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Wenn der Metzger an der Haustür klingelt: Es ist die Zeit der neuen Hauslieferdienste

Wie Take-aways, Bäckereien, Metzgereien oder Dorfläden in Zeiten der Corona-Virus-Pandemie für ihre Kundschaft da sind.

Marc Ribolla
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Jeannine Kuhn vom Bistro Kuhn in Wohlen. Die Reussthal-Metzgerei mit Thomas Peterhans liefert nach Hause. Filialleiterin Stefanie Bryner in der Wohler Bäckerei Köchli.
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Jeannine Kuhn vom Bistro Kuhn in Wohlen. Die Reussthal-Metzgerei mit Thomas Peterhans liefert nach Hause. Filialleiterin Stefanie Bryner in der Wohler Bäckerei Köchli.
Jeannine Kuhn vom Bistro Kuhn in Wohlen. Die Reussthal-Metzgerei mit Thomas Peterhans liefert nach Hause. Filialleiterin Stefanie Bryner in der Wohler Bäckerei Köchli.

Jeannine Kuhn vom Bistro Kuhn in Wohlen. Die Reussthal-Metzgerei mit Thomas Peterhans liefert nach Hause. Filialleiterin Stefanie Bryner in der Wohler Bäckerei Köchli.

Bilder: Marc Ribolla

«Chönd Sie bitte na ihri Händ desinfiziere?», richtet Stefanie Bryner am Dienstagmittag mehrmals innert weniger Minuten ein mahnendes Wort an die eintretende Kundschaft. Sie ist Leiterin der Filiale Wohlen der Bäckerei-Konditorei Köchli. Draussen vor der Tür hängt ein Hinweiszettel, der darauf aufmerksam macht, dass man beim Betreten des Ladens zwingend die Hände desinfizieren soll. Zudem sind nie mehr als vier Kundinnen und Kunden gleichzeitig im Laden erlaubt. Zusätzlich tragen die Verkäuferinnen neu Handschuhe beim Bedienen.

«Diese Handschuhe sind zum Zweck, dass wir das Bargeld nicht mehr unnötig anfassen müssen», erklärt Bryner. Die Reaktionen auf die verschärften Gesundheitsmassnahmen seien durchmischt. Jeder vierte Kunde, schätzt sie, fände es unangebracht. Besonders den Hinweis aufs Händedesinfizieren. «Die Leute lesen oft den Zettel gar nicht genau durch», sagt Bryner.

Eine Warteschlange habe sich wegen des neuen Zutrittsregimes nur vereinzelt am Morgen gebildet. Um möglichst keine Wartezeit entstehen zu lassen, kümmerten sich drei Verkäuferinnen um die Kunden. Der Absatz an Brot habe zugenommen, besonders letzte Woche hätte es fast schon Hamsterkäufe gegeben, blickt die Filialleiterin zurück.

Das verordnete Distanzhalten habe das Verhältnis zur Kundschaft verändert. «Der Kontakt ist einerseits unpersönlicher geworden. Andererseits spüre ich, dass die Menschen gesprächiger geworden sind in letzter Zeit», sagt Bryner. Der Austausch mit den langjährigen Stammkunden sei menschlicher geworden. Bezüglich Sortiment versuche die Bäckerei-Konditorei Köchli den Normalbetrieb so gut wie möglich zu erhalten.

Hauslieferdienste von Metzg und Dorfladen

Weit entfernt vom Normalbetrieb ist das Bistro Kuhn in Wohlen. Inhaberin Jeannine Kuhn hat das Mobiliar in einer Ecke zusammengestellt, sitzen darf niemand mehr. Dennoch betreibt sie mit stark reduzierten Öffnungszeiten den Take-away-Bereich über die Mittagszeit weiter. «Wir bieten nach wie vor das komplette Sortiment an, inklusive Mittagessen am Dienstag und Mittwoch», sagt Kuhn. Statt in der Tasse oder auf dem Teller gibts den Kaffee oder die Älplermagronen halt im Pappbecher und in der Pappschale zum Mitnehmen. Natürlich dürfe man auch gerne den eigenen Kaffeebecher oder die Lunchbox mitbringen.

Noch am Montagabend nach dem Schliessungsentscheid des Bundesrates schrieb Kuhn zig E-Mails an die Kunden, um auf ihr Angebot hinzuweisen. «Viele haben geantwortet und zeigten sich solidarisch, was mich berührte», sagt sie. Mit dem ersten Tag unter den neuen beschränkten Voraussetzungen ist sie den Umständen entsprechend zufrieden.

Ganz normal geöffnet hat die Reussthal-Metzgerei von Thomas Peterhans in Niederwil. Er hat für seine Kunden jedoch einen neuen Hauslieferdienst im Angebot. Wer in den Ortschaften Niederwil, Nesselnbach, Tägerig, Mellingen, Stetten, Fischbach-Göslikon, Wohlen, Anglikon und Hägglingen wohnt, kann bestellen. Dreimal wöchentlich wird am Nachmittag ausgeliefert. Mit seiner Initiative möchte er vor allem der älteren Bevölkerung helfen.

«Alle unsere gewohnten Frisch-Produkte sind erhältlich und bestellbar. Für Hamsterkäufe gibt es deshalb keinen Grund», sagt Peterhans. Dass alle Restaurants nun geschlossen sind, spürt er in seinem Betrieb, wo er auch Mittagsmenüs zum Mitnehmen anbietet, direkt. «Allein bis um 11.30 Uhr verkauften wir schon doppelt so viele Menus wie üblich», resümiert Peterhans. Den Hauslieferdienst führt er sicher bis zum 19. April weiter. «Wenn es gut läuft, kann es sein, dass wir dies in Zukunft beibehalten», sagt er.

Auch andere Läden und Restaurants starten für ihre Kunden Aktionen. Beispielsweise bietet der Dorfladen Berglinde einen Hauslieferdienst für Buttwil an. Der Einkauf wird vom Dorfladen-Team direkt nach Hause gebracht und kann bei der Lieferung bar an der Haustüre bezahlt werden. Auch der Gasthof Löwen in Boswil offeriert Take-away und Lieferdienst.