Festtage
Weihnachten im Wald? Förster befürchten zu viele Besucher

Der Bundesrat empfiehlt, Weihnachten im Wald zu feiern – die AZ fragt WaldAargau, was das für sie bedeutet.

Ilir Pinto
Drucken
Teilen
Wird beim Erdmannlistein auch Weihnachten gefeiert?

Wird beim Erdmannlistein auch Weihnachten gefeiert?

Ilir Pinto

In den vergangenen Tagen verbrachten im Aargau deutlich mehr Menschen ihre Freizeit in den Wäldern. Zu beobachten war dies am vergangenen Wochenende beispielsweise beim Erdmannlistein, einem beliebten Ausflugsplatz im Wald zwischen Wohlen und Bremgarten. Grund dafür sind die verschärften Einschränkungen aufgrund der Coronapandemie in der ganzen Schweiz. Dazu kommt, dass der Bundesrat empfiehlt, man solle Weihnachten im Wald verbringen. Dies, weil die Ansteckungsgefahr gemäss Bundesamt für Gesundheit (BAG) im Freien deutlich tiefer sei als in Innenräumen. Waldbesitzer sehen das jedoch nicht ganz gleich.

Mehr Menschen an den Hotspots in den Wäldern

Der Verband der Waldeigentümer (Wald Schweiz) empfiehlt, nach Einbruch der Dunkelheit möglichst nicht in den Wald zu gehen. Der Grund: Wildlebende Tiere könnten sich gestört fühlen. Theo Kern, Geschäftsführer des Waldeigentümerverbands WaldAargau, sieht hingegen kein Problem darin, dass Leute auch abends in den Wald gehen, solange sie sich an gewisse Regeln halten (siehe Box am Ende). Er erklärt: «Ein erhöhtes Aufkommen von Besuchern an Hotspots, wie der Erdmannlistein einer ist, wird bereits seit dem ersten Lockdown im Frühling registriert. Wir haben bis jetzt nicht mehr Littering und Beschädigungen des Waldes verzeichnet als sonst. Dies bedeutet nicht, dass es nicht vorkommt. Im Moment ist aber ein Eingreifen weder geplant noch nötig.»

Marcel Murri, stellvertretender Abteilungsleiter Wald des Kantons, sagt: «Zurzeit stellen auch wir ein erhöhtes Vorkommen von Waldbesuchern fest. Doch der Wald leidet noch nicht darunter. Aargauerinnen und Aargauer verhalten sich normalerweise vernünftig und sind eher ruhig. Das ist gut so, weil Tiere in der Winterzeit sowieso mehr Mühe bei der Nahrungssuche haben und Lärm störend auf sie wirkt. Deshalb hoffen wir, dass die Menschen Rücksicht auf sie nehmen. Mein grosses Anliegen ist, dass die Leute weiterhin Freude am Wald haben sollen und dürfen, ihm aber Sorge tragen.»

2020 verunglückten mehr Rehe als 2019

Armin Künzli, Jagdaufseher Niederwil, hat dazu Beobachtungen gemacht: «Durch Corona wird die Bejagung wesentlich schwieriger. Vor allem Hunde, die nicht an der Leine geführt werden, machen das Wild ängstlicher. Es flüchtet und endet im schlimmsten Fall unter Autorädern.» Die Anzahl auf Strassen verunglückter Rehe sei deutlich gestiegen. Auf ein anderes Problem verweist Leonz Küng, Revierförster vom Forstbetrieb Wagenrain in Bremgarten: «Einige Biker fahren kreuz und quer durch den Wald. Dadurch schrecken sie Wild auf. Die Besucher, die nur spazieren, picknicken oder joggen, sind in der Regel kein Problem.» Er versteht, dass die Leute Abwechslung im Wald suchen: «Man kann ja nicht den ganzen Tag im Haus sitzen.»

Bedenkenlos nachts in den Wald kann man in Sins

Es gibt auch Waldwege, die eigens zum nächtlichen Spaziergang einladen. So zum Beispiel der Sinser Lichterweg. Er wird noch bis zum 27. Dezember jeden Abend zwischen 17 und 20.30 Uhr von Laternen beleuchtet. Die Strecke beginnt am Kirchweg 24 und geht durch den Bohlwald bis zur Pfarrkirche Sins, die eigens für diesen Anlass bis um 21 Uhr offen bleibt.

Drei Regeln für Weihnachten im Wald

Theo Kern, Geschäftsführer des Waldeigentümerverbands WaldAargau, stellt für Waldbesuche drei Verhaltensregeln auf: «Bewegen Sie sich auf den Waldstrassen und -wegen,
nutzen Sie die offiziellen Feuerstellen und Plätze und nehmen Sie Rücksicht auf die wild lebenden Tiere im Wald.» So steht einer gemütlichen Waldweihnacht nichts im Weg. (ilp)