Herbst im Freiamt

Wegen trockenem Sommer und Herbst: «Es hat schon Pilze, nur nicht so viele»

Herbstzeit ist Pilzzeit – doch für die Sporen ist es dieses Jahr viel zu trocken. Eine az-Redakteurin hat an ihren Lieblingsplätzen nachgeschaut.

Nichts. Am Hang, wo sonst oft die Schopftintlinge ihre weissen Köpfchen aus dem Boden strecken: Nichts. Am lichten Waldrand, wo jedes Jahr die Totentrompeten spriessen: Nichts. Und im hübschen Buchenwald, wo sich in anderen Jahren gerne die Maronenröhrlinge zeigen: Wieder nichts.

Einen ganzen Abend lang bin ich mit Freunden durch den Wald spaziert und habe Pilze gesucht. Die Ausbeute war äusserst mager: vereinzelte Täublinge, Rotfüsse und Reizker. Die einzigen, die uns schon von weitem angestrahlt haben, waren grosse rote Fliegenpilze. Doch kurz bevor wir den Heimweg antraten, hielt der Wald dann doch noch eine Überraschung für uns bereit: Ein einzelner, wunderschöner Steinpilz wartete auf dem letzten Fleck auf uns, an dem wir es probierten. Als hätte er sich absichtlich dort postiert. Immerhin, für die Pilzrahmsauce hat es gereicht. Doch verglichen mit anderen Jahren war die Ausbeute wirklich mager.

Auch Monika Senn, die als Pilzexpertin für die Gemeinden Villmergen, Uezwil, Büttikon und Waltenschwil zuständig ist, hatte dieses Jahr nicht mehr Glück: «Es hat schon Pilze, nur nicht so viele», bestätigt sie meinen Eindruck. «Das liegt daran, dass es viel zu trocken war den Sommer und Herbst über. Pilze mögen es feuchter.» Ganz so schlecht wie im letzten Jahr sei die Pilzsaison aber bisher nicht ausgefallen, denn 2015 war es noch trockener als heuer. Wiesenchampignons habe sie viele gesehen oder auch die Egerlingsschirmlinge. «Letztere kann man zwar nicht essen, aber ich finde sie trotzdem hübsch», sagt Senn.

«Oh, es regnet!»

Vor einer Woche rief mein Mitbewohner auf einmal ganz aufgeregt: «Oh, es regnet!» Erst verstand ich gar nicht, warum er so begeistert aus dem Fenster starrte, dabei war es so naheliegend: «Jetzt können die Pilze wachsen!» Ein paar Tage später machte sich unsere kleine Gruppe also nochmals auf in den Wald. Doch das Resultat blieb ähnlich: Diesmal gab es immerhin einzelne Schopftintlinge und Rotfüsse zu den Reizkern dazu. Und jede Menge Pilze, die wir nicht kannten und darum stehen liessen. Unsere gewohnten Pilzplätzchen waren aber dennoch leer. Nur ein Fröschlein hüpfte darüber. Dabei hat es doch richtig lang geregnet! Immerhin reichte es wieder für ein Abendessen, jedoch hatten wir gehofft, die Pilze trocknen zu können – dazu reichte es bei weitem nicht.

Die Pilzexpertin kennt das Problem: «Es hat schon nach Regen ausgesehen, aber es war viel zu wenig, als dass er durch die Baumdächer hinunter bis zum Boden hätte gelangen können. Ich habe am selben Abend auch Lauch aus dem Garten geholt, und schon unter der Oberfläche war der Boden knochentrocken. Und im Wald saugen die Bäume das meiste auf.» Doch auch sie habe sich einige Tage nach dem Regen ein herbstliches Zmittag sammeln können, dafür reiche es allemal. Vor allem Kuhmäuler und Röhrlinge habe sie gefunden, ausserdem Habichtspilze, die man zu Pulver verarbeit als Würze benützt.

Hoffnung nicht aufgeben

Die Pilz-Hauptsaison dauert normalerweise von August bis Oktober. «Je nach Wetter», sagt Monika Senn, «denn wenn es zu kalt wird, wachsen die Pilze nicht mehr.» Vor allem Mönchsköpfe und Stockschwämme seien typische Herbstpilze, erklärt sie. Doch auch wenn es dieses Jahr nicht so viele Pilze gäbe, lohne sich das Nachschauen. «Südhänge kann man im Moment vergessen, da ist es zu trocken. Man sollte sich eher dort umsehen, wo es feuchter ist, in Senken beispielsweise.»

Meine Freunde und ich werden uns also trotz allem erneut auf die Suche machen. Mal sehen, vielleicht finden wir ja doch noch etwas mehr – vor allem auf meine Lieblingspilze, die Totentrompeten, warte ich sehnlichst. Aber auch wenn nicht, ein Spaziergang durch den Herbstwald lohnt sich schliesslich immer.

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