Bremgarten

Wegen Asylbetreuung: Bald geht die Soldatenstube in Bremgarten zu

In der «Soldatenstube»: Marlies Moser und Kaj Jannasch sind verständlicherweise enttäuscht

In der «Soldatenstube»: Marlies Moser und Kaj Jannasch sind verständlicherweise enttäuscht

Das öffentliche Restaurant auf dem Waffenplatzgelände in Bremgarten geht in 12 Wochen zu. Es wird Teil des Konzepts für die Asylbetreuung. Die Betriebsleiter sind enttäuscht.

Der Schock sitzt tief. Soeben haben Kaj Jannasch, der Betriebsleiter der «Soldatenstube», und seine Stellvertreterin Marlies Moser erfahren, dass die Gaststätte nur noch bis zum 21. Juni geöffnet sein wird.

Anschliessend, nach einer einwöchigen Räum- und Putzaktion, findet die Restaurantliegenschaft des VBS (eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport) eine andere räumliche Verwendung.

Die «Soldatenstube» wird für drei Jahre ins Konzept der Asylbetreuung in Bremgarten einbezogen; im 100 Meter vom Restaurant entfernten Truppenlager «Camp» quartiert das Bundesamt für Migration (BMF) im Sommer 150 Asylbewerber ein.

«Das ist sehr bitter»

Kaj Jannasch und Marlies Moser verhehlen ihre grosse Enttäuschung nicht: «Mit einem derartigen Schlussstrich haben wir nicht gerechnet. Das ist sehr bitter».

Bis zuletzt hatten Jannasch und Moser gehofft, dass das Bundes-Kompetenzzentrum Armasuisse, das für die Betreuung der VBS-Liegenschaften zuständig ist, auf ihr Angebot einsteigt.

Kaj Jannasch und Marlies Moser wollten die «Soldatenstube», gemeinsam mit Brigitte Gämperle, als Kleinunternehmen im Dreier-Team weiterführen.

«Armasuisse hielt uns vor dem abschlägigen Entscheid lange hin», sagt Jannasch. Leider habe das Hoffen und Bangen nichts genützt.

«Herber Verlust für Bremgarten»

Der Bremgarter Louis Marendaz, selbstständiger Elektroinstallateur und Stammgast in der «Soldatenstube», findet deutliche Worte zur beschlossenen Schliessung und Umnutzung des Restaurants: «Bedauerlich und sehr ärgerlich, ein herber Verlust für Bremgarten.»

Die gut geführte «Soldatenstube» werde von den Handwerkern sehr geschätzt, weil man hier zu vernünftigen Preisen den «Znüni» oder ein vollwertiges Mittagessen einnehmen könne.

«Zudem», so Marendaz, «ist die nahe der Umfahrung gelegene Gaststätte ein Treffpunkt und Begegnungsort für viele Zivil- und Militärpersonen. Leider geht diese Zeit bald zu Ende.»

Die Frequenzen sind gut, insbesondere zur Mittagszeit. Im Schnitt werden in der «Soldatenstube» täglich 40 Mittagessen zum bescheidenen Preis von Fr. 13.80 eingenommen. Zudem werden in der kleinen Küche an vier Wochentagen jeweils weitere 15 bis 20 Menüs für den Mittagstisch zubereitet.

Fast 40 Jahre in der Soldatenstube

Die Bremgarterin Marlies Moser hat als 20-Jährige im September 1973 in der «Soldatenstube» zu arbeiten begonnen. «Praktisch mein ganzes Arbeitsleben verbrachte ich hier bei meinen Gästen, jetzt bin ich 60 und das wars», sagt Marlies Moser.

Die SV Group, Betreiberin und Pächterin der Soldatenstube, wollte Marlies Moser eine andere Stelle im Unternehmen anbieten. Sie hat abgelehnt. Auch Betriebsleiter Kaj Jannasch könnte in der Umgebung weiterhin für die SV Group tätig sein. Ob er das Angebot annehmen wird, weiss der 37-jährige Bremgarter zurzeit noch nicht.

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