Villmergen

Wegen «unakzeptablen Vorkommnissen»: Bricht Gemeinde mit Kindes- und Erwachsenenschutzdienst?

Zu Beginn der Gmeind werden Bilder vom Abriss Oschen/Rössli in einer Diashow gezeigt.

Zu Beginn der Gmeind werden Bilder vom Abriss Oschen/Rössli in einer Diashow gezeigt.

Die Gemeinde Villmergen will aus Kindes- und Erwachsenenschutzdienst austreten. Ausserdem sind an der Gmeind am Freitag 3,7 Mio. Franken für die Sanierung der Wasserleitungen traktandiert.

So geht es nicht mehr weiter, sagt die Gemeinde Villmergen. Ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen ihr und dem Gemeindeverband Kindes- und Erwachsenenschutzdienst Bezirk Bremgarten (KESD) ist nicht mehr möglich. «Zu Beginn war die Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde Villmergen und dem KESD den Erwartungen entsprechend», heisst es im Büchlein zur Gemeindeversammlung vom kommenden Freitag. Doch im Herbst 2018 kam es zur für die Vertragsgemeinden überraschenden Entlassung und sofortigen Freistellung des damaligen KESD-Geschäftsführers, «ausgelöst durch interne Querelen».

Dies führte zum ersten Bruch zwischen der Gemeinde und dem KESD. Insbesondere habe Villmergen die Transparenz gefehlt. Zusammen mit Rechtsstreitigkeiten zwischen dem abgesetzten Heimleiter und dem KESD sowie «weiteren unakzeptablen Vorkommnissen» hatte dies zur Folge, dass der Gemeinderat den Austritt aus dem KESD beschloss.

Gemeinderat findet, Positives überwiegt

Weil gleichzeitig die Räume der Regionalpolizei im Gemeindehaus Villmergen frei werden, legt der Gemeinderat nun der Gemeindeversammlung das Austrittsschreiben vor. Nach einer zweijährigen Kündigungsfrist würde Villmergen somit per 31. Dezember 2022 aus dem KESD austreten und einen eigenen Kindes- und Erwachsenenschutzdienst schaffen. Dies ergebe für die Gemeinde «einen unabhängigen Fachbereich für sämtliche Belange im Kindes- und Erwachsenenschutzrecht (Zivilrecht)», schreibt der Gemeinderat. «Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Gemeinde Villmergen mit selbst rekrutiertem Personal für hohe fachliche Qualität besorgt sein kann.» Und dass die Fachbereiche «Sozialdienst» sowie «Kindes- und Erwachsenenschutzdienst» nachher im selben Gebäude untergebracht wären, steigere die Effizienz.

Für Umbau und Einrichtung würden einmalig Kosten von gut 60000 Franken entstehen. Danach wären es jährlich gut 410000 Franken an Lohnkosten. Zum Vergleich: Für 2021 hat der KESD Kosten von rund 389000 Franken für die Gemeinde Villmergen budgetiert. Der Gemeinderat Villmergen «ist davon überzeugt, dass die überwiegenden Vorteile den Nachteil von einmaligen Zusatzkosten und allenfalls geringen wiederkehrenden Mehrkosten rechtfertigen».

Mehr Einwohner brauchen auch mehr Wasser

Um einiges teurer, dafür weniger umstritten, ist der Verpflichtungskredit von 3,68 Mio. Franken für die Sanierung der Wasserversorgungsanlage. Es ist die dritte von vier Etappen und soll zwischen 2021 und 2025 umgesetzt werden. Der Gemeinderat schreibt im Büchlein: «Die Einwohnerzahl der Gemeinde Villmergen ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Aufgrund der immer noch anhaltenden regen Bautätigkeit ist auch zukünftig mit weiter steigenden Zahlen zu rechnen. Damit die Wasserversorgung diesen Entwicklungen weiterhin genügen kann, müssen die Anlagen teilweise erneuert und ausgebaut werden.» Weiter heisst es: «Die Investitionen in die Infrastruktur der Wasserversorgung dienen der langfristigen Versorgungssicherheit für Haushalte, Industrie- und Gewerbebetriebe, Landwirtschaft und der Bereitstellung der vorgeschriebenen Menge an Löschwasser in Brandfällen.»

In dieser dritten Phase liegen die Schwerpunkte im Abschluss der Quellsanierungen Buechhau/Wyssross, im Ausbau des Reservoirs Bergmättli, in der Anbindung des Smart-Meters, in den Leitungserneuerungen mit Ringschlüssen im Hauptwasserleitungsnetz sowie in den Voruntersuchungen der Quellen Junghau. Total soll die dritte Etappe 7,61 Mio. Franken kosten, einzelne Projekte darin werden allerdings als separate Sanierungsprojekte traktandiert werden.

Coronabedingt in der Turnhalle «Hof»

Weitere Traktanden sind das Budget mit einem unver­änderten Steuerfuss von 102 Prozent, zwei Einbürgerungen und sechs Kreditabrechnungen. Die Gemeindeversammlung am ­Freitag, 20. November, um 19.30 Uhr findet coronabedingt in der Turnhalle «Hof» statt. «Die notwendigen Abstandsregeln und Hygienevorschriften werden eingehalten», heisst es auf der Gemeindewebsite. Gesichtsmasken und Desinfektionsmittel werden vor Ort zur Verfügung gestellt.

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