Soll man sich mehr an den «Gschichte» von Margrit Konrad aus Muri erfreuen oder an den Gedichten in Freiämter Mundart? Oder an den Illustrationen ihrer Tochter Barbara Enzler, an der feinen Gestaltung oder der edlen Ausführung in richtiger Buchdruckermanier? Am besten erfreut man sich an allem und nimmt das Hörbuch in Form einer CD sozusagen als i-Tüpfelchen auf einem Gesamtkunstwerk. «ihaaret em Räägeboge», das 70 Seiten starke Buch, ist gerade richtig für Leute, die das Freiamt und Sprache lieben. Sie begegnen sogar alten, früher gebräuchlichen Wörtern, die sie vielleicht noch nie gehört haben: «ihaaret» (vor etwas), zum Beispiel.

Margrit Konrad schreibt gleich selbst, wie es zu diesem Werk gekommen ist: «S’Schriibe lauft mit. Gheimghalte. Tääglich. Zuegflogni Bilder nischtet. Sprachlos. Wochelang. Um undereinisch z’schlüpfe». Eigentlich müsste man den Artikel jetzt in Mundart schreiben, in Mundart erzählen, wie eindrücklich Konrad zum Beispiel eine «Früemäss» beschreibt, wie sie einige Zeilen dem «Röcklispatz vo Boosmu» oder dem «Dokter Walter Hümbeli» widmet. Aber in der Zeitung tut man das in der Regel nicht. Deshalb belassen wir es bei einzelnen Ausdrücken, einfach, weil sie schön sind. Tatsächlich machen Konrads feine Texte Lust auf Mundart, sie bremsen die Leserin und den Leser in der alltäglichen Hektik und werden zum reinen Genuss.

Voll kleiner Geschichten

An der «Buech-Wernissaasch» im reformierten Kirchgemeindesaal in Muri fasste Fridolin Kurmann den Inhalt dieses Buches zusammen: «Es ist voll von Geschichten, geschöpft aus der Erinnerung an Menschen, die Margrit Konrad als Kind erlebt hat.» Menschen, eher am Rand der Gesellschaft, aber genau beobachtet, mit feinem Humor geschildert, sie aber nie auslachend. «Mit ihren Geschichten setzt sie diesen Menschen ein Denkmal, gibt ihnen ihre Würde, die sie vielleicht von den damaligen Zeitgenossen nicht erhalten hat.» Als Beispiel nannte er etwa «Früemäss»: Man «schmöckt s’Pitralon» des Nachbarn im Kirchenbank, hört das «Chröschpele», wenn der Pfarrer in die Hostie beisst. Bei den Gedichten vermischt sich Gegenwärtiges – «Oobighimmu» – mit Vergangenem – die Grossmutter, die Litaneien gebetet hat, und der Vater, der Litaneien geflucht hat, und die Autorin mit «Litanäje – bättet und gfluecht – hani im Lääbe beedes bruucht».

In den Gedichten werde die Sprachkunst von Margrit Konrad auf das Schönste offenbart, sagt Kurmann. Sie, gelernte Siebdruckerin und heute Bäuerin, habe schon immer geschrieben und im Lauf der Zeit «das literarische Potenzial der Mundart entdeckt».

Dem ist nichts beizufügen. Pirmin Breu, der Murianer Graffiti-Künstler, würdigte wiederum die Illustration von Tochter Barbara Enzler, die sich unter anderem mit Street Art beschäftigt. Mit ihren feinen Bleistiftzeichnungen schafft sie «eine schöne Einheit», wie Breu ausführte. Ein bekanntes Werk Enzlers ist das Seifenblasen-Mädchen an einer Hausfassade im Murianer Dorfteil Hasli.

Aus der Region

An der Lesung dankte Margrit Konrad unter anderem Cäcilia Schuler, die als Lektorin dafür gesorgt hat, dass die Mundart, für die es kein orthografisches Regelwerk gibt, korrekt und einheitlich daherkommt. Wichtig war ihr schliesslich, dass das Buch in der Region produziert wurde. Die typografische Gestaltung realisierte Livia Müller, unterstützt von ihrem Vater Willy Müller, typografischer Gestalter aus Zufikon. Gedruckt wurde das Werk bei der Schumacher Druckerei AG in Muri. Die Vernissage wurde musikalisch umrahmt von «Triome» mit René Keusch, Markus Müller und Dieter Wettstein.

Das Buch ist im Buchhandel für 28 Franken (ISBN 978-3-033-05831-6) oder direkt bei der Autorin erhältlich. Mehr Infos unter: www.margritkonrad.ch