Bremgarten/Wohlen
Weniger Wäsche wegen Homeoffice: Freiämter Textilreinigungen stecken in Schwierigkeiten

Die beiden Freiämter Textilreinigungen ROWO und Reuss AG leiden stark unter den indirekten Auswirkungen des Lockdowns.

Ilir Pinto
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Bernadette Achermann von der ROWO Textil in Wohlen beim Bügeln. Die anderen Bügelstationen sind zurzeit wegen des reduzierten Volumens nicht in Betrieb.

Bernadette Achermann von der ROWO Textil in Wohlen beim Bügeln. Die anderen Bügelstationen sind zurzeit wegen des reduzierten Volumens nicht in Betrieb.

Marc Ribolla

Sehr viele Menschen müssen derzeit wegen der Coronamassnahmen im Homeoffice arbeiten. Dort sind die Kleidervorschriften natürlich lockerer. Das Hemd oder die Bluse darf für den Videocall schon mal ungebügelt oder drei Tage am Stück getragen sein. Die Wäschereien und Textilpfleger bekommen dadurch viel weniger Aufträge als üblich. Hinzu kommt, dass auch Restaurants geschlossen haben und Hotels in einer Krise sind, die normalerweise ihre Wäsche in die lokalen Wäschereien bringen.

Da sie nicht vom Lockdown betroffen sind, gelten sie nicht als Härtefall. So auch die Textilpflege Reuss AG in Bremgarten und die ROWO Textil-Reinigungen, die drei Standorte im Freiamt in Wohlen, Muri und Berikon hat. Der Branchenverband Textilpflege Schweiz (VTS) hat am 11. Januar einen offenen Brief an den Bundesrat veröffentlicht. Er verweist auf die Krise der Branche und fordert mehr Unterstützung vom Bund.

Daniel Schaerer ist einer der VTS-Vorstände, die den Brief unterzeichnet haben. Er leitet die Textilpflege Reuss AG in Bremgarten. Er erzählt: «Event- und Gastrofirmen fallen weg. Zudem gibt es kaum Aufträge von Hotels oder Restaurants. Und die Menschen sind viel mehr zu Hause. Sport-, Arbeits- und Businesskleidung gibt es daher viel weniger. Wir sind also auch von den Massnahmen betroffen, aber indirekt.»

Öffnungszeiten reduziert und Personal entlassen

Was bedeutet dies für die Textilpflege Reuss AG? Schaerer: «Ich kann nicht abschliessend sagen, ob wir als Härtefall gelten. Ich habe Mitarbeiter in Kurzarbeit und die Öffnungszeiten gekürzt. Wir verzeichnen einen Umsatzrückgang von über 40 Prozent. Wir können uns noch auf Aufträge von Gewerbe, Gemeinden und Altersheimen verlassen. Wir wurden hart getroffen, aber unser Geschäft wird sicher überleben.»

Für die ROWO Textil-Reinigungen aus Wohlen sieht es weniger gut aus. Markus Achermann, Geschäftsinhaber, sagt: «Wir haben seit dem März letzten Jahres weniger Kunden. Aufgrund des erneuten Lockdowns werden unsere Kunden weniger Wäsche haben und diese zu Hause erledigen. Daher befürchten wir, dass wir bald noch weniger Aufträge haben. Für uns kann es so nicht weitergehen. Wir mussten bereits zwei Mitarbeitern kündigen, weitere sind in Kurzarbeit. Und wir haben unsere Öffnungszeiten kürzen müssen.» Seine Firma sei nur auf Privatkunden spezialisiert und habe beispielsweise keine Wäsche von Altersheimen. «Wir verzeichnen 85 Prozent weniger Umsatz», sagt Achermann.

Üblicherweise werden rund 5000 Hemden monatlich bei der ROWO in Wohlen aufbereitet, nun ist es ein Bruchteil. Sowohl Schaerer als auch Achermann hoffen beide, dass der Bund finanzielle Hilfe in Aussicht stellt.

Verband bittet Bundesrat um Unterstützung

Melanie Saner, Geschäftsführerin des Branchenverbands, meint diesbezüglich zur AZ: «Der Branche wurde mittels Kurzarbeitsentschädigungen und weiteren Massnahmen geholfen. Aber es reicht noch nicht. Wenn jetzt nicht reagiert wird, kann es schnell zu spät sein. Denn es gab bereits viele Konkurse und Entlassungen.» Rund 7000 Personen sind schweizweit in der Textilpflegebranche beschäftigt.

Die VTS schreibt im offenen Brief: «Wäschereien und Textilreinigungen sind für eine funktionierende Wirtschaft versorgungsrelevant und leisten wichtige Arbeit in der Bekämpfung der Pandemie.» Viele Mitglieder würden Wäsche aus dem Gesundheitswesen aufbereiten. Saner erklärt in einem anschaulichen Vergleich: «Stellen Sie sich einen Arzt ohne sauberen Kittel oder ein Spitalbett ohne frisch gewaschene Wäsche vor.»