Das Freiämter Wild kämpft an vielen Fronten. Durch die steigende Anzahl der Waldbenutzer ist seine Umgebung unruhig, es fühlt sich beim Fressen gestört. Dabei sollte es zunehmen, um gegen die widrigen Verhältnisse besser gewappnet zu sein. Zudem werden sie oft Opfer von Hundeangriffen, da einige Hundehalter ihre Tiere nicht unter Kontrolle haben.

Eigentlich meint es das diesjährige Winterwetter gut mit den Waldtieren: Weder Schnee noch Frost erschweren zurzeit die Nahrungsaufnahme, Gräser und Beeren wachsen im Überfluss.

Und trotzdem herrscht unter den Rehen ein Gewichtsproblem. Weibliche Rehkitze wiegen bei der Geburt rund 1500 Gramm, männliche Kitze sind etwas schwerer.

Bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie von Milch- auf Pflanzennahrung umstellen, ist die Gewichtsentwicklung der Kitze von der Milchleistung des Muttertiers und von den vorherrschenden klimatischen Verhältnissen abhängig. Danach spielt das weitere Umfeld eine wichtige Rolle: Die Rehe brauchen Ruhe und Zeit, sich der Nahrungsbeschaffung zu widmen.

Zu gestresst zum Fressen

Diese Ruhe wird gestört, denn gemäss den regionalen Jagdgesellschaften sind die Rehe im Freiamt leichter als ihre Artgenossen in anderen Regionen. Grund für dieses Phänomen ist nicht ein Futtermangel, sondern vielmehr das unruhige Waldleben.

Die Ruhe im Wald wird von vielen Seiten bedroht: Der Wald als Erholungsgebiet gewinnt immer mehr an Bedeutung. Familien, aber auch junge Erwachsene schätzen die kraftspendende Stille zwischen den Bäumen.

Die hohe Anzahl an Joggern, Reitern und Bikern erfreut sich am Wald: Sie ziehen die Natur dem Fitnesscenter vor. Zusätzlich wird geholzt und Strassen werden gebaut. So befindet sich das Wild im Dauerstress und kann sich nicht aufs Fressen konzentrieren.

Zunehmende Hundeangriffe

Die stetige Zunahme der Waldbenutzung ist aber nicht das einzige Problem. Sepp Guggerli von der Jagdgesellschaft Boswil erzählt: «In den letzten vier Wochen wurden gleich drei Rehe von Hunden angefallen, das ist sehr traurig.»

Diese sogenannten «Hunderisse» sind vielen Jägern ein Dorn im Auge. «Die Bisswunden an den Hinterbeinen führen oft dazu, dass wir das Reh nur noch vom Schmerz erlösen können.» Dabei könnten die vom Staat verordneten Hundekurse eine Rolle spielen.

Es wird vermutet, dass einige Hundebesitzer nach Bestehen des Kurses das Gefühl haben, ihren Schützling unter Kontrolle zu haben. Im Wald sieht es dann aber anders aus: Sobald er ein Reh sichtet, ist der Hund taub für die Rufe des Halters.

Auch die Leinenpflicht wird oft nicht wahrgenommen. Franz Bühlmann von der Jagdgesellschaft Bremgarten stimmt dem zu: «Gerade das Reussgebiet ist beliebt unter den Spaziergängern mit Hunden». Die Jagdgesellschaften hoffen auf einen Rückgang der Hundeangriffe und beobachten das Wild und dessen Entwicklung laufend.

Neues Merkblatt des STS

Der Schweizer Tierschutz sieht auch ein anderes Problem: Jedes Jahr werden schweizweit Tausende verletzte oder verwaiste Wildtiere von tierliebenden Menschen bei Wildtierstationen zur Pflege abgegeben.

Doch nicht immer benötigen scheinbar notleidende Wildtiere menschliche Hilfe. Manchmal bringt die «Rettung» mehr Schaden als Nutzen. Ein neues Merkblatt fasst die Informationen zu den häufigsten Notsituationen zusammen, richtiges Verhalten wird aufgezeigt und es werden Kontaktadressen aufgeführt.

Mehr Infos finden Sie hier.