Auf der Suche nach dem schönsten Geschenk wird das Portemonnaie aus der Tasche gestohlen. Nach zwei oder drei Glühweinen zu viel artet der Streit mit der Schwiegermutter aus. Zurück von der besinnlichen Weihnachtsfeier findet man die Wohnung leergeräumt auf. Es gibt einige Szenarien, in denen die Weihnachtszeit alles andere als besinnlich erscheint: Bedeutet die Weihnachtszeit für die Regionalpolizei nur Stress und Ärger? Welche Massnahmen setzt sie ein, damit es nicht so weit kommt?

Wie Manfred Tschannen, Chef der Repol Bremgarten, erklärt, werde beispielsweise in Einkaufscentern und -passagen die Präsenz der Repol erhöht: «Es ist einfach für einen Dieb, in der Menschenmenge Wertsachen zu entwenden.» Am Weihnachtsmarkt im Reussstädtchen sei es aber zu keinen Diebstählen gekommen, was laut Tschannen an der Anwesenheit der Beamten lag. «Während der Festtage erhöhen wir zudem die Frequenzen unserer Streifenfahrten.»

Für Renato Orsi ist es das erste Weihnachten als Leiter der Regionalpolizei Muri. Er hofft auf ruhige Festtage: «Die Repol führt Lagebeurteilungen durch, in denen besprochen wird, ob mehr Polizisten auf Streife gehen oder nicht. Bis jetzt können wir aber von besinnlichen Feiertagen ausgehen.» Im Jahr 2015 war dies nicht der Fall. Am 24. und 25. Dezember musste die Kantonspolizei Aargau über 30-mal ausrücken, 15-mal wegen Einbrüchen und
17-mal wegen häuslicher Gewalt. Oft ging es um tätliche Auseinandersetzungen oder verbale Streitigkeiten. «Zwischenfälle innerhalb der Familien sind während der Festtage keine Seltenheit», sagt Tschannen. «An Weihnachten verbringt man mehr Zeit zusammen als sonst. Häusliche Gewalt ist aber auch an den anderen Tagen im Jahr ein ernst zu nehmendes
Thema.»

Matthias Schatzmann, stellvertretender Leiter der Regionalpolizei Wohlen, vertritt eine ähnliche Meinung: «Das eine Jahr ist es über Weihnachten ruhig, das nächste Jahr dann nicht mehr. Wir können nicht feststellen, dass wir während der Feiertage zu wesentlich mehr Einsätzen bezüglich häuslicher Gewalt gerufen werden.»

Ein bisschen Weihnachtsdeko

Und wie ist es für die Beamten, die an Heiligabend Schicht schieben müssen? In Muri, Wohlen und Bremgarten haben die Dienststellen gute Lösungen gefunden. Die, die keine Familie haben, arbeiten gern freiwillig und entlasten ihre Kollegen. Und sollte die Planung einmal nicht wie gewünscht aufgehen, akzeptiert jeder Polizist die Weihnachtsschicht: «Es ist nun mal ein Teil des Berufes», sagt Matthias Schatzmann. In Muri hat man sogar etwas weihnachtliche Stimmung in den Polizeiposten gebracht: «Meine Sekretärin hat ein kleines Gesteck aufgestellt. Aber vielleicht wäre mehr Weihnachtsdekoration keine schlechte Idee, danke für den Input», sagt Renato Orsi lachend.