Waltenschwil

Weltneuheit verunsicherte Bewohner – neue Recycling-Anlage soll weder Lärm noch Gestank verursachen

Mit einer mobilen Recyclinganlage hat die Eco-Carbon AG im Sommer einen Test durchgeführt und Erkenntnisse gesammelt. Bild: zvg

Mit einer mobilen Recyclinganlage hat die Eco-Carbon AG im Sommer einen Test durchgeführt und Erkenntnisse gesammelt. Bild: zvg

Auf dem Areal der Wiederkehr Recycling AG wurde die Bevölkerung über die neue Recyclinganlage informiert. Sie soll Ende 2020 in Betrieb gehen.

Tausende von Lastwagen verlassen im Jahr das Gelände des grössten Schrottplatzes der Schweiz in Waltenschwil – das Areal der Wiederkehr Recycling AG. Geladen haben viele der Laster Schredder-Leicht-Fraktionen, kleine Stücke, die beim rezyklieren von Autos im Luftfilter hängenbleiben. 20 000 Tonnen dieses Abfallprodukts transportiert die Wiederkehr AG im Jahr in Kehrichtverbrennungsanlagen, um sie zu verbrennen. Doch schon bald benötigt die Firma weit weniger solche Transporte.

Der Grund ist eine Weltneuheit – eine bislang einzigartige Thermische Recyclinganlage, die bis Ende 2020 auf dem Gelände entstehen soll (die AZ berichtete). Mit dieser lassen sich aus den Schredder-Leicht-Fraktionen weitere Metalle in den Stoffkreislauf für neue Produkte zurückgewinnen. Sprich: Was bislang in Kehrrichtverbrennungsanlagen verbrannt und auf Deponien entsorgt werden muss, kann wieder nutzbar gemacht werden. Ausserdem kann mit der Abwärme der Anlage Strom produziert werden, der vor Ort genutzt werden kann. «Wir tragen somit unseren Anteil zur Energiestrategie 2050 schon jetzt bei», sagt Viktor Haefeli, der Geschäftsführer der Eco-Carbon AG, die hinter der Weltneuheit steht und eine Tochterfirma der Wiederkehr Recycling AG ist.

Anlage soll weder Lärm noch Gestank verursachen

Was super klingt, hat in der Waltenschwiler Bevölkerung jedoch auch Ängste ausgelöst, wie sich an der öffentlichen Informationsveranstaltung bemerkbar machte. Vor allem bei jenen Waltenschwiler, die in der Nähe des Firmenareals wohnen. Ihre Befürchtung: Sie müssen zukünftig noch mehr Lärm und Gestank ertragen als bislang. «Wir sind alle ein wenig Wiederkehr-Recycling-AG- geschädigt», so einer der Anwesenden. Viktor Haefeli beruhigte die besorgten Waltenschwiler. Beim Recyclingprozess entstehe weder Gestank noch Lärm, wie auch der Test einer mobilen Anlage im Sommer 2018 gezeigt hätte. Auch sonst waren die Ergebnisse des Tests sehr erfolgreich, wie Haefeli weiter ausführte: «Die Lufteinhalteverordnung bezüglich Abgase konnte massiv unterschritten werden.» Die fixe Anlage, die 2020 auf dem Areal entsteht, soll zudem noch besser sein als die getestete mobile Recyclinganlage.

Auch weitere Ängste kamen zur Sprache, etwa dass Giftstoffe in die Luft austreten könnten, welche der Gesundheit schaden. Auch hier konnten die Verantwortlichen die Anwesenden beruhigen. Sie verwiesen etwa auf die strengen Vorschriften, die zeitnahen Kontrollen und das redundante Filtersystem. Haefeli betonte im Verlauf der Veranstaltung mehrmals, dass man mit der Anlage etwas Gutes tue.

210 000 Fahrkilometer werden eingespart

Neben den Produkten, die zusätzlich wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden, verwies er auf die Unmengen an CO2, die zukünftig eingespart werden können. In erster Linie wegen den 210 000 Lastwagenkilometer, die gemäss dem Geschäftsführer pro Jahr eingespart werden. «Wir reden von bis zu 28 000 CO2-Reduktion jährlich», sagte Viktor Haefeli. «Mit diesem Ausstoss könnte man in einem modernen Auto zirka 5000 Mal um die Erde fahren.» Für die Waltenschwiler haben die abnehmenden Lastwagentransporte einen weiteren Vorteil: weniger Lärm. Zudem entstehen dank dem Projekt in der Gemeinde zwölf zusätzliche Arbeitsplätze.

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Autor

Fabio Vonarburg

Fabio Vonarburg

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