Jonental

Wenn Hase und Reh im Jonenwald zu Lehrern werden

Fabio hat viel Spass beim Lösen der Schnitzeljagd-Rätsel. Auf dem Heimweg entdeckt er Abfall im Wald, den er einsammelt. «Das stand da auf dem Schild», erklärt er.

Fabio hat viel Spass beim Lösen der Schnitzeljagd-Rätsel. Auf dem Heimweg entdeckt er Abfall im Wald, den er einsammelt. «Das stand da auf dem Schild», erklärt er.

Die Schnitzeljagd, ein Maturaprojekt von drei Kantischülerinnen, soll Kindern spielerisch den Natur- und Umweltschutz näher bringen. Die AZ Freiamt hat die Rätseltour mit dem beinahe 7-jährigen Fabio im Jonental getestet.

Fabio ist bereit: Der fast 7-Jährige hat seinen Rucksack samt Znüni geschultert, sich seine Wanderschuhe binden lassen und stapft nun voller Tatendrang dem Jonental zu. Er weiss nicht genau, was ihn erwartet, nur, dass es Rätsel zu lösen gibt.

«Finden wir dann da einen Schatz?», fragt er aufgeregt. Naja, das nicht gerade, aber so, wie es klang, werden wir viel lernen. «Okee», sagt er und stapft munter weiter am Waldrand entlang und hinauf zu einer grünen Tafel, neben der der Pfad in den Wald hinein führt. Als er die Tafel erblickt, wird er aufgeregt. «Was steht da? Was steht da?», will er wissen.

Er könnte es selber lesen, tut das auch bei einigen Sätzen. Aber insgesamt will er viel lieber mit den Rätseln anfangen, statt sich lange mit Buchstaben abzukämpfen. Hier beginnt sie also, die neue Schnitzeljagd im Joner Wald, die man aus rechtlichen Gründen nicht Foxtrail nennen darf. Aber um zu erklären, worum es geht, könnte einem das Wort schon auf der Zunge liegen.

An jeder Weggabelung ein neues Rätsel

«Hallo Kinder! Herzlich willkommen. Seid ihr bereit, der Natur auf die Spur zu kommen?», fragt ein Eichhörnchen auf dem ersten Plakat. Ein Reh lädt ebenfalls dazu ein, den Plakaten zu folgen. Und das lässt sich Fabio nicht zweimal sagen. Steil geht es hinauf zum ersten Posten. Auf gut halber Höhe entdeckt der junge Freiämter einen Posten des Vita Parcours, den er natürlich nicht auslassen kann. Wenn er schon da ist. Danach, frisch aufgewärmt und gedehnt, ist der restliche Anstieg ein Klacks.

Am ersten Posten muss er Abfall suchen, der neben Reh, Hase und Igelfamilie im hübsch gemalten Waldbild verstreut wurde. Im Dialog zwischen Hase und Reh erfährt er, dass nicht nur das Reh, sondern auch sein Freund, der Igel, Bauchweh hatten, weil sie an den weggeworfenen Plastikstücken geknabbert hatten. «Falls ihr auf dem Weg bis zum Ziel Abfall in der Natur seht, packt ihn ein und werft ihn am Ende in den Abfalleimer», heisst es denn auch auf dem Plakat. Fabio nickt.

Dann löst er das Rätsel. Dabei muss er herausfinden, zu welchem Tier ihn der Weg führt. Denn das Einzige, was er mit auf den Weg bekommen hat, ist eine ausgedruckte Karte. An jeder Weggabelung wartet wieder ein neues Rätsel samt Informationen über die Natur auf ihn. Die Lösung des Rätsels verrät ihm jeweils, welchen Weg er als nächstes nehmen soll.

Drei junge Frauen, eine spannende Idee

Konzipiert und aufgebaut wurde die Schnitzeljagd von drei Maturandinnen der Kanti Baden: Annika Linggi (Nussbaumen), Sonja Calame (Widen) und Vivienne Bächinger (Oberlunkhofen). «Wir wollten von Anfang an ein Thema für unsere Maturaarbeit, bei dem wir abgesehen von der schriftlichen Arbeit auch etwas vorweisen können», erinnert sich Linggi. Schon bald kamen sie auf die Idee einer Schnitzeljagd. Erst dachten sie an etwas Schweizweites, was aber zu gross gedacht war.

«Da wir uns sehr für die Umwelt interessieren, fanden die beiden Ideen bald zusammen.» Fehlten noch Zielgruppe und Ort. «Wir wollten so viele Leute wie möglich erreichen. Da fanden wir Kinder, im Alter von 8 oder 9 Jahren, am geeignetsten. Sie sind sehr lernfreudig und erzählen das Gelernte auch gern daheim. Somit hätten wir gleich noch eine zweite Gruppe erreicht: die Eltern.»

Das Jonental war ebenfalls ideal für ihre Idee. So stellten sie sechs Posten plus Start, Ziel und Infotafeln für Begleitpersonen oder Spaziergänger vor gut zwei Wochen auf. «Nun testen wir sie mit Schulklassen aus der Gegend.» Nach dem ersten Wochenende sind einige Posten jedoch vom Regen aufgeweicht.

«Der Förster ist begeistert von unserer Idee und hilft uns. Wir suchen das beste Material, auf das wir die Rätsel drucken können, damit sie auch wetterbeständig sind», erklärt Linggi. «Anfangs haben wir uns gar nicht überlegt, wie lange sie stehen sollen. Aber bisher sind sie so gut angekommen, dass wir sie länger stehen lassen möchten.»

Ob Fabio etwas gelernt hat? Ganz eindeutig.

Unten am Bach angekommen, möchte Fabio ein Picknick auf den Steinen machen, das Rätseln und Wandern macht hungrig. «Dein Apfel ist sicher aus der Schweiz, aber woher kommt mein Farmerstängel?», will er wissen. An einem Posten wurde er aufgefordert, beim Znüni über genau diese Frage nachzudenken.

Doch bevor die Frage geklärt werden kann, ruft Fabio: «Abfall!» Er zeigt auf eine leere Eistee-PET-Flasche zwischen den Steinen, die er sofort in die Aussentasche seines Rucksacks packt, um sie später zu entsorgen. Das stand schliesslich auf einem der Posten. Ob die neue Schnitzeljagd im Joner Wald bei ihm etwas ausgelöst hat? Offensichtlich. Mindestens bei ihm heisst es: Ziel erreicht.

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