Ein vergleichbar kleiner Bach ist er, der Wissenbach - und doch darf man ihn nicht unterschätzen. In den vergangenen Jahren ist er einige Male über die Ufer getreten: 1975, bei einer der grössten Überflutungen der letzten 50 Jahre, kam es zu grossen Schäden, 1987 beziehungsweise 1999 und 2007 sorgte er ebenfalls für
viel Aufräumarbeiten.

Das Fazit: Der Hochwasserschutz ist ungenügend. Dem will man nun entgegenwirken. Ein Team rund um Silvio Moser, Projekt- und Bauleiter Wasserbau vom Kanton Aargau und Markus Zumsteg, Sektionsleiter Wasserbau, hat in Zusammenarbeit mit dem Kulturingenieur Michael Schilling und anderen das Gebiet genauestens unter die Lupe genommen.

Einige Schwachstellen

Schwachstellen finden sich einige: Beim Kirchweg ist das Durchflussprofil zu knapp, ebenso bei der der kleinen Brücke neben Bäckerei Fischer. Beim Landi-Durchgang siehts kaum besser aus; zudem sind entlang des Flusslaufes einige Blockmauern beschädigt.

Die zwei Wasserbauexperten Silvio Moser (links) und Michael Schilling präsentieren der Bevölkerung die Vorschläge für die Bachsanierung.

Schäden durch Bach:

Die zwei Wasserbauexperten Silvio Moser (links) und Michael Schilling präsentieren der Bevölkerung die Vorschläge für die Bachsanierung.

Drei Konzepte würden zur Milderung der allfälliger Uferübertretung beitragen: Entweder der Bau eines Rückhaltebeckens oberhalb des Dorfes, ein Entlastungskanal in die Bünz – oder aber der Ausbau des Flussbettes im Dorf. Denn bei einer erneuten Überflutung wäre der Schaden ziemlich hoch: Mit rund 10 Millionen Franken rechnet das Experten-Team im Fall eines sogenannten hundertjährlichen Hochwassers.

Ausbau wäre am günstigsten

Am meisten Potenzial sieht Schilling im Ausbau im Dorf. Mit einem Kostenpunkt bei rund 4,5 Millionen Franken ist es zudem die günstigste Variante. Die perfekte Lösung gibt es aber nicht.

«Verschiedenste Kriterien spielen hier eine Rolle», so Schilling, «nebst den Investitionskosten müssen Faktoren wie Ökologie, Landschaftsbild und Systemkomplexität stimmen.» Im Falle eines Ausbaus werden verschiedenste Veränderungen vorgenommen: Durchlassvergrösserung, Neubau von Brücken oder Verbreiterung des Gerinnes.

Überleben die Fische?

Natürlich sorgten die Pläne für eine angeregte Diskussion. Nicht nur die Finanzen – im Fall einer Realisierung muss die Gemeinde rund 40 Prozent der anfallenden Restbetragskosten übernehmen – sondern auch ökologische Aspekte wurden diskutiert: «Ich fische seit 30 Jahren im Wissenbach – werden die Fische durch die anfallende Verbreiterung des Flussbetts überhaupt eine Über-lebenschance haben?», fragte ein Anwohner.

Skeptische Stimmen betrafen zudem die Finanzierung: Der Ausbau selbst möge ein Kostenpunkt sein – «doch wer finanziert den späteren Unterhalt?» Zudem interessierte es einen Boswiler, ob man aus der Not eine Tugend machen und ein Wasserkraftwerk erstellen könnte. Diese Pläne wurden aber gleich wieder verworfen: Dafür tauge der Wissenbach nicht. Längere Trockenperioden, in denen der Bach kaum Wasser geführt hat, machen dies unmöglich. «Dann schon eher ein Trockenkraftwerk», scherzte ein Zuhörer.

Ein Optimum gibts nicht

Die Suche nach der optimalen Lösung sei eine schwierige Aufgabe– und eine fast nicht machbare, sagte Zumsteg. Wie schon erwähnt, kämen enorm viele Faktoren zusammen, die es alle irgendwie zu beachten gäbe. Doch man zeigt sich optimistisch: Die Diskussionspunkte würden allesamt in die weiteren Abklärungen einfliessen. Dem Boswiler Volk werden die Resultate in absehbarer Zeit noch einmal präsentiert.