Wohlen
Wegen Konkurs: SVP-Gallati fordert Rücktritt von Schulpflege-Präsident

Die Firma, in der Wohlens Schulpflegepräsident Franco Corsiglia VR-Präsident und CEO war, hat Konkurs angemeldet. Jean-Pierre Gallati von der SVP fordert von Corsiglia Konsequenzen. Der nimmt das aber recht gelassen und kontert.

Toni Widmer
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Jean-Pierre Gallati (SVP) fordert den Rücktritt von Franco Corsiglia, Präsident der Schulpflege Wohlen. Corsiglia sagt: «Offenbar ist das eine Retourkutsche der SVP für meine Aussage im Wahlkampf von 2013.»

Jean-Pierre Gallati (SVP) fordert den Rücktritt von Franco Corsiglia, Präsident der Schulpflege Wohlen. Corsiglia sagt: «Offenbar ist das eine Retourkutsche der SVP für meine Aussage im Wahlkampf von 2013.»

Annika Bütschi/ZVG

Jean-Pierre Gallati, Wohler Grossrat und Einwohnerrat, bringt die Kanonen in Stellung. Auf der Homepage der SVP Wohlen fordert er den sofortigen Rücktritt des Wohler Schulpflegepräsidenten Franco Corsiglia. Das, weil die Firma Schäfer Kunststofftechnik AG in Root LU vor wenigen Tagen ihre Bilanz deponiert hat. Corsiglia war in dieser Firma Verwaltungsratspräsident und Geschäftsführer.

«Ich fordere Herrn Corsiglia auf, als Schulpflegepräsident sofort zurückzutreten. Zwei Konkurse sind mindestens einer zu viel. Die Schule Wohlen braucht einen Präsidenten, der unbelastet ist», schreibt Gallati. Mit dem zweiten Konkurs spricht der SVP-Politiker die Pleite der Wohler Acry-Trend AG an: «Nicht jeder Konkurs», hält er in seiner Mitteilung auf der Homepage der SVP fest, «muss zum Rücktritt aus einem öffentlichen Amt führen; es kann im Einzelfall Gründe geben, welche einen Verwaltungsrat entlasten. Aber bei Herrn Corsiglia liegt der Fall ein wenig anders, weil er schon 2008 mit seiner Firma Acry-Trend AG Konkurs angemeldet hat.»

Gallati hält Corsiglia Aussagen vor

Gallati konfrontiert Corsiglia mit Aussagen, die dieser in der Vergangenheit gemacht hat. Unter anderem im September 2013, als eine Wohler SVP-Kandidatin für die Schulpflege mit ungeschickten Einträgen im Facebook in den Internet-Portalen landesweit für Aufmerksamkeit sorgte. Auf «20min.ch» erklärte Corsiglia damals: «Jemand in einem solchen Amt trägt Verantwortung.»

Man müsse wissen, wie man sich nach aussen präsentiere. Was Gallati zur Bemerkung veranlasst: «Damals ging es ihm und den vereinigten Mitte-Links-Parteien unserer Gemeinde darum, eine SVP-Kandidatin als Schulpflegerin abzuschiessen.» Jetzt, erklärt der Grossrat und Einwohnerrat weiter, müsse auch Corsiglia die Konsequenzen ziehen.

Entscheid des Mutterkonzerns

Daran denkt dieser überhaupt nicht. Im Gegenteil: Franco Corsiglia nimmt die Rücktrittsaufforderung von Jean-Pierre Gallati sogar recht gelassen: «So spielt die Politik. Offenbar ist das eine Retourkutsche, weil ich mich im Wahlkampf 2013 zur SVP-Kandidatin geäussert habe.»

Der Konkurs der Schäfer Kunststofftechnik AG habe mit seinem Amt als Schulpflegepräsident nichts zu tun. Und ohnehin sei nicht primär er dafür verantwortlich, dass die Firma am 22. Januar habe die Bilanz deponieren müssen: «Das war ein Entscheid der Muttergesellschaft in Deutschland. Sie hat im November 2014 Insolvenz erklärt und in diesem Strudel sind auch wir als Schweizer Ableger untergegangen.»

Er hätte zwar die Geschäfte der Firma geführt, die wichtigen Entscheidungen seien aber in Deutschland gefallen, sagt Corsiglia weiter. Gallati indessen hält fest, die deutsche Muttergesellschaft hätte ihre Insolvenz mit einem «unerwartet schlechten Ergebnis der Schweizer Tochtergesellschaft» begründet.

Mit der siebenköpfigen Belegschaft der Firma in Root hat am 20. Januar auch Corsiglia seine Stelle verloren. Er habe, erklärte er, bereits einen neuen Job gefunden, dürfe aber noch nicht sagen wo.