Ob Herzschmerz, Streit mit der besten Freundin oder einfach ein stressiger Tag: Es gibt nichts, was eine schöne Maniküre nicht regeln könnte. Diesen Anschein vermitteln unzählige amerikanische Filme und Serien.

Aber auch in der Schweiz boomt das Geschäft mit den bemalten oder künstlichen Nägeln, und das seit etwa dreissig Jahren. Umfunktionierte Friseursalons sowie private und professionelle Nagelstudios haben sich auch im Freiamt etabliert.

Eines davon ist Lendita Frrokis Nagelstudio «VIP Beauty and Nails» an der Zentralstrasse in Wohlen. Dort bietet die 37-Jährige seit einem Jahr Nagelverschönerungen aller Art an. Seither herrscht Dauerbetrieb im Laden.

Mit langen Öffnungszeiten, mehreren Tischen und zwei zusätzlichen Pediküre-Thronen hat sie sich einen breiten Kundenstamm aufgebaut. «Unsere Kunden sind zwischen 16 und 90 Jahren alt», erzählt Frroki mit einem Lächeln im Gesicht. Entsprechend unterschiedlich fallen die Gründe für den Besuch sowie die Wünsche der Kunden aus.

Der pinke Pediküre-Thron

«Teenager wollen oft Nägel mit individuellen Designs. Das können kleine Motive, Nagelpiercings oder Verlängerungen sein. Manchmal auch alles zusammen, wobei ich ihnen immer zu verstehen gebe, wenn ich das Gefühl habe, es sei zu viel», erzählt Frroki. Bei Frauen sei oft ihr Beruf der Grund, weshalb ihnen gepflegte Hände wichtig seien.

Dabei müsse zwischen Frauen, die im Gesundheitswesen arbeiten, und allen anderen unterschieden werden. Künstliche Nägel seien beliebt. «In der Gesundheitsbranche sind diese aber nicht erlaubt. Diese Frauen wollen meist eine simple Maniküre und zusätzlich oft eine Pediküre.»

Letztere gibt es in einem der beiden riesigen, pinken Sessel. «Das ist nicht jedermanns Sache. Wir haben eine grosse Fensterfront. Es gibt Leute, vor allem Männer, die nicht auf einem pinken Thron gesehen werden wollen. Spätestens beim warmen Fussbad vergessen sie ihre Sorgen aber meistens und geniessen den bequemen Sessel», erzählt die Inhaberin schmunzelnd. Männer im Nagelstudio?

Ja, der erste Kunde sei sogar ein Mann gewesen. Trotzdem: Männer im Nagelstudio sind eine Rarität. «Einmal kam ein Kunde ins Studio. Die Frauen starrten ihn ungläubig an. Daraufhin sagte er lächelnd: ‹Keine Angst, ich bin nur hier, um meine Nägeli zu machen.›»

Zitronen für harte Nägel

Auch bei älteren Leuten ist Nagelpflege beliebt. Die älteste Kundin ihres Studios sei 87 Jahre alt. Frroki findet: «Es ist doch schön, sich verwöhnen zu lassen – auch im Alter.» Zudem hätten ältere Menschen oft viele Geschichten zu erzählen. Ganz zur Freude der Nagelstylistin: «Die Arbeit macht mir immer mehr Spass, wenn mein Gegenüber mit mir redet.»

Oft stellen die Kunden aber auch ihr viele Fragen. «Ich gebe gerne und oft Tipps zur Nagelpflege. Um die Nägel zu stärken, steckt man beispielsweise die Finger in eine aufgeschnittene Zitrone, das wirkt Wunder», ist sie überzeugt. Sie selber könne den Trick jedoch nicht anwenden. «Ich mag Zitronen einfach nicht, schade eigentlich», erzählt die aufgestellte Albanerin lachend.

Doch wieso gibt Lendita Frroki Tipps, wenn sie stattdessen für Nagelaufsätze Geld verlangen könnte? «Schlussendlich bringt es nichts, wenn jemand mit ungesunden oder abgekauten Nägeln zu mir kommt und Aufsätze will. Der Nagel würde nicht halten. Dann schicke ich die Person lieber mit einem Tipp und reinem Gewissen nach Hause.»