«Dieser Frau sollte inskünftig jegliche Tierhaltung verboten werden», sagten die beiden Vertreterinnen des Aargauischen Tierschutzvereins in der Verhandlungspause vor dem Bezirksgericht Bremgarten.

Das Urteil gegen eine der versuchten Tierquälerei beschuldigte Frau – 43-jährig, Mutter von vier Kindern – war zu diesem Zeitpunkt noch nicht gefällt.

Wenige Minuten später wurde es von Gerichtspräsidentin Isabelle Wipf eröffnet. Sie erachtete es als erwiesen, dass die Frau im März dieses Jahres den wenige Wochen alten Hundewelpen Diego im Niederwiler Wald ausgesetzt hatte. Diego war vom örtlichen Jagdaufseher gefunden worden, gefangen in einem hohlen Baumstrunk.

Tierquälerin von Welpe Diego vor Gericht

Tierquälerin von Welpe Diego vor Gericht

Nur dank Glück überlebt. Seine damalige Besitzerin soll ihn in Niederwil in einem Baumstrunk ausgesetzt haben. Dafür muss sie sich verantworten.

Wipf verurteilte die Frau zu einer Geldstrafe von 300 Tagessätzen à 40 Franken, bedingt erlassen mit einer Probezeit von drei Jahren. Weiter muss sie eine Busse von 2000 Franken bezahlen und die Verfahrenskosten übernehmen.

Diego lebt heute glücklich bei einer anderen Familie. Ihre drei Katzen hat die Frau aber noch. Die Gerichtspräsidentin gab der Hoffnung Ausdruck, dass sie sich nie mehr einen Hund anschaffe.

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«Diego ist davongelaufen»

Die Angeklagte hatte stets bestritten, das Hündchen im Wald ausgesetzt zu haben: «Er ist abgehauen und wir haben ihn trotz intensiver Suche nicht gefunden», hatte sie bei der Polizei ausgesagt und war vor Gericht bei dieser Version geblieben.

Der als Zeuge geladene Jagdaufseher – selber ein erfahrener Hundehalter – konnte sich nicht vorstellen, dass das kleine Tier von allein in den Baumstrunk gelangt war: «Der Baumstrunk ist etwa 80 Zentimer hoch, ein so kleines Tier kann dort nicht selber hineinspringen.»

Dieser Meinung wurde von der Angeklagten geteilt. Zumal in der Untersuchung bekannt geworden war, dass Diego zu Hause nur mit menschlicher Unterstützung auf die Couch im Wohnzimmer hatte gelangen können. Und die ist nur rund 40 Zentimeter hoch.

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«Aber der Hund war im Baumstrunk. Er muss von jemandem dort hinein gesteckt worden sein». Die Gerichtspräsidentin fragte hartnäckig nach. Die Angeklagte blieb bei ihrer Version.

Es sei absolut möglich, dass eine Drittperson das entlaufene Tier gefunden und in den Baumstrunk gesteckt habe, erklärte sie und gab zu verstehen, dass sie auch Vermutungen hege, wer diese Drittperson gewesen sein könnte.

Immerhin seien Belege dafür vorhanden, dass sie zu jener Zeit massiv bedroht und gestalkt worden sei. Sie habe diesbezüglich Anzeige erstattet, das Verfahren sei am Laufen.

Widerspruch um Widerspruch

Schon im Untersuchungsverfahren hatte die Frau bei den Einvernahmen verschiedentlich andere Varianten des Geschehens aufgetischt. Auch vor Gericht, wo sie ohne Verteidiger erschienen war, verstrickte sie sich in Widersprüche und versuchte, sich mit zum Teil ziemlich abstrus tönenden Erklärungen zu rechtfertigen.

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Isabelle Wipf wollte von der Angeklagten insbesondere wissen, warum sie nicht intensiver nach dem angeblich entlaufenen Diego gesucht habe, etwa mit einem Aufruf in den Sozialen Medien oder Flyern im Dorf. Und, warum sie sich nicht sofort gemeldet habe, als die Geschichte vom aufgefundenen Hundewelpen in Newsportalen die Runde machte. Sie hätte sich, sagte die Frau, vor der Reaktion der Medien gefürchtet und ihre Kinder vor dem zu erwartenden Rummel schützen wollen.

Die Gerichtspräsidentin konnte zwar nachvollziehen, dass sich die gesundheitlich stark angeschlagene Frau damals auch wegen zwischenmenschlicher Probleme in einer schwierigen Lebenssituation befunden habe, wie sie in der Verhandlung mehrmals betont hatte. Aber was Diego betraf, glaubte sie ihr nicht: «Ihre Version der Geschichte ist absolut unglaubwürdig. Sie haben sich mehrmals widersprochen und immer nur das zugegeben, was man ihnen beweisen konnte.»

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