Freiamt
Weichen für den öV stellen: «Wir müssen dem Regierungsrat sagen, was wir wollen»

Die Gemeindeammänner des Bezirks Muri sind aufgefordert, sich für den öffentlichen Verkehr einzusetzen. Dabei geht es um grundsätzliche Überlegungen.

Eddy Schambron
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Bahnhof Mühlau, 200 Personen Frequenz pro Tag: Die Region muss definieren, welches Angebot der öffentliche Verkehr bringen soll.

Bahnhof Mühlau, 200 Personen Frequenz pro Tag: Die Region muss definieren, welches Angebot der öffentliche Verkehr bringen soll.

Eddy Schambron

Signal geben, damit die Zugkomposition fährt, wann und wo man sie braucht: Wenn sich das obere Freiamt nicht für seinen öffentlichen Verkehr einsetzt, «werden wir in Zukunft weniger haben», fasste Hampi Budmiger, Gemeindepräsident von Muri und Obmann der Gemeindeammännervereinigung des Bezirks Muri, die Situation zusammen.

An der Frühjahrstagung wurde von der Kommission öffentlicher Verkehr des Regionalplanungsverbandes und von Politikern der Wunsch an die Gemeindeammänner formuliert, sich konkret zu äussern und sich einzusetzen. «Wir müssen dem Regierungsrat sagen, was wir wollen, sonst plant er einfach etwas», unterstrich auch CVP-Grossrat Herbert Strebel.

Öffentlicher Verkehr ist ein kompliziertes Thema. Fredy Zobrist von der Kommission öV Freiamt spricht von Güterzügen, die den Personenverkehr durch das Freiamt einschränken könnten, vom Flaschenhals Heitersberg, von immer noch nicht vorhandenen direkten Anschlüssen an Städte, von Wartezeiten und von Ausbauplänen weiter weg, die aber Einfluss auf die Region Freiamt haben oder haben können. Bis 2040 wird ein Mehrverkehr von 40 Prozent erwartet. Es sind Investitionen ins Bahnnetz und in die Infrastruktur von sieben bis elf Milliarden Franken bis 2035 geplant.

Klar wird bei Zobrists Ausführungen, dass heute beeinflusst werden muss oder entschieden wird, was erst 2025/35 Realität sein wird. «Die wichtigen Entscheide fallen jetzt, wenn Beschlüsse vom Parlament gefasst sind, ist es zu spät.» Die Wichtigkeit einer guten Versorgung mit dem öffentlichen Verkehr steht ausser Frage. «Im Bezirk Muri leben 35'000 Menschen und die Region wächst überdurchschnittlich.»

Grundsatzentscheid nötig

Es geht um grundsätzliche Überlegungen. Die Kommission öV Freiamt hat von der Regierung den Auftrag erhalten, für den Ausbauschritt 2030 einen wegweisenden Grundsatzentscheid zu fällen, machte Reto Widmer vor den Gemeindeammännern deutlich: «Wollen wir für die nächsten Generationen ein System beziehungsweise ein Bahnangebot im Freiamt mit ausschliesslich Regionalzügen, auch für die grossen Zentren wie Wohlen oder Muri, oder wollen wir ein übergelagertes System mit einer soliden, unhinkenden (ohne ungleiche Abstände zwischen den aufeinanderfolgenden Zügen) S-Bahn im Halbstundentakt für alle Stationen und eine Fernverkehr-Erschliessung der Hauptzentren.»

Die Kommission hat sich auch Gedanken zu möglichen Alternativen gemacht. Als Ziele werden dabei etwa die Integration des Freiamtes ins Fernverkehrsnetz und die direkte Verbindung mit allen Landesteilen formuliert. Die kleinen Halteorte und die Zentren sollen solid, angemessen und sinnvoll bedient werden. Auch in dieser Richtung ergibt sich die Notwendigkeit von grundsätzlichen Überlegungen: «Es gibt selten eine Linie wie die durch das Freiamt, die so stark unterschiedliche Frequenzen bei den Bahnhöfen aufweist.» Die Tagesfrequenzen variieren zwischen Wohlen mit 6600 Personen, Muri mit 2500 und Mühlau oder Benzenschwil mit nur rund 200 Personen.

Klare Wünsche

Die Kommission erhofft sich nun eine Stellungnahme der Gemeindeammänner und hat auch klare Wünsche. «Nach Vorliegen der Botschaft müssen die Begehren des Freiamts für die S42 (Muri–Wohlen–Zürich) bei Kanton und Bund vorgebracht werden.» Ausserdem sollen sie sich für eine direkte Weiterfahrt der S26 (Aarau, Wohlen–Rotkreuz) in Lenzburg starkmachen.
Pius Wiss, Präsident des Regionalplanungsverbandes oberes Freiamt, wäre auch froh, die politische Stossrichtung zu spüren. Die Repla befasst sich schon lange mit der Entwicklung und Steuerung des öffentlichen Verkehrs. «Wir müssen sicher auch die ganzen Busverbindungen anschauen und eine Gesamtvorstellung entwickeln.»

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