Ein kleiner Grabhügel mit Kreuz rückt ins Blickfeld. Das Dorf nimmt Abschied vom Verstorbenen. Die Gemeinde hat sich zu dessen letztem Geleit eingefunden. Zwei der Trauergäste äussern sich lautstark über den Dahingegangenen, den sie beide bestens gekannt haben. «Nationalrat wollte er werden, doch er hat es nur bis in den Grossen Rat geschafft», erinnert sich der eine. Der andere spricht über die politische Gesinnung des Verblichenen, der einst gesagt haben soll: «Weiber in der Politik sind wie Löcher im Emmentaler – voller Luft und nichts drin ...»

Eine rührende Liebesgeschichte

Ort des Geschehens ist die Bühne des Kellertheaters in Bremgarten. Dort probt derzeit ein grosses Ensemble mit 25 Darstellerinnen und Darstellern sowie 15 Helferinnen und Helfern hinter der Bühne für die Eigeninszenierung 2019 in der 53. Spielzeit. «Liebeszeiten» heisst das Stück von Kurt Bösch, das von Regisseur Thomy Truttmann inszeniert wird. «Es handelt sich um eine rührende Liebesgeschichte, die sich im vergangenen Jahrhundert in einem Zeitraum von 1930 bis in die 1990er-Jahre ereignet», so der Regisseur. «Es ist eine Rückblende, eine grosse Reise in die Vergangenheit, wo es gesellschaftliche Zwänge und Gewissensbisse gab. Dabei wirkt das Bühnenbild so, wie die Breitleinwand in einem Kino.»

Dem Ensemble gehören einige Kinder und Jugendliche an, von denen viele ihre erste Bühnenerfahrung beim Jugendspielclub Infiziert oder bei der Jungen Bühne im Kellertheater sammeln konnten. Für ihn sei es wunderbar, mit Spielenden verschiedenen Alters zu proben, hielt Regisseur Truttmann bei einem Probenbesuch fest. «So lässt sich die Liebesgeschichte über einen grossen Zeitraum glaubhaft und bildlich darstellen. Dabei ist es für mich wie ein Privileg, einen Prozess zu gestalten, bei dem Jung und Alt ein grosses Ensemble bilden und auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten», erwähnte Truttmann, der darauf zählt, dass das Zusammenspiel mit dieser aussergewöhnlichen Mischung von Akteuren gelingt.

Uneheliche und Lehrerssohn

Fast ihr ganzes Leben lang haben sich die uneheliche Anna und der Lehrerssohn Jakob gekannt, allerdings für ihre heisse Liebe nie ein Zuhause gefunden. Die Story beginnt mit der Begegnung auf dem Schulhof um 1930 und führt durch die wirren (Kriegs-)Zeiten von 1938 bis 1944 zurück ins Heimatdorf. Weitere Stationen sind Ereignisse in jedem nachfolgenden Jahrzehnt, wie Klassenzusammenkunft, Wiedersehen oder Beerdigung. «Am Ende besucht Anna den kranken Jakob im Sanatorium. Sie halten gemeinsam Rückschau auf ihr Leben, beschwören längst vergangene Gefühle und lassen noch einmal ihre grosse Liebe spüren. Am Schluss gibt es ein Happy End», verriet Thomy Truttmann. Und das Liebesmotiv flammt in der gefühlvollen Begleitmusik von Sergej Simbirev auf dem Akkordeon immer wieder auf.

«Liebeszeiten» Premierenvorstellung ist am 23. Februar um 20.15 Uhr.