Prozess in Muri
Wegen Herzfehler: Seniorin wird bewusstlos und prallt in Töff-Fahrer

Weil sie 2003 einen Unfall verursacht hatte, bei dem ein Motorradfahrer schwer verletzt wurde, erhielt eine 71-jährige Frau von der Staatsanwaltschaft eine Busse von 1000 Franken. Doch das Bezirksgericht sprach sie nun frei.

Jörg Baumann
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Senioren am Steuer: Plötzlich baute die 71-Jährige einen Unfall

Senioren am Steuer: Plötzlich baute die 71-Jährige einen Unfall

Keystone

Die Frau hatte am Steuer das Bewusstsein verloren und war mit ihrem Auto auf die linke Strassenseite geraten. Dort stiess sie mit einem Motorradfahrer zusammen, der bei diesem Unfall erheblich verletzt wurde.

Für die Staatsanwaltschaft schien der Fall klar: Sie verurteilte die Autofahrerin wegen fahrlässiger Körperverletzung, mangelnder Aufmerksamkeit und Nichtbeherrschen des Fahrzeuges zu einer bedingten Geldstrafe von 5000 Franken und einer Busse von 1000 Franken.

Am Steuer nicht eingenickt

Das Bezirksgericht Muri beurteilte den Fall anders. Es sprach die Autofahrerin frei. Sie sei nicht am Steuer eingenickt. Vielmehr hätte eine Fehlfunktion des Herzens zu einer Bewusstlosigkeit geführt, befand Gerichtspräsident Michael Plattner.

Es gebe keine Anhaltspunkte für einen Sekundenschlaf der 71-Jährigen. Das ist auch die Meinung der Mediziner. Laut ihrem Befund liegt keine Fahreinschränkung vor. Das Leiden sei medikamentös beherrschbar.

«Ich kenne mein Leiden. Deshalb nehme ich auch Tabletten. Damit ging es mir in den letzten Jahren immer gut», sagte die Frau. Auf ihrer Fahrt habe sie sich wohlgefühlt. Sie habe noch die Ortstafel von Althäusern gesehen und abgebremst: «Von da an weiss ich nichts mehr. Ich bin erst wieder aufgewacht, nachdem der Unfall passiert war. Der Motorradfahrer tut mir leid.»

Die Anwältin des Opfers stellte sich hinter die Staatsanwaltschaft. Die ausgefällte Strafe sei nach ihrer Ansicht korrekt. Der Verteidiger verwies indessen auf den medizinischen Befund. Gegen ihr Leiden nehme die Autofahrerin Medikamente. «Aber niemand kann garantieren, dass sie dauernd wirken.» Die Lenkerin sei langsam gefahren und die Sicht auf die Strasse gut. Auch sei sie bei ihrer Fahrt nicht müde gewesen, sondern ausgeschlafen.

Fahrverbot wieder aufgehoben

Nach dem Unfall erhielt die Autofahrerin von einem Arzt ein befristetes Fahrverbot. Dieses wurde nach drei Monaten aufgehoben. «Am nächsten Dienstag gehe ich wieder zum Check», sagte die Frau.

Auf den Freispruch reagierte sie überglücklich. Die Kosten des Verfahrens und der Verteidigung übernimmt der Staat. Die Schadensansprüche des Unfallopfers verwies Gerichtspräsident Michael Plattner auf den Zivilweg. Offen sei, sagte er, ob die Staatsanwaltschaft das Urteil ans Obergericht weiterziehen wolle.