Der AZ-Reporter sieht lediglich Dreck, ein paar grössere oder kleinere Steine und da und dort ein abgeschnittenes Ton- oder Betonrohr. Reto Bucher, Leiter der Mittelalterarchäologie Kantonsarchäologie Aargau, sieht mit seinem geschulten Auge wesentlich mehr: «Sehen sie hier die Spuren von Holzkohle und die Lehmschicht? Das könnte im Mittelalter eine Feuerstelle gewesen sein. Vielleicht sind es aber auch nur Spuren einer Feuersbrunst im Städtchen.»

Wie hat man früher gelebt, gewohnt oder gekocht?

Reto Bucher steht in einem Graben in der Schenkgasse und kratzt mit Schaufel und Maurerkelle an der Grubenwand. Er ist nicht in die Bremgarter Altstadt gekommen, weil die Kantonsarchäologie dort Spuren eines Mammuts oder eines Dinosauriers zu finden hofft: «Was wir hier machen, ist reine Routine», erklärt er. Die Mittelalterarchäologie betreibe Bauforschung, indem sie in alten Häusern vor dem Umbau- oder Abbruch nach Spuren früherer Bewohner forsche. Oder eben Gräben in Altstädten, bei Kirchen und Klöstern oder Burgen untersuche. «Uns interessiert alles, was mit dem Mittelalter zu tun hat. Das Alter von Häusern, der Aufbau und die verschiedenen Schichten im Untergrund. Daraus können wir Rückschlüsse ziehen, wie man früher gelebt, gewohnt, gekocht oder gearbeitet hat», erklärt er.

Die Untersuchungen laufen meist parallel zu den Bauarbeiten: «Die für uns interessanten Gebiete sind kartografisch erfasst und wenn dort etwas geplant ist, werden wir benachrichtigt und können bei Baugesuchen eine Stellungnahme abgeben. Wird dann gebaut, sprechen wir uns mit der jeweiligen Bauleitung ab und sind dann in den wichtigen Phasen meistens auch im Sinne einer Baubegleitung vor Ort.»

Die Bauabläufe, hält Bucher fest, würden dadurch nicht tangiert: «Uns geht es darum, vor Ort eine fachgerechte Dokumentation vorzunehmen, bevor ein Haus abgebrochen oder ein Loch wieder zugeschüttet wird. Spektakuläres ist bei den laufenden Arbeiten in der Unterstadt bisher nicht entdeckt worden. Aber einiges, das für die Archäologen von Interesse ist. Zum Beispiel Spuren eines Wasserkanals aus dem Spätmittelalter oder der frühen Neuzeit. Er hat vermutlich von der Oberstadt via Bogen in die Unterstadt geführt. Weitere Spuren des offensichtlich gleichen Kanals hat man laut Reto Bucher auch schon vor 30 Jahren bei Grabarbeiten in der Schodolergasse entdeckt und dokumentiert.