Oberrüti

Wegen Baubewilligung: Kein Feierabendbier für den Vize

In Oberrüti wirken Auseinandersetzungen um den Werkhof und das Betonwerk der Vanoli AG bis in die bevorstehenden Gemeinderatswahlen nach.

In Oberrüti wirken Auseinandersetzungen um den Werkhof und das Betonwerk der Vanoli AG bis in die bevorstehenden Gemeinderatswahlen nach.

In Oberrüti macht Gemeinderat Marco Graf dem jetzigen Vizeammann Pius Hofstetter den Sitz streitig.

Aussergewöhnliche Situation in Oberrüti: Der bisherige Gemeinderat Marco Graf (parteilos) kandidiert als Vizeammann und tritt damit gegen den bisherigen Vizeammann Pius Hofstetter (SVP) an – der aber sein Amt nicht abgeben will.

Ganz gleich, wie die Wahl ausgehen wird: Konstruktive Arbeit sei, unabhängig vom Wahlausgang, trotzdem möglich, glaubt Graf. Dabei scheint das Klima im Gemeinderat Oberrüti eigentlich schon länger ziemlich gestört. Jedenfalls erklärt Hofstetter, nach den Sitzungen wollten ihn die Gemeinderatskollegin und die –kollegen nicht mehr beim Feierabendbier dabei haben. Dazu weiter unten etwas mehr.

Happiges Ressort

Graf, seit 2014 im Gemeinderat, hat mit den Ressorts Schule, Erziehung und Bildung, Jugend und Alter, Kultur, Sport und Vereine, dem Sozialwesen sowie dem Kindes- und Erwachsenenschutz Aufgabenbereiche unter sich, die in den letzten Jahren – Stichwort Schulraumerweiterung und Z-Fighter-Halle – ziemlich arbeitsintensiv waren. Er hat diese von seiner Vorgängerin Brigitte Deplazes, die Vizeammann war und entnervt den Bettel hingeworfen hatte, übernommen.

«Ich gebe mein bisheriges Amt als Vizeammann bestimmt nicht kampflos ab.»

Pius Hofstetter, Vizeammann

«Ich gebe mein bisheriges Amt als Vizeammann bestimmt nicht kampflos ab.»

Gleichzeitig ist er, was die Ressorts anbelangt, Stellvertreter von Gemeindeammann Fränzi Baggenstos, welche unter anderem Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation, Gemeindeorganisation und Verwaltung, Polizei, Finanzen und Personalwesen betreut – und umgekehrt. «Unter diesem Gesichtspunkt macht es Sinn, wenn ich auch gleich Vizeammann wäre», sagt Graf. Wenn er nicht als Vizeammann gewählt werde, sei das für ihn auch kein Unglück, wie er sagt. «Aber dann müssen wir sicher über eine bessere Arbeitsverteilung sprechen.»

«Nicht kampflos»

Für Hofstetter, seit fünf Jahren im Gemeinderat und nun seit einer Amtsperiode Vizeammann, ist die Situation «sehr speziell», wie er gegenüber der AZ erklärt. Selbstverständlich sei es das Recht von Kollege Marco Graf, als Vizeammann zu kandidieren. Aber er wolle weiterhin Vizeammann bleiben und werde den Sitz bestimmt nicht kampflos abgeben. «Sollte ich als Vizeammann abgewählt werden, würde ich weiterhin als Gemeinderat arbeiten», sagt er. «Jetzt haben die Stimmberechtigten zu entscheiden.»

«Es macht mit meinem Ressort Sinn, wenn ich gleichzeitig Vizeammann wäre.»

Marco Graf, Gemeinderat

«Es macht mit meinem Ressort Sinn, wenn ich gleichzeitig Vizeammann wäre.»

Altlasten

Doch zurück zum Feierabendbier nach den Sitzungen, das vom Gemeinderat Oberrüti ohne Hofstetter getrunken wird. «Es ist so, wir verkehren nur noch auf rein geschäftlicher Basis miteinander», erklärt der Vizeammann. «Privat wollen sie mich nach den Sitzungen nicht mehr dabei haben.»

Hintergrund für die gestörte Kollegialität ist eine vom Gemeinderat erteilte Baubewilligung für einen Werkhof und ein Betonwerk der Vanoli AG in Oberrüti. Hofstetter hatte sich, zusammen mit anderen, schon 2012 gegen die Realisierung dieses Bauwerks gestellt. 2015 lehnte der Regierungsrat die Beschwerden ab.

In einem Leserbrief im «Anzeiger für das Oberfreiamt» rügte Hofstetter, «als Privatmann», wie er betonte, das Verhalten des Gemeinderats in dieser Sache deutlich. Gemeindeammann Fränzi Baggenstos und ihre Kollegen fühlten sich massiv vor den Kopf gestossen. «Das Kollegialitätsprinzip ist verletzt, das Verhältnis ist jetzt extrem gestört», fasste Baggenstos anfangs 2016 gegenüber der AZ zusammen.

Die Differenzen konnten offensichtlich bis heute nicht bereinigt werden – schon gar nicht bei einem Feierabendbier. Hofstetter gibt sich für die Gesamterneuerungswahl am 24. September zuversichtlich. Graf will keine Prognose wagen. «Aber es wird spannend», sind sich beide einig.

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Autor

Eddy Schambron

Eddy Schambron

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