Überall im Land fragt man nach Imelda Abbt, wenn jemand über Lebensfragen einen Vortrag halten oder ein Seminar leiten soll. Seit zehn Jahren wirkt sie als engagierte Dozentin an der Seniorenuniversität Luzern, trat mit Norbert Bischofberger in der Sternstunde Philosophie im Schweizer Fernsehen ins Gespräch über die Philosophin und radikale Denkerin Simone Weil und ist auch an den Volkshochschulen Muri und Zürich ein gerne gesehener Gast.

Schon als Kind wissbegierig

«Ich war schon als Kind wissbegierig», erinnert sich Imelda Abbt. Wissbegierige Menschen gehören deshalb auch zu ihrem Publikum. «Die Lust am Denken»: So überschrieb sie ein Seminar im Bildungshaus Hertenstein. So wie Aristoteles in der Antike den offenen Dialog pflegte, geht Imelda Abbt auf die Menschen von heute zu: «Mein Publikum soll mit mir auf Augenhöhe stehen.» Akademisch gebildet müsse keiner sein, wenn er bei ihr in einem Seminar sitze. «Ich mute allen Menschen zu, dass sie selber denken können.» Fragen nach dem Sinn des Lebens stellten sich schliesslich alle, gleichgültig, welchen Schulrucksack einer auch mitbringe.

Anstelle einer engstirnigen Beschränkung auf eine Konfession plädiert Abbt beherzt für «die Weltoffenheit des Glaubens» und «die denkende Verantwortung». Diesen Ansatz verdanke sie dem protestantischen Theologen Fritz Buri, sagt sie. Über Buris Gottesbegriff doktorierte die Katholikin und sprengte damit schon früh Fesseln und Grenzen. Den Glauben, aus welcher Quelle er auch geschöpft werde, könne man ohnehin nicht «machen», betont die Theologin. «Keiner kann etwas dafür, in welche Glaubenswelt er hineingeboren wurde. Der Glaube ist ein Geschenk, zu dem alle Sorge tragen sollten, sei er Christ, Moslem oder Hindu.»

Gerade in der Differenz zum Mitmenschen entdecke man, sagt Imelda Abbt, dass sie einen bereichere und neugierig mache auf das, was im anderen Menschen stecke. Aber: «Man kann nicht an zwei Orten verankert sein, sondern nur an einem Ort. Und dort muss man die Verantwortung für sein selbstbestimmtes Leben übernehmen. Ich auf jeden Fall möchte nicht nur gelebt werden, sondern selber leben», sagt die Freiämterin Imelda Abbt.

Freundschaft und Treue

Ihr Credo ist die Freundschaft um des Menschen willen «und nicht, um Aristoteles zu zitieren, weil er mir nützt oder mir Lust bereitet». Die Freundschaft ohne jeglichen Hintergedanken sei «eine anspruchsvolle Sache», gibt die Theologin zu. Aber wenn man sie ernst nähme, gebe es auch keinen Grund mehr, Kriege zu führen. Als Leitfiguren nennt Imelda Abbt die französische Philosophin Simone Weil und Mutter Teresa, «die nicht Nein sagen konnte, wenn sie einen bedürftigen armen Menschen traf, und sich selber immer treu war».
Von Mutter Teresa schlägt Imelda Abbt den Bogen zu den Mitmenschen, denen sie im Alltag begegnet: «Treue zu sich selbst: Das hat mit jedem von uns zu tun.»