Der Gemeinnützige Ortsverein Wohlen (GOV) lässt eine alte Tradition wieder aufleben: Im Rebebänkli pflanzen die Hobbywinzer Hannes Bigler vom Sonnezyt-Hof und Stefan Weber im Mai mit Gleichgesinnten hundert Rebstöcke der pilzresistenten, leicht fruchtig schmeckenden Weissweinsorte Souvignier gris an. Damit entsteht nach langer Zeit in Wohlen wieder ein Rebberg. Private und Firmen können das Vorhaben des GOV mit ihrer Patenschaft unterstützen. Mit einem einmaligen Beitrag von 200 Franken erhalten sie zwei Flaschen Wein aus den ersten Jahrgängen und das Anrecht, auf der Informationstafel im Rebberg erwähnt zu werden.

Gemeinde unterstützt Vorhaben

Seit Wochen ist GOV-Präsident Peter («Pitsch») Isler daran, Paten für den Rebberg zu gewinnen – mit Erfolg, wie er sagt. Im Vorfeld zur 125-Jahr-Feier des GOV im Jahr 2016 erinnerten sich die Verantwortlichen daran, dass der Verein seit bald 120 Jahren im Rebebänkli ein kleines Stück Land besitzt. Mit der Erschliessung des Rebberggebietes konnten sie weitere 99 m dazukaufen, sodass das Landstück jetzt total 269 m umfasst. Die Kommission für Natur- und Landwirtschaft der Gemeinde Wohlen griff die Idee dankbar auf und unterstützte diese als ökologisches Ausgleichsprojekt.

Die Projektkosten betragen 25 000 Franken. Davon soll die Hälfte durch die Patenschaften gedeckt werden. Die Gemeinde trägt 22 000 Franken an das Vorhaben bei. Die Trockenmauern und Hecken kosten weitere 50 000 Franken. Die in Handarbeit erstellten Mauern und die Terraingestaltung führte der Naturgartengestalter Franz Weber (Wohlen/Bünzen) aus. Für die Mauern setzte Weber die Mägenwiler Muschelkalksteine ein, die bei der Sanierung der Wohler Bünzbrücken herausgebrochen worden waren. Einige Lehrlinge der Firma Otto Notter AG (Wohlen) halfen in der Projektwoche beim Bau der Mauern mit.

Für die Pflege der hundert Rebstöcke, die ab dem vierten Jahr etwa 100 Liter Weisswein ergeben sollen, haben sich der Elektroingenieur Hannes Bigler (33) und der Konstruktionsschlosser Stefan Weber (56) zur Verfügung gestellt. Die beiden sind seit zehn Jahren Freizeitwinzer. Kürzlich schlossen sie ihre Weiterausbildung mit einem Rebbaukurs bei Fredi Strasser in Oberstammheim ab. Strasser gilt als Pionier des Biolandbaus und des Bioweinbaus. Die Firma Weinbau Hartmann in Remigen bei Brugg wird den Rebberg fachlich begleiten und die Weintrauben keltern.

Weinbau von 1625 bis 1910

Von 1625 bis 1910 haben die Wohler Bauern Weinbau betrieben. Die Reblaus setzte ihm schliesslich ein Ende. Privat pflegte der 1950 verstorbene Drogist Richard Huber auf Pachtland von August Webers Söhnen an der Rebbergstrasse bis zu seinem Tod weiterhin seinen Rebberg. Seinen Rotwein liess Huber im Restaurant Weber degustieren. Unter den Gästen, die den Wein probieren durften, befand sich auch der damalige Gemeindeammann und Redaktor Walter Meyer, berichtet Richard Hubers Sohn Walter Huber. Auch diesen kleinen Rebberg gibt es aber längst nicht mehr.

Ein unbekannter Wohler Bürger baute 1630 auf seinem Land die erste Trotte im Dorf. Diese stellte er gegen Entgelt zum Keltern zur Verfügung. 1701 kam die Trotte in das Eigentum des Klosters Muri. 1788 benützten sie 81 Wohler Bauern und Tauner (Taglöhner). Für das Kloster Muri war die Trotte als Bezügerin des Zehnten wichtig. So hatte das Kloster die Kontrolle über die gesamte Weinproduktion. Um die Trotte gab es schliesslich Rechtsstreitigkeiten, in die auch Jakob Leonti Wohler verwickelt war. Nachdem der Rebbau eingestellt worden war, musste auch die Trotte am Trottenweg (Hausnummer 6) weichen. Sie wurde 1923 abgebrochen.

Projektvorstellung: Heute Donnerstag, 27. April, findet um 17 Uhr im Hotel Sternen die Mitgliederversammlung des Gemeinnützigen Ortsvereins Wohlen statt. An der Versammlung wird auch über das Rebberg-Projekt informiert.