Freiamt
Wasser-Entnahmen: Schwarze Schafe zeigen sich bei Trockenheit

Freiämter Gemeinden weisen darauf hin, dass man sich an öffentlichen Gewässern nicht einfach bedienen darf. Im letzten Jahr wurden etwa drei bis vier Verfahren im Aargau eingeleitet. Meistens betrifft es Bauern.

Dominic Kobelt
Drucken
Teilen
Eine Giesskanne voll ist in Ordnung, bei grossen Mengen braucht es aber eine Bewilligung vom Kanton.

Eine Giesskanne voll ist in Ordnung, bei grossen Mengen braucht es aber eine Bewilligung vom Kanton.

Lukas Schumacher

«Wir rufen in Erinnerung, dass Wasserentnahmen aus Oberflächengewässern (z. B. Bach, Fluss, See, Weiher etc.) bewilligungspflichtig sind», schreibt die Gemeinde Hägglingen in ihren Gemeinderatsnachrichten. Ausgenommen sind Entnahmen für den «Gemeingebrauch». Wer also mit der Giesskanne zum Dorfbächli läuft und dort Wasser für seine Primeli holt, darf das, ohne mit einer Busse rechnen zu müssen.

Sommer 2003: Ohne Wasserbezug ging gar nichts

Im Sommer 2003 war es auch im Freiamt so trocken wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Der Wasserverbrauch der Privathaushalte erreichte schlagartig Rekordwerte. In Wohlen beispielsweise stieg der Tagesverbrauch zwischenzeitlich auf über 9 Mio. Liter. Das waren rund 0,7 Mio. Liter beziehungsweise 700 Kubikmeter mehr als der bisherige, 10 Jahre alte Verbrauchsrekord. In den sogenannten «Giesskannenstunden» zwischen 19 und 21 Uhr wurden zeitweise bis zu 220 Liter pro Sekunde verbraucht. Bisher waren an normalen Sommerabenden in dieser Zeit in Wohlen rund 60 bis 65 Sekundenliter registriert worden.

Die Bauern mussten aufgrund der Trockenheit mit erheblichen Ernteeinbussen rechnen und versuchten alles, um ihre Ackerflächen bewässern zu können. An der Bünz wurden Bewilligungen für den Wasserbezug erteilt, aber lediglich in Etappen. Letztlich durfte allerdings für die Bewässerung der Felder nur noch Wasser aus dem Kanal entnommen werden, der neben dem Fluss von der Kläranlage Wohlen zur Aare in Wildegg führt. (to)

Auch andere Freiämter Gemeinden publizieren solche Hinweise. Diese kommen ursprünglich vom Kanton – Hägglingen hat in dieser Beziehung keine negativen Erfahrungen gemacht. «Wir sind angewiesen, die Leute zu sensibilisieren und machen deshalb jährlich in unseren Mitteilungen darauf aufmerksam», bestätigt Gemeindeschreiberin Fabienne Fischer.

Nur wenige Verfahren

Zum Grossteil betreffe die Wasserentnahme die Bauern, wenige Bewilligungen entfallen auf Private und das Gewerbe, sagt Peter Berner, Gewässerökologe beim Kanton. «Solange es genug regnet, besteht eigentlich kein Problem. Wenn es aber mehrere Wochen lang trocken ist, kommt es schon vor, dass es ‹schwarze Schafe› gibt, die ohne Bewilligung Wasser beziehen.» Im letzten Jahr wurden etwa drei bis vier Verfahren eingeleitet, sagt Berner. Den Bauern droht nicht nur eine Busse, sondern auch eine Kürzung der Direktzahlungen, wenn der Verstoss rechtsgültig festgestellt wurde.

Ob ein Bauer eine Bewilligung erhält oder nicht, ist primär von der Grösse des Gewässers abhängig, an dem die Pumpe installiert werden soll. Sollte es aber kritisch werden, kann der Kanton jederzeit die Bewilligung unterbrechen: «Dieser Vorbehalt ist in der Nutzungsbewilligung festgeschrieben. Wenn die Wassertemperatur zu hoch wird oder die Abflussmenge zu tief, schreiben wir die Bauern an, dass demnächst möglicherweise Wasserentnahmen verboten werden müssen.» Auch letztes Jahr mussten vereinzelte Landwirte an kleineren Gewässern angeschrieben werden. Gegebenenfalls muss dann die Wasserentnahme gestoppt werden, denn das Gewässerschutzgesetz des Bundes schreibt eine von der jeweiligen Gewässergrösse abhängige Restwassermenge vor.

Kontrollen machen Gemeinden

Für die Kontrollen zuständig sind die Gemeinden. Besonders dann, wenn es trocken ist, überprüfen sie, ob an den Pumpen ein entsprechender Zettel hängt, der die Bewilligung bestätigt. Fehlt dieser, wird kontrolliert, ob der Landwirt unbefugt handelt oder einfach nur vergessen hat, die Bewilligung an der Pumpe anzubringen. Eine Bewilligung wird in der Regel für fünf bis zehn Jahre ausgestellt. Theoretisch könnte sie auch für 20 Jahre ausgestellt werden, das wird aber nicht gemacht. «In 20 Jahren kann sich viel ändern», sagt Berner. Alle drei bis vier Jahre informiert der Kanton die Gemeinden, wer Wasser entnehmen darf. «So behalten die Gemeinden auch die Übersicht», erklärt Berner.

Im Freiamt sind Wasserentnahmen aus der Reuss kaum ein Problem. Hingegen wird es in trockenen Sommern an der Bünz rasch kritisch. Der Wasserstand darf dort aus Rücksicht auf den Fischbestand nicht zu stark sinken, damit das Wasser nicht zu warm wird. Eine Möglichkeit für die Bauern an der Bünz ist hingegen der Bezug aus dem ARA-Kanal (siehe Text rechts).

Aktuelle Nachrichten