Industrie, den Kreisel Nord und dazwischen eine neue Brücke über die SBB-Gleise. Hinzu kommt eine Personenunterführung an der gleichen Stelle des heutigen Niveauübergangs. Der Kreisel Nord schlägt mit 1,9 Mio. Franken, inklusive der Anschlussstrecken, zu Buch, die Überführung über die SBB-Linie ist mit 7,756 Mio. Franken veranschlagt. Der Kreisel Industrie mit Anschlussstrecken verschlingt 1,9 Mio. Franken und die Rad- und Fussgängerunterführung gute 4 Mio. Franken. Eine weitere Million kostet die Umgestaltung der Bahnhofstrasse; sie hat weiterhin Erschliessungsfunktion für die westlich des Bahnübergangs gelegenen Gewerbebetriebe und Grundstücke.

Für die Realisierung des gesamten Projektes wird mit einer Bauzeit von etwa vier Jahren gerechnet. Damit der Verkehrsfluss gewährleistet werden kann, muss zuerst die neue Brücke über die SBB-Linie realisiert werden. Die Brückenlänge beträgt 170 Meter.