Wohlen
Wenn Reime doch nur Strom erzeugten

Einwohnerratsdebatten um das Isler-Areal und um den Weg zur Solar-City waren lang und teils gereimt.

Christian Breitschmid (Text und Foto)
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Nur der Verkauf oder die Abgabe im Baurecht macht aus dem Isler-Areal eine Einnahmequelle für Wohlen – der Einwohnerrat hat die Oase Isler-Areal abgewiesen.

Nur der Verkauf oder die Abgabe im Baurecht macht aus dem Isler-Areal eine Einnahmequelle für Wohlen – der Einwohnerrat hat die Oase Isler-Areal abgewiesen.

Christian Breitschmid

Die erste Sitzung des Einwohnerrates nach der Sommerpause dauerte dreieinhalb Stunden. Daran waren einerseits die vielen Traktanden schuld, andererseits aber auch die ausführlichen Stellungnahmen zu den Aufregerthemen des Abends: das Initiativbegehren des Vereins Oase Isler-Areal, das neue Energieleitbild der Gemeinde, die Motion, welche Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energien verlangt, sowie das Postulat zur Reduktion der Strassenbeleuchtung.

Bevor allerdings die 14 Traktanden der Sitzung in Angriff genommen werden konnten, hatte Einwohnerratspräsident Andrea Duschén die Pflicht, den Versammlungsteilnehmern die Rücktrittserklärung von SP-Einwohnerrätin Corinne Manimanakis auf Ende der Legislatur bekannt zu geben. Nach elf Jahren im Einwohnerrat macht sie im November also Platz für eine neue SP-Frau oder einen SP-Mann.

Vorher hat sie aber nochmals nach bewährter Manier ihre Pflicht in der Einbürgerungskommission erfüllt. Kommissionspräsident Roland Büchi (SVP) durfte als erstes Geschäft gleich 92 Einbürgerungsgesuche zur Abstimmung vorlegen. «Das sind so viele Gesuche wie schon lange nicht mehr», erklärte Büchi. «Das liegt sicher am hohen Ausländeranteil in Wohlen. Weil aber die Einbürgerungsbestimmungen bald verschärft werden, melden sich viele jetzt noch an, bevor es noch schwieriger wird.» Sie hätten gute Gespräche mit den Einbürgerungswilligen geführt. Nicht wenige von ihnen hätten den Staatskundetest zu 100 Prozent richtig ausgefüllt. Die 92 Gesuchsteller erfüllten alle Bedingungen. Die Versammlung folgte Büchis Empfehlung. Wohlen hat nun 92 neue Mitbürger.

Isler-Areal kommt vors Volk

Das erste Traktandum mit echtem Diskussionspotenzial betraf das Initiativbegehren des Vereins Oase Isler-Areal, das ein 10-jähriges Baumoratorium auf dem Gelände zwischen Bünz und Kirchenplatz verlangt. Meinrad Meyer (CVP) von der Geschäftsprüfungskommission (GPK) sagte ganz klar: «Ein solches Baumoratorium ist gegen alle Regeln. Aus dem Islerareal in der Kernzone einen Festplatz zu machen, bedeutet den Verzicht auf Millionen aus dem Verkauf oder der Vergabe im Baurecht. Wohlen kann sich das nicht leisten.»

Gemeinderat Arsène Perroud unterstützte Meyers Voten und betonte, dass ein rechtsgültiger Gestaltungs- sowie ein Masterplan vorliege und dass das neue Raumplanungsgesetz ganz klar eine Verdichtung in eingezonten Gebieten verlange. Es folgten verschiedene parteiliche Argumente gegen das Begehren. Der Höhepunkt war dann aber ein fast viertelstündiges, in holprige Reime gefasstes Hohelied auf das unverbaute Isler-Areal, vorgetragen von Annalise Steiner (SVP), einzig reimendes Mitglied des Initiativkomitees. Ergebnis: 24 Ja zu 11 Nein – das letzte Wort hat das Volk.

Die letzten drei Traktanden des Abends betrafen allesamt Wohlens Energieverbrauch und die Möglichkeiten, diesen zu senken. Dass dies in den meisten Fällen erst einmal etwas kostet, bevor man dann allenfalls effektiv sparen kann, wurde in den Diskussionen deutlich. Das neue Energieleitbild der Gemeinde Wohlen wurde von allen Fraktionen mehr oder minder wohlwollend zur Kenntnis genommen. Es zeigt den Willen des Gemeinderates, sich der Energiestrategie 2050 schnell anzugleichen.

Der erste, überaus deutliche Schritt in diese neue Richtung wurde hauchdünn verworfen: Mit 18 Nein- zu 17 Ja-Stimmen wurde die Motion «Strom aus erneuerbaren Energien für gemeindeeigene Liegenschaften und öffentliche Beleuchtung» abgelehnt. Das Killerkriterium gegen die Solar-City waren dabei Mehrkosten von bis zu 55 000 Franken.

Auch wer nachts die Strassenbeleuchtung abschaltet, spart Energie. Das war allen klar und stand nicht zur Debatte. Obgleich die Gefahren, die unbeleuchtete Strassen bergen, mehrfach angemahnt wurden, konnte sich die Versammlung für eine Versuchsphase mit weniger brennenden Strassenlampen erwärmen. Wohlen ist auf dem Weg in Richtung tiefere Stromkosten, auch im Halbdunkel.