Drei Autos stehen mit offenen Kofferräumen vor dem Eingang zu «brings». Heraus ragen Kisten und Säcke voller Abfall. Ein Mitarbeiter hilft, die verschiedenen Materialien fachmännisch zu trennen und in Tonnen und Container zu hieven.

Egal, zu welcher Tageszeit man an der Wilstrasse 55 vorfährt, immer stehen Autos vor dem Eingang. «An Samstagen sind es zwischen 250 und 350 Wagen», berichtet Thomas Römer, Geschäftsführer der Abfallsammelstelle. 3500 Tonnen Material wird so jährlich angeliefert, «alles aus Kofferräumen». Doch warum bringen all die Leute ihre Abfälle zur Römer AG? «Weil bei uns ganz einfach alles abgegeben werden kann», sagt der Geschäftsführer.

Für Holz, Sperrgut, Sonderabfälle und Bauschutt muss bezahlt werden. Für alles andere reicht der Jahresbeitrag von 15 Franken. Dafür wird man nicht nur seinen Müll los, sondern erhält auch gleich ein gutes Gewissen mitgeliefert. Denn alle Stoffe, bei denen es möglich ist, werden direkt in Wohlen sortiert, komprimiert und an Fabriken – meist in der Schweiz – weiterverkauft, die wieder Neuwaren daraus herstellen. «Rund 70 Prozent des Abfalls von Privatpersonen kann rezykliert werden.»

Riesige Müllberge

Was Otto Normalabfallrecycler nicht sieht: Hinter der Sammelstelle befinden sich riesige Hallen und Plätze voller Abfallstoffe, die mit Kränen und Hubstaplern getrennt und von haushohen Maschinen gefiltert, geschreddert und zum Transport gepresst werden.

Man weiss kaum, wo man hinsehen soll: Hier wird Altmetall getrennt – und zwar nach Metallart. Dort werden Kisten und alte Möbel zu Holzschnitzeln geschreddert, die entweder in ein thermisches Kraftwerk oder zurück zur Spanplattenindustrie überführt werden. Auf einem Haufen liegen ganze Zugsbestandteile zum Rezyklieren bereit.

Spezialpapier geht nach China

In einer Halle werden Papierabfälle, die noch jede Menge Karton und Plastikbeschichtungen enthalten, von grossen Maschinen und von Hand sortiert und nach Weissegrad des Papiers an Recycling-Papier-Hersteller weiterverkauft. «Die speziell beschichteten Convenience-Food-Verpackungen für die Mikrowelle laden wir in Container und verschiffen sie nach China, denn in Europa rezykliert diese niemand mehr. Die Chinesen kaufen uns das Material ab und verarbeiten es neu», hält Römer fest.

Geschredderter Plastik auf verschiedenen Haufen wird in Fabriken zu neuen Plastikbehältnissen oder Baurohren verarbeitet. «Plastik kann unendlich lange wiederverwertet werden», ist er begeistert.

Saisonale Unterschiede gibt es auch hier: «Zu Weihnachten bringen die Leute bis zu sieben Tonnen Papier und Karton pro Tag.» Und dass sich heute innert zwei Wochen locker acht Palette ausrangierter Fernseher ansammeln, sei nichts Spezielles. «Als vor einem halben Jahr plötzlich alle Fernseher HD-tauglich sein mussten, wussten wir gar nicht mehr wohin mit den vielen Kisten.» Elektronische Geräte werden durch die vorgezogene Entsorgungsgebühr bereits beim Kauf abgegolten.

«Wir haben mittlerweile 4000 Mitglieder, durch deren Jahresbeitrag die Verlustgeschäfte beispielsweise mit Glas, Kork und PET bezahlt werden. Bei den meisten anderen Stoffen sind wir schlicht eine Handelsfirma.»

Schweizweit sind sie eine von etwa zehn eigenständigen «brings»-Sammelstellen. Bis 2020 soll es 100 «brings»-Stellen geben. Was nicht rezykliert werden kann, wird in Kraftwerken verbrannt und liefert dadurch Energie – Bauschutt hingegen endet auf der Abfalldeponie.