Bremgarten

Weniger ist mehr – das gilt auch für dieses Sanierungsprojekt

Seit fast zehn Jahren geht Bremgarten mit der Idee schwanger. Nun ist das Sanierungsprojekt Oberer Zoll und Zeughaus reif für die Ortsbürgergemeindeversammlung vom 5. Juni.

Auch eine schöne, alte Stadt, die quasi als Gesamtes unter Denkmalschutz steht, geht von Zeit zu Zeit gerne mit der Zeit. Bremgarten gehört zwar zum Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) und erlangt dadurch als historische Kleinstadt gar nationale Bedeutung, aber dennoch sollten behindertenungerechte Bauten nun langsam Geschichte sein.

Umso mehr, wenn es sich um öffentlich zugängliche Bauten handelt, wie den Oberen Zoll und das Zeughaus, in denen eine Massagepraxis, das Betreibungsamt und die Bibliothek untergebracht sind. Die Stadt hat vom neutralen, weil auswärtigen Architekturbüro :mlzd in Biel eine Gesamtbetrachtung in Bezug auf die Sanierung der beiden Gebäude erstellen lassen. Anschliessend wurden vier Architekturbüros eingeladen, Projekte zur Sanierung einzureichen.

Vorgegeben waren dabei nur drei Ziele: Die Bauten sollten barrierefrei sein, ein Foyer für den Zeughaussaal, das diesen Namen auch verdient, musste eingeplant sein und das alte Heizsystem, die Elektroinstallationen und die Sanitäranlagen sollten durch neue Systeme ersetzt werden. Nicht vorgegeben waren den Wettbewerbsteilnehmern die Flächen.

«So konnte die Jury nachher verschiedene Studien unter verschiedenen Blickwinkeln miteinander vergleichen», erklärt Marcel Weber, Leiter der Bauverwaltung Bremgarten das Vorgehen. Drei von den vier Büros haben ihre Vorstellungen der sanierten Gebäude einer Jury, bestehend aus Vertretern der Ortsbürgerfinanzkommission, des Stadtrates, der Bauverwaltung und der Nutzer, zur Prüfung eingereicht.

Der Sieger heisst «Less is More»

Von allen Projekten war das des Bremgarter Büros Schaufelbühl Architekten GmbH das überzeugendste. Es läuft unter dem Namen «Less is More», was man ebenso gut hätte deutsch benamsen können mit «weniger ist mehr». Der Name, so oder so, scheint zu halten, was er verspricht. Im Gegensatz zu den Mitkonkurrenten budgetiert der Sieger sein Projekt auf 2,3 Millionen Franken.

Die Projekte «Metamorphose» und «Drei Könige» von den Büros Peter F. Oswald (Bremgarten) und :mlzd (Biel) hätten mit 2,9 respektive 3,2 Millionen zu Buche geschlagen. «Ausserdem ist das Preis-Miet-Verhältnis beim Siegerprojekt auch das beste», ergänzt Stadtammann Raymond Tellenbach. «Wir bekommen hier eine dezente und saubere Lösung, die alle unsere Bedürfnisse voll abdeckt.»

Gut geplante, warme Räume

Der sanierte Obere Zoll wird neu durch den Haupteingang zwischen den beiden Häusern und hindernisfrei betreten. Im Erdgeschoss befindet sich der geräumige Eingang zum grossen Foyer (75 m2), zum Lift und ins Zeughaus. Daneben gibt es ein Tischlager und den schon bestehenden Praxis- oder Büroraum.

Im ersten und zweiten Obergeschoss, inklusive Dachgeschoss, werden wieder Büroräume entstehen, wo weiterhin das Betreibungsamt, aber auch andere Firmen sich einmieten können. Im zweiten Dachgeschoss bleibt die Mietwohnung. Über eine verglaste und mit Holzlamellen versehene Metallverbindung gelangt man vom 1. Stock des Oberen Zoll hinüber in die Bibliothek über dem Zeughaus.

Von da führt, in vorläufiger Planung, ein Treppenlift ins Obergeschoss. Die Dachdämmung wird erneuert und besser isolierende Fenster eingesetzt. Der Blindanschluss an den Wärmeverbund ist seit Jahren gelegt und muss nur noch angeschlossen werden – wenn die Ortsbürger am 5. Juni Ja sagen zum Projekt.

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